Das Jahr 2021

Und wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu…

Die Statistiken:
Beiträge: 373
Kommentare: 276

Dieses Jahr…
…war ich nicht in der Klinik
…habe ich meinen ersten Job gefunden und durchgeführt
…habe erst Amilsuprid und dann Fluanxol abgesetzt
…habe mich nicht geschnitten (Selbstverletzung)
…habe die EX IN Ausbildung weitergeführt
…war regelmäßig beim Sport (soweit Corona dies zuließ)
…habe ich viele Interviews und Vorträge gehalten

Alles begann letzten Januar: Ich wurde als Genesungsbegleiterin eingestellt und arbeite seit dem dort. In der Arbeit beim ptv Sachsen e.V. habe ich ein Explainity-Video erstellt, einen Adventskalender gestaltet und zwei Praktika für meine EX IN Ausbildung geschafft.
Ich war in Italien mit meiner Familie im Urlaub, was eine sehr schöne Zeit war.
Die Freundschaft zu Maureen habe ich noch weiter gestärkt – was wäre ich nur ohne sie?
Mit André lief es auch sehr gut, trotz dessen das er oft lange in Studienstadt war.
In der Therapie bin ich ein Thema angegangen, über welches ich noch nie geredet habe – wenn ich mich bereit fühle, werde ich dies allerdings auch hier noch einmal thematisieren.
Selbsthilfegruppe fiel leider oft aus, wegen den Corona-Bestimmungen. Ebenso der Sport, mein Krav Maga.
Ich habe mir im Sommer in zweites Tattoo stechen lassen: einen Lautsprecher hinter dem linken Ohr, als Sinnbild für mein Stimmen hören.

Was nächstes Jahr bringt…
…ich heirate! Am 26. Februar ist es soweit!
…ich werde meine EX IN Ausbildung abschließen
…im September geht es in die Flitterwochen nach Malta
…ich bin im Juni auf einer Tagung: „Die Subjektive Seite der Schizophrenie“

Vorsätze…
…mehr lesen (damit hab ich schon heute angefangen und zwei Bücher durchgelesen…)
…weiterhin vegan ernähren
…regelmäßig Sport
…weniger Zucker
…Selbstfürsorge
…meine Kontakte pflegen, seien es Familie oder Freunde

Und damit schließe ich dieses Kapitel.
Auf ein frohes, neues Jahr, meine lieben Leser*innen!

„Psychiatrie Cowboy“ von Zopiclon / Tavor / Flunitra

Klappentext:
„Hier wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die als Neuling ins kalte Wasser der Akut Psychiatrie geworfen wird. Über die Jahre reift sie zum Psychiatrie-Cowboy und Alphaweibchen ihres Kuckucksnestes heran. Lehrjahre sind keine Damenjahre in diesem autoritären Endlager des Gesundheitssystems, in dem Fürsorge nicht selten in Form von Gewalt auftritt. Ein Grenzgängertum zwischen dem Einmarsch in Alices Kaninchenbau und den Freudschen Lehren, in mitreißender Leichtigkeit. ,,Recht auf Krankheit“ fordert die entmündigte Bruderschaft der gesetzlich untergebrachten armen Teufel in befremdlichen Dialekten. Der brennende Schmerz vergangener Systeme im grellen Wandel des Humanismus. Der überhandnehmende Wahnsinn umschließt in Windeseile Außenstehende und Betroffene wie die Downer den Aktionsradius der Upper. Von BTM bis PTBS bleibt hier nichts unter Verschluss.“

Auch für dieses Buch habe ich lange Zeit gebraucht, um zum Lesen zu kommen. Das knapp 100 Seiten umfassende Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, wobei jeder Artikel eine Erfahrung / eine Situation aus dem Klinikalltag widerspiegelt.
Wer nicht mit Zynismus und schwarzem Humor umgehen kann, wird die raue Sprache und die vielfältigen Kraftausdrücke nicht mögen – mich hingegen hat dies sehr erheiternd. Auch sind viele Fachbegriffe enthalten, welche aber durch Fußnoten erklärt werden.
Man merkt, das die Autoren tiefgehende Kenntnisse besaßen.

