“Haben die Nachbarn das Wasser vergiftet?”

“Es begann daheim im Badezimmer. Anna Kunze, 16 Jahre alt, putzte wie jeden Mittwoch das Bad. Plötzlich rief eine Stimme: “Anna! Anna!” Wer war das? Ihre Eltern waren unterwegs, das wusste sie sicher. Lief der Fernseher noch? Kunze lief durch das Haus, wurde panisch, fand niemanden. Die Stimme aber war da, laut und stark, als würde jemand direkt hinter ihr stehen. Es war der Anfang von Kunzes Schizophrenie.”

Spiegel Online: Habendie Nachbarn das Wasser vergiftet?

 

Ein Artikel über mich in “Spiegel Online”!

Wow, ich bin begeistert. Im Juli schrieb mich eine Journalistin an, ob ich Lust auf ein Interview zum Thema Schizophrenie hätte. Ein wahr gewordener Traum für mich! Über Telefon nahmen wir Kontakt auf und nun, im November, ist der Artikel draußen.

Danke an Frau Arens von der dpa, ich bin gerade sehr glücklich!

 

Weitere Artikel:

SVZ.de

Dattelner Morgenpost

Südkurier

Stimberg Zeitung

Westfälische Nachrichten

Kölnische Rundschau Online

Westfalenpost

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Post Apotheke

Apotheke am Paulinenplatz

Neue Apotheke Kodersdorf

SZ Online

Streich Apotheke

Endspurt für 2018

Langsam kommen wir in den Endspurt des Jahres 2018.

Derzeit bin ich wieder in einer prä-psychotischen Situation. Halluzinationen sind stärker, ich bin sehr schlapp und gehemmt und meine Gedanken sind mal rasend, mal träge.

Ich bin noch immer mit der Fahrschule am Gange, mache Therapien und versuche meinen Tag zu strukturieren.

Außerdem bin ich nun endlich mit André in eine große, schöne 3 Zimmerwohnung gezogen, in der sich auch Nathan sichtlich wohl fühlt. Wir haben so lange nach einer bezahlbaren Wohnung gesucht und hier eine wundervolle gefunden.

Die Pflichtstunden in der Fahrschule baue ich Schritt für Schritt ab. Heute war die letzte Überland-Fahrt. Mittlerweile macht mir das schnelle Fahren sogar Spaß, auch wenn ich anfangs Schweißausbrüche bei über 70 km/h hatte!

Es läuft also, es geht vorwärts, aber so richtig gut geht’s mir nicht….

Aber das wird schon wieder.

 

Mir geht es gut!

Es kam in letzter Zeit recht wenig. Aber ich kann stolz sagen: Es geht mir derzeit gut!

Ich lebe meinen Alltag, plane viel, habe das ein oder andere Projekt und bald noch einen Kurzurlaub in Berlin. Ich mache Fahrschule, Therapie, kümmere mich um mich selbst (mit das schwierigste in der Akutphase) und habe ein Sozialleben. Hochzeiten, Geburtstage, Feiern gab es die letzten Wochenenden. Und dabei ist ein jemand nicht dabei – die Psychose.

Hilfen für Angehörige

 

Auf Wunsch einer Leserin folgt heute ein Beitrag, wie man als Angehöriger (dabei ist es egal welche Rolle – Partner, Eltern,  Geschwister) mit einem Erkrankten umgehen sollte. Wieder einmal der Disclaimer, das ich kein Profi bin und alle Ratschläge aufgrund eigener Erfahrung folgen.

Anmerkung: ich spreche von dem Erkrankten. Natürlich spreche ich auch weibliche, trans- und intersexuelle Erkrankte an.

  • Informiere dich

Weißt du, was Schizophrenie ist? Kennst du die wichtigsten Symptome? Wenn nicht, dann lese im Internet oder Büchern, auch auf diesem Blog. Um den Erkrankten zu verstehen, muss man wissen, was in ihm vorgeht. Halluzinationen und Wahn sind nicht die einzigen Krankheitssymptome. Auch Ich-Störungen, kognitive Störungen und Negativ-Symptome gehören dazu. Je mehr du weißt, desto besser kannst du deinen Angehörigen verstehen.

 

  • Du hast keine Schuld

Eine schizophrene Psychose ist nicht deine Schuld. Das betrifft gerade Eltern von Erkrankten. “Erziehungsfehler” sind kein Grund dafür, dass später eine Psychose auftritt. Viele Dinge führen dazu, dass die Neigung zu Psychosen erhöht ist. Die Genetik, Stress und Drogen können Schizophrenien hervorrufen. Menschen mit erhöhter Vulnarabilität bekommen schneller eine Psychose als Andere. Suche nicht bei dir nach Fehlern.

