Kamera läuft! #2

Am Freitag hieß es wieder: Dreharbeiten.

Das es so anstrengend wird, hätte ich nicht gedacht. Wir starteten gegen 9 Uhr und erreichten nach der Fahrt das kleine Dorf, aus dem ich komme. Dort warteten wir auf Kamera und Ton. Danach ging es hinter unser Haus in den Wald, indem ich als Kind viele Stunden spielte. Vor allem bauten meine Schwester und ich ausgeklügelte Hindernisse, die wir als Pferde übersprungen. Ich strich mit meinen Händen durch die hohen Gräser und ließ die Zeit Revue passieren.

Anschließend ging es auf den Friedhof in Zwickau, in dem meine 2009 verstorbene Großmutter liegt. Ich legte eine rot-orange gescheckte Rose an das Gemeinschaftsgrab, indem ihre Urne liegt.

Das war der zweite Sprung in die Vergangenheit. Nun kam für mich der schwierigste Part: Die Fahrt zur Jugendpsychiatrie, welche 2010 meine erste Klinik war. Vor dem weitläufigen Park, in dem ich damals viel spazierte und spielte, führten wir ein Interview über die Zeit dort. Mir wurde mulmig. Aber auch das schaffte ich (irgendwie).

Die Reise führte weiter nach Planitz, wo mein Gymnasium lag. Trotz zahlreicher Unterbrechungen (Autos und die Kirchenglocke) wurde ich auch vor den Toren des zur Schule umgebauten Schlosses interviewt.

Danach waren wir fertig – im wahrsten Sinne des Wortes. Es war extrem warm und schwül, ich schwitzte und hatte Kopfschmerzen. Aber ich habe diesen Trip in mein altes Leben geschafft und bin schon ein wenig stolz auf mich.

Der nächste Termin mit Kamera läuft während dem Schulprojekt “Verrückt, na und!”.

Ein Kapitel ist abgeschlossen

Wie lange habe ich auf diesen Tag gewartet! Der geneigte Leser weiß von meinem Kampf mit dem Führerschein. Heute habe ich im ersten Anlauf die praktische Prüfung bestanden. Der Prüfer war sehr nett (und kulant), denn das rückwärts einparken lief weniger gut. Aber ich habe bestanden und das ist alles was zählt! Da André letzte Woche ein Auto bekommen hat, kann ich auch weiterhin üben und bin nun flexibel.

Ich bin gerade so froh: mir fällt ein Stein vom Herzen!

Um 4 Uhr 48 ist alles gesagt

So heißt es in Sarah Kanes “4.48 Psychose”: es ist die Zeit, in der die Figur des Theaterstückes oft erwacht und einen Moment größter Klarheit erlebt.

Die Oper von Komponist Philip Venables durfte ich dreimal sehen, während der Generalprobe und zwei Aufführungen. Im Anschluss an diese hatte ich die Möglichkeit als Betroffene in einem Nachgespräch den Zuschauern Rede und Antwort zu stehen.

Das Stück von Sarah Kane hat mich tief beeindruckt, was auch an dem Zusammenspiel des Orchesters und der sechs Darstellerinnen lag. Die Musik, oft unerträglich laut und disharmonisch, die dann wieder durch Fahrstuhl-Musik wechselte, schuf eine zerrissene, surreale Atmosphäre. Dialogische Szenen, in denen eine Arzt-Patienten Gespräch erzählt wurde, wurden durch Perkussionisten untermalt, auf jede Silbe ein Schlag. Einmal schreien die Darstellerinnen, singen ein Klagelied oder flüstern nur.

Die Themen: Selbstverletzung, Zwangsbehandlung, Depression, Psychose und letztendlich: Suizid – den auch Sarah Kane wählte.

Meine Eindrücke waren bei jeder Aufführung etwas anders. Viele Kleinigkeiten realisierte ich erst beim zweiten oder dritten Mal. Das Stück schwankt zwischen tiefer Trauer, Wut, und eigensinnigem Humor. Zum Glück bin ich derzeit recht stabil – das Stück kann durchaus triggern, vor allem durch die schonungslosen Worte.

Im Nachgespräch kamen viele Fragen, zum Leben mit Psychose, wie man es schafft Krisen zu überwinden, aber auch Fragen an die Schauspielerinnen.

Froh bin ich, dass wir als Betroffene die Möglichkeit hatten, unsere Ansichten und Meinungen über die Oper zu erzählen. Denn letztendlich können wir diese Zustände am besten nachempfinden.

Wer das Stück sehen möchte, kann sich auf der Seite der Semperoper informieren und Karten vorbestellen. Die Aufführungen werden erst im September weitergeführt.

Link zur Semperoper: https://www.semperoper.de/spielplan/stuecke/stid/psychose/61265.html#a_26959

Immer wieder was Neues

Es kommt immer wieder was Neues….dieses Mal aus der Kategorie “Krankheiten”. Am Donnerstag bin ich aufgewacht, putze Zähne, schaue in den Spiegel und sehe, dass meine linke Pupille riesig ist, die rechte dagegen klein. Außerdem Schwindel, Kopfschmerzen und Augendruck. Zum Arzt gegangen, der mich gleich in die Notaufnahme einwies! Dort wurde ich sofort aufgenommen, an den Tropf gehängt und untersucht. MRT, Augenarzt, neurologische Tests. Meine Freundin H. wartete dabei die ganze Zeit auf mich. Am Ende kam raus: es ist das “Adie Syndrom”. Noch nie gehört. Differentialdiagnose ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Na toll.

Zur Überwachung blieb ich eine Nacht auf der internistischen Station mit Blutdruck, Puls Messgerät und regelmäßigem Check Up.