Die kurzen Kapitel sind für das „zwischen durch“ Lesen sehr angenehm. Ich habe „Psychiatrie Cowboy“ an einem Stück gelesen, ich konnte das Buch einfach nicht weg legen!

„Neben der Wirklichkeit“ von Anna Sperk

Klappentext:
„Unter Schizophrenie zu leiden, ist für Julia bereits Hölle genug. Doch dann mutiert die Diagnose zur Frage um ihr Kind, und man stellt sie unter Generalverdacht … Anna Sperk, die bereits 2016 mit dem Schlüsselroman »Die Hoffnungsvollen« auf sich aufmerksam machte, erzählt authentisch und mit feiner Ironie die Geschichte einer jungen Frau, die zwischen die Fronten ihrer Krankheit und der allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz gerät, bis in ihr Engagement für die Sozialarbeit hinein.

Im Fokus des Romans steht der persönliche, behördliche und gesellschaftliche Umgang mit einer Krankheit, die in unserer Gesellschaft überproportional mit Vorurteilen belastet ist. Der praktisch nicht existenten Aufklärung über diese Krankheit und über die von ihr Betroffenen will der Roman etwas entgegensetzen.“

Schon vor langer Zeit erhielt ich eine E-Mail der Autorin, ob ich nicht ihr neu erschienenes Werk rezensieren möchte. Lange habe ich nichts mehr gelesen … und gerade, kurz vor dem neuen Jahr, finde ich mich wieder lesend in meiner Wohnung wieder. Auch für 2022 habe ich geplant, wieder regelmäßig zu lesen.

Das Buch auf knapp 300 Seiten ist sehr interessant und spannend geschrieben. Es ist unterteilt in mehrere größere und kleiner Kapitel, je mit einem anderen Themenschwerpunkt. Dabei wird nicht ausschließlich auf die Krankheit der Schizophrenie eingegangen, sondern auch um den Kampf um ihre Tochter Lina und im letzten Abschnitt um Stigmatisierung am Arbeitsplatz.
Mit der Protagonistin Julia konnte ich mich in vielen Szenen sehr identifizieren. Zum einen durch die Erlebnisse der Erkrankung, als auch durch ihre Kreativität.
Ich habe das Buch wirklich in kürzester Zeit durchgelesen, da der Schreibstil sehr angenehm und einfach zu schmökern ist.

Wer Interesse an einer gut durchdachten Geschichte hat, welche sich nicht ausschließlich auf die Erkrankung bezieht, wird mit diesem Buch Freude haben. Es lässt sich gemütlich lesen und zeigt die vielen Stolperfallen, die ein Mensch mit psychischer Erkrankung überwinden muss.

Vielen lieben Dank an die Autorin Anna Sperk, die mir ihr Werk zur Rezension zusandte!

Absetzen, die hundertste

Nur knapp ein halbes Jahr nahm ich das Neuroleptikum Fluanxol. Nun habe ich es mit Absprache des Psychiaters in der PIA abgesetzt.
Es ging einfach nicht mehr. Ich hatte als Nebenwirkung starke Blickkrämpfe. Das äußerte sich dadurch, dass ich zwanghaft nach oben schauen musste und meinen Blick nicht steuern konnte. Es war sehr unangenehm. Auch das Akineton, welches ich dagegen einnahm, half nicht. Nun muss es also wieder abgesetzt werden, das Fluanxol. Eine Woche soll ich noch Akineton nehmen und danach auch absetzen.
Es ist nicht einfach. Ich habe schon so viele Medikamente durch und entwickle immer starke Nebenwirkungen. Das zermürbt mich, macht mich fertig, hilft nicht in meiner Recoverygeschichte.
Ich kann nur hoffen, dass ich durch das Absetzen in keine Krise gerate…
Aber ich nehme ja immer noch hochdosiert das Clozapin ein. Also abgesichert bin ich im Prinzip.
Die Ängste bleiben dennoch. Aber ich schaffe auch das.