  • Sei eine seelische Unterstützung

Halt seine Hand. Rede mit ihm in ruhiger Umgebung. Hilf dem Betroffenen zu entspannen, etwas für sich selbst zu tun und  nicht aufzugeben. Sei für den Angehörigen da!

  • Kümmere dich um das Wohlbefinden

In der Psychose ist es sehr schwierig, seinen geregelten Tagesablauf beizubehalten. Wenn der Erkrankte zu Hause ist (nicht in der Klinik) dann hilf ihm. Gehe mit ihm einkaufen, motiviere ihn zu duschen, Zähne zu putzen und seinen Haushalt aufrecht zu halten. Es ist erstmal wichtig, dass er die Phase gut übersteht. Streite nicht, wenn er es nicht schafft selbst ordentlich zu sein. Sei einfach für ihn da.

  • Kein Streit um Wahninhalte

Es ist schwer nachzuvollziehen was im Kopf eines Schizophrenen vor sich geht. Diskutiere nicht über die Wahninhalte. Versuche nicht ihn mit Diskussionen zu überzeugen. Für den Erkrankten sind diese Gedanken real! Er kann nicht verstehen das es nicht wahr ist. Am besten meidest du Gespräche über diese Inhalte, da sie den Wahn noch verschlimmern können.

  • Rede ruhig, sei vertrauensvoll, spreche kurz und prägnant

Durch die Denkprobleme kann man in der Psychose oft schwierigen, verketteten Sätzen und langen Gesprächen nicht gut folgen. Deswegen solltest du als Angehöriger kurze, prägnante Sätze sprechen und eher langsam reden. Auch solltest du wichtige Dinge mehrmals wiederholen.

  • Such dir selbst Hilfe

Suche dir eine Angehörigengruppe – ob im Netz oder in deiner Stadt – und tausche dich aus. Du musst auch auf dich und deine eigene psychische Gesundheit achten!

  • J. Berg-Peer: ” Überlegen Sie, welche Ihrer Verhaltensweisen weder für Sie selbst noch für den Erkrankten gut sind. “

“Ich war z.B. zu ängstlich, hatte zu viel Angst vor verbaler Aggression. Andere können Unordnung nicht ertragen. Andere wollen die Erkrankten kontrollieren. Das alles ist auch für gesunde Kinder nicht gut. Wir können uns ändern und auch unsere Einstellung zur Krankheit ändern: Schizophrenie ist keine Katastrophe und eine Psychose muss kein Drama sein.”

…wird noch erweitert

Warum meine Einträge kurz sind…

Ihr als Leser werdet fest gestellt haben das die letzten Blog – Beiträge sehr kurz ausgefallen sind.

Wer Psychosen kennt weiß, wie anstrengend Kopf-Sachen sind. Das Denken ist verlangsamt und die Gedanken etwas unklar. Ich rede manchmal komische Sätze, finde nicht die Worte und lesen, konzentrieren fällt schwer.

Da ein kurzer Beitrag schon mehr als genug Kraft benötigt beschränke ich mich aufs nötigste.

Wenn es mir besser geht, wird es wieder mehr zu lesen geben.

I – Woche 4 – Psychiatrie

Ich wurde auf ein anderes Zimmer verlegt, denn mit der Oma zusammen ging es nicht mehr! Nun bin ich mit zwei Frauen in einem Zimmer, die sehr nett sind. Wir unterhalten uns gut und haben ein harmonisches Zusammenleben.

Weiterhin ist nichts in der Medikamenten-Front geschehen. Auch Gespräche gab es keine. Die Psychoedukation langweilt mich, in der Ergotherapie bastel ich vor mich hin …

Stimmen nach wie vor da und sehr laut. Auch komische Wahrnehmungen. Es ist nicht einfach derzeit.

Die Assistenzärztin möchte mich definitiv noch etwas auf Station lassen.

Zumindest kann ich nachmittags nach Hause, wo André und Nathan warten.

I – Woche 3 – Psychiatrie

Es mag nicht so richtig vorwärts gehen in der Klinik. Die Medikamente sollen verändert werden, aber ich weiß noch nicht wie. Gespräche gibt es nur in der Visite – für 5 Minuten.

Auf meinem Zimmer ist eine verwirrte ältere Frau, die es mir auch nicht gerade einfach macht.

Ansonsten bin ich in letzter Zeit sehr müde und die Stimmen sind laut. Blöde Situation. Ich hoffe es wird bald besser.!