Jetzt bin ich wieder zu Hause, aber ich fühle mich nicht so gut. Mir ist noch schwindelig und ich hab Kopfschmerzen. Andre kommt heute von einer Messe wieder und meine Schwiegereltern kommen auch. Das freut mich. Und lenkt etwas ab.

Kamera läuft!

Heute beginnen die Dreharbeiten für das Format “selbstbestimmt” vom MDR Sachsen. Man, bin ich aufgeregt! Aber alle, dass heißt Filmmacherin, Kamerafrau und Tontechniker, sind sehr nett. Bei Kaffee und Kuchen lernen wir uns etwas kennen, trinken und reden. Dann wird alles vorbeireitet: die Stühle verrückt, die Lampe positioniert, Pflanzen umgestellt und Nathan wird des Zimmers verwiesen. Ich zittere ein wenig, aber als ich dann gefragt werde, geht es gut und ich kann antworten. Die Fragen sind manchmal wirklich knifflig: was sind die positiven Seiten der Schizophrenie? Wie lebt es sich damit? Was ist “normal”? Aber ich gebe mein Bestes, antworte, denke nach, suche nach Worten.

Jetzt gerade werde ich dabei gefilmt wie ich hier an meinem Beitrag tippe, um zu zeigen wie die Artikel entstehen. Ein Mikro wurde mir angesteckt, ich werde beobachtet und gefilmt – Kamera läuft!

Ab und an höre ich die Geräusche der Arbeitenden, bin aber völlig in mein Schreiben versunken. Es fällt mir erstaunlich leicht, gefilmt zu werden – was ich selbst von mir nie gedacht hätte.

Zum Glück geht es mir derzeit wieder besser, sonst hätte ich wohl kaum Kraft zu den Dreharbeiten. Die Symptome halten sich auch heute zurück. Die Stimmen sind leise, kein fremdes Geräusch dringt zu mir durch.

Während ich tippe läuft die Kamerafrau um mich herum, probiert andere Winkel, schaut wie das Licht fällt, weist den Tontechniker an und hat die Kamera auf mich ausgerichtet.

Gerade stehen alle auf dem Balkon und filmen von dort aus. Langsam gewöhne ich mich an die fremde Situation.

Jetzt wird durch das Fenster hindurch aufgenommen, mich direkt vor meinem Laptop. Die Glocken der Kirche läuten, denn es ist gerade 12 Uhr. Die kalte Luft zieht durch das Fenster und mich friert etwas.

Nun steht die Kamerafrau direkt hinter mir und filmt mein tippen.

Kleine Schritte führen auch zum Ziel

Diese Tage geht es mir bedeutend besser. Das Licht des Frühlings, die Wärme, die zwitschernden Vögel. Wir haben nun auch Balkonmöbel, auf denen man die Sonne und einen Kaffee genießen kann.

Meine Termine sind derzeit recht übersichtlich.

Am Freitag werde ich unseren Verein EX IN Sachsen e.V. vorstellen und nächsten Mittwoch startet das Projekt vom MDR “selbstbestimmt”, bei dem ich interviewt und gefilmt werde.

Der Antrag auf die WfbM ist gestellt, nun möchte ich mir die Werkstätten ansehen. Damit lasse ich mir aber erst mal Zeit.

Außerdem steht der Termin für meine Ausstellung. Eröffnung wird der 9. Juli sein. Bis dahin muss ich noch einiges schaffen! Aber ich bin zuversichtlich. Und was für eine tolle Chance das ist!

Steine, die mir in den Weg gelegt werden

Gestern hatte ich einen Termin im Jugendberatungscenter des Jobcenters. Und eine knapp halbjährliche Begutachtung kam auf den Tisch: ich bin unter 3 Stunden arbeitsfähig – und das dauerhaft. Eine Eingliederung in eine WfbM (Werkstatt für behinderte Menschen) soll erfolgen. Das war für mich und meine Begleitung, einer Sozialarbeiterin aus der Beratungsstelle, ein riesen Schock. Die Jugendwerkstatt fällt damit weg. Und nun heißt es, eine WfbM zu finden, in der ich mich wohl fühle.

Ich weiß nicht genau, was ich fühle. Versager, sagt Eva, die Stimme in meinem Kopf.

Wenn die Vögel zwitschern

Heute ist (meterologischer) Frühlingsanfang. Früh hört man die Vögel zwitschern, es wird wärmer, die Sonne scheint länger.

Ich weiß nicht warum, aber der Frühling und die Zeit von Fasching bis Ostern war schon immer schwierig für mich. Auch wenn die Sonne zurück kommt, die Natur erblüht, ich fühle mich schlecht, deprimiert, angespannt und auch die unliebsame Psychose klopft an meine Tür. Am Freitag war es wirklich schlimm und ich war froh, dass ich sowohl Bedarf hatte, als auch die Möglichkeit mein Löwenherz zu sprechen via Telefon. Unter Bedarfsmedikamenten habe ich dann tief und fest geschlafen. Den gestrigen Tag habe ich zum runter kommen genutzt und heute treffe ich mich mit einer lieben Freundin.

Hoffentlich geht es bald wieder aufwärts! Es bleibt nur die Hoffnung.

In der Medienwerkstatt

Dritter und letzter Tag des Probearbeitens. Leider war meine Erfahrung im Medienbereich eher so semi-gut. Die erste Stunde hat der Anleiter gequatscht und mir keine Aufgabe gegeben. Danach habe ich noch kurz zwei Bilder gemacht, die mir nicht gefallen haben, aber er war ganz zufrieden und seinerseits gibts das Go für mich in diesem Bereich.

Danach hatte ich Fahrschule, was wirklich gut lief. Nur Anfahren am Berg ist noch etwas schwierig, aber das geht wohl allen Anfängern so.