Das Leben geht immer weiter

Ich habe lange nicht mehr geschrieben, was mir sehr leid tut. Die letzten Wochen waren aber auch ziemlich voll – erst Arbeit, dann EX IN, Urlaub, Privates, psychische Krisen.
Aber mir geht es recht gut zur Zeit. Und das ist erholsam: normalerweise zieht mich der Herbst und beginnender Winter immer wieder in eine Krise. Und dieses Jahr überstehe ich diese Zeit der Dunkelheit trotz Ängsten gut.
Ich bin nun drei Tage in der Woche auf Arbeit, da ich einige Minusstunden Anfang des Jahres bis zur mittleren Hälfte angehäuft hatte. Aber damit geht es mir gut und trotz einiger Sorgen und Probleme schaffe ich die Arbeit für meine Verhältnisse gut.
Bald wird auf den Seiten des ptv Sachsen e.V. mein Adventskalender veröffentlicht. Das war eine große Aufgabe und ich denke, ich habe sie ganz gut gemeistert.

Dann steht noch EX IN an, jeden Monat bis zum Februar. Dann, so hoffe ich, werde ich diese Qualifizierung abschließen und offizieller EX IN Genesungsbegleiter sein. Dafür muss ich noch mein laufendes Praktikum abschließen und das Portfolio (eine Art persönlicher Bericht) abgeben. Dafür habe ich zum Glück in vorherigen Modulen angefangen und schon einige Inhalte übertragen.

Nebenbei läuft noch „verrückt, na und“ und andere Vorlesungen bzw. Seminare. Ende November habe ich die Ehre, an der Sächsischen Polizeihochschule Vorträge über Schizophrenie halten zu dürfen. Dies hat mir André vermittelt. Es wird aufregend, vor so vielen Menschen zu referieren, aber ich freue mich darauf.

Parallel gibt es noch so einiges, was bis Ende des Jahres erfüllt werden muss. Aber auch das schaffe ich. Und, eine schöne Nachricht: André und ich heiraten bald. Noch müssen wir es schaffen, einen Termin am Standesamt zu bekommen, da André die Woche über ja meist in Studienstadt ist. Aber daran soll es nicht scheitern. Ich freue mich riesig darüber, bin verständlicherweise aber auch sehr aufgeregt. Aber nach fast 8 Jahren kann man wirklich heiraten, wir hatten schließlich lange genug Zeit uns zu festigen.

Gerade trinke ich Kaffee und Nathan sitzt neben mir. Dabei läuft Musik und ich beantworte einige Mails. Das Leben kann so schön sein.

#Regio2021

Am 2. Juli fand die Regio2021 statt – eine Veranstaltung vom https://lvpebw.org und https://www.gemeindepsychiatrie-bw.de. Thema des Tages war: Krisendienste.
Nicht nur wegen meinem Interesse an diesem Thema zogen mich nach Stuttgart, nein, etwas viel wichtigeres! Nämlich die Siegerehrung zum Schreibwettbewerb, den ich als dritten Platz gewonnen hatte. Die Geschichte „Der Koffer“ wurde nach einer Laudatio kurz vorgestellt und alle Preisträger*innen erhielten ein Buch mit 10 Kurzgeschichten, die den Schreibwettbewerb gewonnen hatten.
Die Siegerehrung war ein ganz besonderer Moment für mich. Ich schreibe bekanntlich schon länger, aber diesmal habe ich tatsächlich einen Preis für meinen Text erhalten! Ich bekam Blumen und ein kleines Präsent mit kulinarischen Perlen Stuttgarts. Und seinen Text als Buch in den Händen zu halten – unglaublich!
Mufasa, mein Vater, ist mit mir zusammen nach Stuttgart gefahren und wir hatten eine schöne Zeit. Schon am Donnerstag sind wir angereist und haben uns den Kurpark angeschaut, sowie ein kleines Museum rund um den Automobilhersteller Daimler. Abends habe ich Mufasa auf eine Pizza eingeladen – als kleines Dankeschön für die gemeinsame Fahrt nach Baden-Württemberg.
Die Vorträge der Regio2021 waren sehr interessant. Ein Referent erzählte über den Maßregelvollzug und eine Dame über das Krisendienstangebot von Oberbayern. Ich lernte einige der anderen Preisträger*innen kennen und hatte eine wunderbare Zeit.
Ich werde meiner Frau Therapeutin eine Ausgabe der Anthologie schenken. In der Hoffnung, dass es ihr Freude bereitet.
Die Regio ist vorbei und ich bin wieder sicher in Dresden angekommen. Aber es waren zwei wunderschöne Tage, in denen ich einiges gelernt und erfahren habe.
Den Blumenstrauß, den ich überreicht bekommen habe, habe ich direkt auf der Regio weiter verschenkt: an eine nette Dame des Landesverbandes.