Dinge, die man Schizophrenen nicht sagen sollte

pixabay

Über Facebook habe ich schon mehrere Artikel gelesen, wie “Dinge, die man Depressiven/Magersüchtigen/Zwangskranken,… nicht sagen sollte”. Nun hier das Pendant für Menschen mit Schizophrenie.

“Ich hab auch manchmal das Gefühl, das jemand schlecht über mich redet.”

Ich denke jeder hat schon mal das Gefühl gehabt, alle schauen dich an, reden über dich. Das steht aber in keiner Relation mit der Paranoia bei Psychosen. Das man das Gefühl hat, können gesunde Menschen mit Argumenten entkräften oder im besten Fall einfach darüber stehen. Bei Schizophrenen ist dieses Gefühl so real, so bedrohlich, das der Erkrankte schwer darunter leidet. Auch kann man ihm nicht ausreden, was Tatsache ist: nämlich Einbildung.

“Hör auf zu spinnen.”

Wäre es so einfach…alle Gefühle, Gedanken und Erlebnisse sind für den Psychotiker real. Mit Argumenten und Gründen kommt man nicht weit, denn der Erkrankte weiß es besser: Eine Verschwörung, jemand verfolgt ihn, alles dreht sich um ihn! Unsensible Sprüche und Unverständnisse sind absolut unangebracht, denn es handelt sich um eine erkrankte Person, die nicht anders denken kann.

“Reiß dich zusammen!”

Dies spricht die Negativ-Symptome der Schizophrenie an. Unter Negativ-Symptomen versteht man Defizite im Denken, des Gemüts und des Antriebs. Das ähnelt den Symptomen einer Depression. Deswegen kann sich der Schizophrene lustlos, bedrückt und niedergeschlagen verhalten, und es ist schwierig, den Alltag zu bewerkstelligen. Sich “zusammen nehmen” oder “den Hintern hochkriegen” ist wie bei einer Depression also nicht so einfach.

“Hast du schon mal probiert …”

Dieser Punkt ähnelt den Dingen, die man Depressiven nicht sagen sollte. Es ist nicht einfach, eine Psychose zu behandeln und das sollte auch nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen. Spazieren gehen, Joggen, Lesen, Entspannung etc können sicher die (Negativ-) Symptome lindern, aber keine ausgewachsene Schizophrenie behandeln. Auch wenn es Angehörige, Freunde und Bekannte gut meinen: die meisten Dinge hat man als Betroffener bereits ausprobiert, weswegen die gut gemeinten Ratschläge oft negativ aufgefasst werden.

“Steigere dich nicht da rein.”

Wenn man einmal im Wahn steckt, ist es schwer wieder heraus zu kommen. Alles wird in das Wahnsystem transformiert, Ereignisse umgedeutet und die Gedanken drehen sich nur um die Psychose. Der Betroffene füttert die Erkrankung mit Ideen, Ängsten und Misstrauen. Es ist verdammt schwer, sich diesem Strudel zu entziehen. Deswegen sind solche Sprüche Öl im Feuer der Psychose.

“Das ist alles nur in deinem Kopf”

Fällt unter die Kategorie: nicht hilfreich. Ein gesunder Mensch weiß das die Wahnvorstellungen und Halluzinationen nur im Kopf des Erkrankten stattfinden. Aber das ist einem Schizophrenen in der Psychose nicht bewusst. Außerdem ist dieser Spruch invalidierend und hilft dem Erkrankten nicht weiter!

“Da bist du doch selbst dran Schuld!”

Ist man selbst Schuld an Multipler Sklerose? Krebs? Morbus Crohn?
Wer würde einem somatisch erkrankten Menschen sagen, er sei selbst Schuld an seiner Erkrankung? Richtig – niemand. Natürlich können manche Faktoren eine Erkrankung begünstigen (Lungenkrebs = rauchen, Übergewicht bei Diabetes etc) aber dennoch kommen immer viele Faktoren zusammen, damit eine Krankheit ausbricht. Drogen können Psychosen auslösen – aber ganz ohne Vulnarabilität und genetischer Disposition bekommt niemand eine Schizophrenie!

“Ich habe Angst vor dir/deiner Diagnose”

Es gibt Studien die beweisen, dass psychisch Kranke (inkl. Schizophrenen) nicht gewalttätiger sind als gesunde Menschen. Ja, akut Kranke können besorgniserregend wirken, können aggressiv und launisch sein. Dennoch sind sie in den seltensten Fälle tatsächlich “gefährlich”! Redet mit dem Erkrankten, nehmt ihm seine Angst. Mit weniger Angst wird auch die Stimmung und das Misstrauen besser.

