Zwischenbericht

Es ist schon wieder einige Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen. Geändert hat sich nicht viel. Ich bin für meine Verhältnisse gut drauf, kaum psychotische Symptome und ein guter Antrieb. Meine Termine erledige ich, nebenbei noch 2-3 mal die Woche Sport und ab und an Hobbies wie zeichnen und Freunde treffen. Auch habe ich mittlerweile öfters Interviews für Studienarbeiten, wo ich Studenten, Schülern etc. etwas über mich und meine Erkrankung erzähle.
Therapie findet seit zwei Wochen wieder „live“ statt, dass heißt ich bin normal zu meinen Terminen in der PIA.
Bald geht auch die EX IN Ausbildung los, worauf ich mich sehr freue. Ende August ist es endlich soweit.
Ansonsten gehe ich meinem Alltag so gut es geht nach. Heute ist ein ruhiger Tag, morgen habe ich metakognitives Training und abends Krav Maga. Es tut mir gut; es macht mir Spaß. Das ist das wichtigste!

Der Genuss von Ruhe

Eigentlich ist das Frühjahr, genauer gesagt der Zeitraum um Ostern, eine kritische Phase bei mir. Ich weiß bis heute nicht warum, aber in dieser Zeit geht es mir statistisch gesehen oft psychisch schlecht.
Dieses Jahr ist dem – gottseidank – nicht so. Mir geht es gut. Wirklich.
Und das heißt: keine (!) Stimmen seid Tagen. Gute Stimmung. Antrieb. Freude. Innere Ruhe.
Es fühlt sich alles einfach gut an.
Am Dienstag hatte ich Besuch von Mufasa und Löwenherz, gestern war ich mit meiner Betreuerin in der Dresdner Heide spazieren, heute habe ich den Tag wirklich entspannt verbracht.
Die Telefonate zu meiner PIA-Therapeutin könnten auch besser nicht sein. Sie freut sich natürlich ebenso für mich und diese Phase. Ich hoffe ich kann nach der Krise im Winter nun wieder etwas Kraft tanken. Und ich schöpfe wirklich viel Energie daraus.
Ich weiß, es werden auch wieder andere Zeiten geben. Aber so lange genieße ich den Sonnenschein, das Singen der Vögel, die frische Frühjahrsluft.
Trotz Corona und der Einschränkungen habe ich weniger Stress, ja. Ich bin ein Mensch, der durch die Krise eher gewonnen als verloren hat. Dabei möchte ich das Ganze nicht Verharmlosen, es ist nur meine persönliche Situation.
Kämpfen werde ich weiterhin müssen. Aber solange dem noch nicht so ist, entspanne ich mich einfach und stabilisiere mich.

Langer Atem

„Einen langen Atem beweisen zu müssen“ ist gerade meine Lieblingsanalogie. Denn es betrifft uns gerade in mehreren Beziehungen unseres Lebens.
Für mich bedeutet es nicht nur, die langwierige (und oftmals langweilige) Ausgangssperre zu überbrücken. Langsam nervt es mich nur noch und ich würde gerne meine Liebsten sehen, gerade jetzt, zu den Feiertagen. Meine Familie, Mufasa und Löwenherz, meine beste Freundin, andere Freunde…Aber die Vernunft siegt und ich halte alle auf Distanz, so wie das sein soll.
Auch bedeutet einen langen Atem zu haben auch meine psychische Verfassung. Denn ich muss nach der Krisenzeit im ersten Quartal des Jahres wieder zu mir finden. Ebenfalls, Vertrauen in mich selbst zu haben. Die Stimmen sind bedeutend ruhiger und nur manchmal erzählen sie Quatsch (Eva sagte erst vor kurzem, ich solle nach Toulouse? Was sie damit meinte, weiß ich nicht).
Meine PIA-Therapeutin hat ich nur noch via Telefon Termine, was vorerst etwas seltsam ist, aber immer noch besser als Ausfall. Das ist auch nicht einfach, wenn man es so sehr gewohnt ist, ihr wöchentlich gegenüber zu sitzen.
Es ist für alle gerade schwierig. Deswegen appelliere ich: atmet aus. Und macht dann weite – aber achtet auf euch. Wir alle stehen diese Krise durch!