[Podcast] Strunzehrlich

Und ebenfalls heute eine weitere Sache, die ich euch gerne zeigen darf! Mein Podcast mit „Strunzehrlich“ von Instagram hat eine Folge mit mir herausgebracht.
Ihr Beitrag dazu:

In ihrer Jugend wurde sie bereits tiefgreifend mit dem Thema der psychischen Erkrankungen konfrontiert. Heute absolviert Anna ihre Ex-In-Ausbildung @ex_in_genesungsbegleitung , um anderen Betroffenen zu helfen, einen individuellen Umgang mit ihrer Erkrankung finden zu können und leistet damit und darüber hinaus umfassende Aufklärungsarbeit.

Anna erzählt von ihrem Leben mit einer Schizophrenie-Diagnose und schweren rezidivierenden Depressionen.

❕Bitte achte beim Hören dieser Folge gut auf dich. Anna berichtet unter anderem von Psychiatrieaufenthalten, ihren Erfahrungen mit Medikamenten und selbstverletzendem Verhalten.

https://www.instagram.com/strunzehrlich/

Zu hören auf Spotify (oben eingefügt).
Sagt mir bitte, was ihr davon haltet!

Stadt mit Aussicht

Gestern ist es endlich erschienen: unser Video vom Projekt „Stadt mit Aussicht – in Zukunft tolerant“!
Von mir sind die Zeichnungen und Animationen, gemeinsam mit meiner Kollegin haben wir das Video gestaltet.
Ich bin wirklich froh, dass es so gut geworden ist, auch wenn wir alle komplette Laien waren in der Videobearbeitung.
Schaut es auch an, teilt es und sagt mir eure Meinung!

Andere Wege?

Innerhalb eines Monats zwei Medikamentenversuche: von Reagila auf Fluanxol. Wie es mir damit geht? Schwierig. Einerseits vertraue ich – NOCH – auf die antipsychotische Wirkung. Bin aber abgeschlagen, müde, unkonzentriert. Ob das Psychoseerlebnis ist oder Nebenwirkung: ich weiß es nicht.
Löwenherz kämpft gerade sehr für mich. Hat sich beim „Offenen Dialog“ Hilfe gesucht, mit dem Hintergedanken, irgendwann die Medikamente zu reduzieren – oder auf Null zu bringen.
Währenddessen kämpfe ich gegen visuelle Erscheinungen, Stimmen und Anspannung.
Ich hoffe einfach, dass es bald besser wird. Das die Sonne wieder scheint, ich Dinge genießen kann. Bis dahin, mal wieder, radikale Akzeptanz und Einatmen – Ausatmen.
Welchen Weg soll ich gehen?
Den der Schulmedizin – Medikamente?
Ohne Medikamente, mit therapeutischer Hilfe?
Oder doch etwas ganz anderes?

Ich gebe auf

Ich gebe auf: Reagila 1 : Anna 0. Seit letztem Montag nehme ich diese neue Antipsychotikum. Außer extremer Übelkeit auch keine antipsychotische oder auch antidepressive Wirkung. Ich konnte gar nicht essen und wenn, behielt ich es nicht im Magen. Also heute zu Frau Ärztin, die mir auch versicherte, SO solle das definitiv nicht laufen! Nun gebe ich also diesen Versuch auf. Und sage: Ciao, Reagila!
Dafür habe ich heute wieder ein neues Neuroleptikum verschrieben bekommen: das ziemlich alte Fluanxol. Erst einmal 5 mg zum Abend. Bitte, bitte, bitte, wirk, verdammt nochmal! Ich kann nicht mehr. Frau Therapeutin fragt nach stationärer Therapie, ich lehne jedoch ab.
Diese Psychose, diese Depression zwingt mich nicht in die Knie.
Ich bin stärker. Ich schaffe das.