“Mit dir will keiner was zu tun haben!”

Betroffene kennen es…man wird aufgrund seiner Erkrankung gemieden, es wird gelästert und Gerüchte werden verbreitet. Aber: es gibt immer jemanden, der für dich da ist und dich trotz Erkrankung schätzt! Hilfreich können auch Selbsthilfegruppen sein (ob virtuell auf Facebook oder real als Stammtisch in deiner Stadt). Wichtig ist, auf Menschen zu vertrauen die dich so lieben wie du bist!

“Sei doch mal normal…”

Dazu sag ich nur: wer will schon normal sein?

I – Woche 1 – Psychiatrie

Seit Montag bin ich wieder in der Psychiatrie. Ich hatte starke Ängste und Gedanken, Misstrauen und Stimmen.
Ich bin zu meiner Thera und diese redete mit meiner Ärztin und so wurde ich dann aufgenommen.
Noch geht es mir nicht besonders besser, aber das ist ja auch verständlich…
Morgen kommen meine Eltern zu Besuch, darauf freue ich mich schon!

[HILFE] Stimmen hören

 

Wer Stimmen hört, nimmt etwas wahr, was nur er selbst hört. Dabei ist dieses Phänomen gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt: 6-10 % der Menschen hören irgendwann in ihrem Leben einmal Stimmen. Die meisten nur einmal oder sehr selten. Manche Betroffene werden jedoch jeden Tag von den Stimmen begleitet.

Hier möchte ich Möglichkeiten sammeln, wie man lernen kann mit den Stimmen umzugehen. Mal wieder sind das meine Erfahrungen und wirken nicht bei jedem gleich gut. Aber vielleicht kann der ein oder andere davon profitieren.

  • Stimmenhörer sind nicht automatisch krank. Zwar werden fast 80% der Stimmenhörenden mit der Diagnose Schizophrenie konfrontiert, aber reines Stimmen hören allein ist kein Zeichen einer paranoiden Psychose!
  • Ignorieren hilft oft nicht. Die Stimmen “weg zu ignorieren” hilft in den seltensten Fällen. Oft sind die Stimmen beleidigt und werden noch lauter und aufdringlicher, als wenn man ihnen einen Raum gibt.
  • Schaffe dir eine Zeit, in der du dich deinen Stimmen widmest. Versuche einmal am Tag deinen Stimmen Zeit zu geben mit dir zu reden. Das kann früh beim Morgenkaffee sein oder kurz vorm Schlafen gehen. Die Stimmen werden versuchen auch außerhalb der Zeiten zu dir zu reden. Sage ihnen bestimmt, dass sie sich an eure “Sprechzeiten” halten sollen. In diesem Fall gibt: Übung macht den Stimmen-Meister!
  • Höre Musik, mach Musik, lenk dich ab! Wenn ich mich beschäftige mit Musik oder mich anderweitig ablenke, sind die Stimmen oft ruhiger oder lassen mich ganz in Ruhe. Allerdings aufpassen: das kann die Stimmen auch reizen und sie werden lauter. Hier gilt es auszuprobieren.
  • Kein Alkohol und keine Drogen!! Ich kann es nicht oft genug sagen: Alkohol und Drogen sind für Menschen mit Halluzinationen und/oder Psychosen fatal!
  • Schafft euch einen Diplomaten.
    Ich zitiere untertauchen:

    Der Diplomat vermittelt zwischen den Stimmen und mir. Nur er spricht mit mir, die Stimmen müssen sich also an ihn wenden. Er teilt mir mit, was die Stimmen sagen und hilft mir dabei, eine Antwort zu formulieren. Ich muss dann nicht selbst mit den Stimmen reden, sondern er übernimmt die Rolle des Diplomaten. Ich finde diese Lösung echt gut, weil sie mir die Möglichkeit gibt, eine Antwort zu überlegen ,ohne dass mich die Stimmen überfordern. Ich muss mich auch nicht direkt mit den Stimmen unterhalten und fühle mich dadurch besser geschützt.

  • Nimm anti-psychotische Medikamente. Gehe zu einem Psychiater und lass dir Neuroleptika (Anti-Psychotika) verschreiben. Kläre auch ab, ob ein Notfallmedikament helfen kann, wenn die Stimmen zu laut werden.
  • Beziehe Vertrauensperson ein. Deinen Arzt, Therapeut, die beste Freundin einbeziehen: erkläre ihnen, was du hörst und frage nach, ob das stimmt was die Stimmen dir erzählen. Lass dich beruhigen, höre aufmunternden Worten zu und frage nach Hilfe, wenn du sie brauchst.

Stand: April 2018

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