Nur keine Angst

Irgendwie braucht es mal einen Blogpost zu Corona/Covid-19.
Da eh alle Zeitungen, News, Fernsehsendungen und das Internet voll davon sind, braucht es natürlich noch die weltkehrte Sicht auf diese Problematik.
Ich sag euch: nur keine Angst.
Natürlich, ich möchte das nicht kleinreden oder positiv bewerten. Aber für die meisten, die nicht zur Risikogruppe gehören, wird Corona nicht das Ende bedeuten.
Ich selbst versuche mir trotz Ausgangssperre keine große Panik zu machen. Einkäufe oder Gänge zur Apotheke laufe ich, mit Sicherheitsabstand, um noch ein kleines bisschen Bewegung an der Luft zu genießen. Ich wasche mir öfter die Hände, vermeide Kontakte und telefoniere anstatt zu besuchen.
Aber: ich mache mir keine Angst.
FALLS ich erkranke, werde ich das Überleben. Und trotzdem versuche ich natürlich Risiken zu vermeiden und appelliere an alle: haltet euch an die Beschränkungen.
Mir geht es psychisch zumindest so gut, dass ich die Tage überstehe.
Therapie erfolgt über Telefonate – was eine gute Alternative ist. Denn längere Ausfälle würden sich negativ auf mich auswirken.
Also ihr Lieben: Nur keine Angst. Wir schaffen das!

Es geht immer weiter!

Seit Dienstag letzter Woche bin ich entlassen.
Es war eine aufregende Zeit, die ich in der Klinik war. Aber nun bin ich froh, wieder zu Hause zu sein.
Morgen habe ich wieder Therapie bei meiner PIA-Thera. Darauf freue ich mich natürlich sehr, habe sie ja fast 8 Wochen nicht gesehen.
Ansonsten geht der Alltag weiter.
Es steht jetzt fest, dass ich im April die EX IN Ausbildung machen werde!
Bis dahin möchte ich mich noch mehr stabilisieren und festigen.

Ein Schritt vor, zwei zurück

Seit mittlerweile drei Wochen bin ich – leider – wieder in stationärer Behandlung. Zu Hause ging nichts mehr.
Stimmen sind schlimm, Schatten die ich sehe, Ängste vor Strahlung und falscher Behandlung. Die Liste schier endlos.
Ich bin froh das ich den Schutzraum, den die Klinik bietet, nutzen kann. Einfach, weil auch die Suizidgedanken sehr stark waren. Und auch habe ich mich zum ersten Mal seit fast 2 (oder sogar 3?) Jahren selbstverletzt.
Nun ist es eben so. Ich versuche dennoch nach vorn zu blicken.
Ich hoffe ich schaffe es, mich wieder regelmäßiger zu melden.

Neues Jahr, neue Hoffnung

Mein Katerkind liegt neben mir, während die bunt-funkelnden Raketen ihren Weg in den Himmel finden. Sie platzen aus und aus ihnen Funken, die die Nacht für einen Moment erhellen. Er zuckt mit den Ohren und lässt sich kraulen.
Neujahr, dass bedeutet, dass ein altes Jahr zu Ende geht. Das bedeutet, ein neues Jahr, ein neuer Kampf, gegen die Ängste, Stimmen, Dämonen, die in mir warten.
André ist unterwegs. Ich lenke mich ab, telefoniere, tippe eilig WhatsApp Nachrichten und schaue fern: Musik, die die Welt bewegte.
Neujahr, dass bedeutet, ein weiteres Jahr ziehen zu lassen. In dem viel passierte; in dem viel sich wandelte.
Am Neujahrstag 2020 feiere ich nicht nur die Wandlung eines neuen Jahrzehnts, sondern auch die sechsjährige Partnerschaft mit André.
Ich muss lächeln, während ich diese Zeilen tippe.
Das wird mein Jahr. Ich spüre es.
Heute in der Therapie haben wir eine Ziele-Liste geschrieben – darauf neun Vorsätze. Was in der Therapie besprochen werden soll, was ich selbst von mir fordere.
Darunter: öfter Auto fahren, regelmäßig zum Sport, keine Selbstverletzung, nicht wieder mit dem Rauchen anfangen.

Das wird mein Jahr.
Die Bewerbung für die EX IN – Qualifizierung habe ich vor einigen Tagen eingereicht. Nun hoffe ich natürlich auf eine Zusage.


Das wird mein Jahr!

Das Jahr 2019

Es ist Dezember. Weihnachten und Silvester stehen bevor. Die Natur ist im tiefen Schlaf, die Tage werden bis zum Samstag immer kürzer, bevor es die Wintersonnenwende gibt und damit die Rückkehr des Lichtes einläutet.
Treue Leser wissen….
Es ist Zeit für einen Jahresrückblick!
Was für ein Jahr, dieses 2019!
Einige sehr schöne Dinge sind geschehen – ich habe endlich, nach langem Kampf und viel Schweiß und Tränen den Führerschein bestanden.

Ich war seit 5 Jahren zum ersten Mal ein Jahr lang nicht in stationärer Behandlung.
Auch durfte ich in Goyatz ausstellen: „Meine Metamorphose“ war ein Höhepunkt des Jahres!
Dann natürlich die Dreharbeiten für den MDR – „Anna und die Stimmen im Kopf“, und einen Kurzbeitrag bei Volle Kanne. Auch war ich Teil des Podcasts „In extremen Köpfen“ und in der Goyatzer Zeitung.
Weiterhin habe ich eine tiefe Freundschaft gefunden und mit meiner Freundin viel Schönes erlebt: von gemeinsamen Theaterbesuchen, beim Backen und Kochen, und beim einfach-so-reden.

Mein kleiner Engel Nathan ist nun auch seit 2 Jahren Teil meiner kleinen Familie. Auch kenne ich André nun seit 6 Jahren und im neuen Jahr feiern wir unseren sechsten Jahrestag. Für ihn gab es aber auch Umbrüche: ein neues Studium.
In meiner Freizeit hat sich auch einiges verändert. Ich habe wieder aktiv gezeichnet, Webdesign für Foren erledigt, Texte geschrieben und mit Krav Maga angefangen.

Allerdings kein Jahr ohne Tiefpunkte.
Im Sommer hatte ich eine leichte Psychose, die ich ambulant überstanden habe. Mit täglichen Terminen und erhöhter Medikation habe ich es ohne Klinik überstanden.

Außerdem hatte ich einen schweren Verlust. Meine geliebte Großmutter ist im Oktober von uns gegangen. Ich hatte jedoch eine Woche Zeit nur mit ihr: indem ich ihr half und sie pflegte. Daran denke ich immer zurück, wenn der Schmerz zu groß wird. Ich liebe dich, Oma, und denk an dich!

Dieser Blog ist nun stolze 5 Jahre alt. Ich bedanke mich an alle treuen Leser, an neue und alte Gesichter, für schöne E-Mails und tolle Gespräche.
Was ich mir für 2020 wünsche?
Weiterhin natürlich Gesundheit, schöne Momente und viel Action.
Außerdem werde ich (vermutlich) die EX IN Ausbildung in Dresden beginnen. Das wird ein Umbruch in meinem Leben – eine Wendung, aber ins Positive!

Damit schließe ich ab:
auf ein neues Jahr!

EXtra INfo Tage

Es war die Probe aufs Exempel: schaffe ich die EX IN Ausbildung, die EX IN Sachsen e.V. (https://ex-in-sachsen.de) ab April 2020 in Dresden anbieten wird?
Mit einem flauen Gefühl im Magen suche ich die Räumlichkeiten im St. Joseph Stift Krankenhaus auf. Vor mir ein heller, lichtdurchfluteter Raum mit einem Stuhlkreis. Es weckt Assoziationen zur Gruppentherapie oder Selbsthilfe, aber das ist nicht, was mich erwartet.
Unsere beiden EX IN Trainer kenne ich natürlich bereits: ich bin neben ihnen im EX IN Sachsen e.V. tätig und auch im Vorstand.
Wir stellen uns vor, eine Gruppe von circa 11-13 Interessierten. Lernen uns kennen, sprechen in den Pausen über alles Mögliche.
Haben Workshops und Gruppenarbeiten, ich halte kurze Vorträge, teile meine eigene Recoverygeschichte.
Uns wird der Ablauf der einjährigen Ausbildung vorgestellt, die zu absolvierenden Module (davon 5 Basismodule und 7 Aufbaumodule wovon eines die Arbeit am eigenen Portfolio darstellt) und, was für viele eine Sorge ist: die Finanzierung.
Ich gehe gestärkt aus zwei wunderbaren Tagen heraus und bin mir sicher:
ICH möchte EX IN Genesungsbegleiterin werden!

Auf die Ohren – der Podcast

Am Freitag hieß es für mich: auf nach Berlin! Für die Aufnahme eines Podcasts ging es in die Hauptstadt, bei dem Label „AufdieOhren“.
Ich bin mit dem Flixbus bis Berlin Südkreuz gefahren und wurde dort direkt abgeholt. Eine junge, sehr modische, für mich „typisch“ Berlinerin, kam freudig auf mich zu. Gemeinsam ging es mit der S-Bahn nach Friedrichshain.
Im Büro lernte ich direkt alle kennen: alles junge sympathische Leute.
Dann ging das Interview für den Podcast auch schon los. Der Moderator war Dr. Leon Windscheid, ein sehr cooler Typ. Er gewann bei Günther Jauch die Million und investierte in ein Party-Schiff.
Das Interview ging fast 2 Stunden und wir hatten ein gutes Gespräch. Es ging viel um Eva und Demian, die Zeit in der Klinik und die Wahngedanken.
Ich aß in Berlin zum ersten Mal einen vegetarischen Burrito – echt lecker!
Abends ging es dann wieder zurück nach Dresden.

Ich werde natürlich den Link vom Podcast posten, wenn er veröffentlicht wurde!