Absetzen, die hundertste

Nur knapp ein halbes Jahr nahm ich das Neuroleptikum Fluanxol. Nun habe ich es mit Absprache des Psychiaters in der PIA abgesetzt.
Es ging einfach nicht mehr. Ich hatte als Nebenwirkung starke Blickkrämpfe. Das äußerte sich dadurch, dass ich zwanghaft nach oben schauen musste und meinen Blick nicht steuern konnte. Es war sehr unangenehm. Auch das Akineton, welches ich dagegen einnahm, half nicht. Nun muss es also wieder abgesetzt werden, das Fluanxol. Eine Woche soll ich noch Akineton nehmen und danach auch absetzen.
Es ist nicht einfach. Ich habe schon so viele Medikamente durch und entwickle immer starke Nebenwirkungen. Das zermürbt mich, macht mich fertig, hilft nicht in meiner Recoverygeschichte.
Ich kann nur hoffen, dass ich durch das Absetzen in keine Krise gerate…
Aber ich nehme ja immer noch hochdosiert das Clozapin ein. Also abgesichert bin ich im Prinzip.
Die Ängste bleiben dennoch. Aber ich schaffe auch das.

Das Leben geht immer weiter

Ich habe lange nicht mehr geschrieben, was mir sehr leid tut. Die letzten Wochen waren aber auch ziemlich voll – erst Arbeit, dann EX IN, Urlaub, Privates, psychische Krisen.
Aber mir geht es recht gut zur Zeit. Und das ist erholsam: normalerweise zieht mich der Herbst und beginnender Winter immer wieder in eine Krise. Und dieses Jahr überstehe ich diese Zeit der Dunkelheit trotz Ängsten gut.
Ich bin nun drei Tage in der Woche auf Arbeit, da ich einige Minusstunden Anfang des Jahres bis zur mittleren Hälfte angehäuft hatte. Aber damit geht es mir gut und trotz einiger Sorgen und Probleme schaffe ich die Arbeit für meine Verhältnisse gut.
Bald wird auf den Seiten des ptv Sachsen e.V. mein Adventskalender veröffentlicht. Das war eine große Aufgabe und ich denke, ich habe sie ganz gut gemeistert.

Dann steht noch EX IN an, jeden Monat bis zum Februar. Dann, so hoffe ich, werde ich diese Qualifizierung abschließen und offizieller EX IN Genesungsbegleiter sein. Dafür muss ich noch mein laufendes Praktikum abschließen und das Portfolio (eine Art persönlicher Bericht) abgeben. Dafür habe ich zum Glück in vorherigen Modulen angefangen und schon einige Inhalte übertragen.

Nebenbei läuft noch „verrückt, na und“ und andere Vorlesungen bzw. Seminare. Ende November habe ich die Ehre, an der Sächsischen Polizeihochschule Vorträge über Schizophrenie halten zu dürfen. Dies hat mir André vermittelt. Es wird aufregend, vor so vielen Menschen zu referieren, aber ich freue mich darauf.

Parallel gibt es noch so einiges, was bis Ende des Jahres erfüllt werden muss. Aber auch das schaffe ich. Und, eine schöne Nachricht: André und ich heiraten bald. Noch müssen wir es schaffen, einen Termin am Standesamt zu bekommen, da André die Woche über ja meist in Studienstadt ist. Aber daran soll es nicht scheitern. Ich freue mich riesig darüber, bin verständlicherweise aber auch sehr aufgeregt. Aber nach fast 8 Jahren kann man wirklich heiraten, wir hatten schließlich lange genug Zeit uns zu festigen.

Gerade trinke ich Kaffee und Nathan sitzt neben mir. Dabei läuft Musik und ich beantworte einige Mails. Das Leben kann so schön sein.

#Regio2021

Am 2. Juli fand die Regio2021 statt – eine Veranstaltung vom https://lvpebw.org und https://www.gemeindepsychiatrie-bw.de. Thema des Tages war: Krisendienste.
Nicht nur wegen meinem Interesse an diesem Thema zogen mich nach Stuttgart, nein, etwas viel wichtigeres! Nämlich die Siegerehrung zum Schreibwettbewerb, den ich als dritten Platz gewonnen hatte. Die Geschichte „Der Koffer“ wurde nach einer Laudatio kurz vorgestellt und alle Preisträger*innen erhielten ein Buch mit 10 Kurzgeschichten, die den Schreibwettbewerb gewonnen hatten.
Die Siegerehrung war ein ganz besonderer Moment für mich. Ich schreibe bekanntlich schon länger, aber diesmal habe ich tatsächlich einen Preis für meinen Text erhalten! Ich bekam Blumen und ein kleines Präsent mit kulinarischen Perlen Stuttgarts. Und seinen Text als Buch in den Händen zu halten – unglaublich!
Mufasa, mein Vater, ist mit mir zusammen nach Stuttgart gefahren und wir hatten eine schöne Zeit. Schon am Donnerstag sind wir angereist und haben uns den Kurpark angeschaut, sowie ein kleines Museum rund um den Automobilhersteller Daimler. Abends habe ich Mufasa auf eine Pizza eingeladen – als kleines Dankeschön für die gemeinsame Fahrt nach Baden-Württemberg.
Die Vorträge der Regio2021 waren sehr interessant. Ein Referent erzählte über den Maßregelvollzug und eine Dame über das Krisendienstangebot von Oberbayern. Ich lernte einige der anderen Preisträger*innen kennen und hatte eine wunderbare Zeit.
Ich werde meiner Frau Therapeutin eine Ausgabe der Anthologie schenken. In der Hoffnung, dass es ihr Freude bereitet.
Die Regio ist vorbei und ich bin wieder sicher in Dresden angekommen. Aber es waren zwei wunderschöne Tage, in denen ich einiges gelernt und erfahren habe.
Den Blumenstrauß, den ich überreicht bekommen habe, habe ich direkt auf der Regio weiter verschenkt: an eine nette Dame des Landesverbandes.

[Podcast] Strunzehrlich

Und ebenfalls heute eine weitere Sache, die ich euch gerne zeigen darf! Mein Podcast mit „Strunzehrlich“ von Instagram hat eine Folge mit mir herausgebracht.
Ihr Beitrag dazu:

In ihrer Jugend wurde sie bereits tiefgreifend mit dem Thema der psychischen Erkrankungen konfrontiert. Heute absolviert Anna ihre Ex-In-Ausbildung @ex_in_genesungsbegleitung , um anderen Betroffenen zu helfen, einen individuellen Umgang mit ihrer Erkrankung finden zu können und leistet damit und darüber hinaus umfassende Aufklärungsarbeit.

Anna erzählt von ihrem Leben mit einer Schizophrenie-Diagnose und schweren rezidivierenden Depressionen.

❕Bitte achte beim Hören dieser Folge gut auf dich. Anna berichtet unter anderem von Psychiatrieaufenthalten, ihren Erfahrungen mit Medikamenten und selbstverletzendem Verhalten.

https://www.instagram.com/strunzehrlich/

Zu hören auf Spotify (oben eingefügt).
Sagt mir bitte, was ihr davon haltet!

Stadt mit Aussicht

Gestern ist es endlich erschienen: unser Video vom Projekt „Stadt mit Aussicht – in Zukunft tolerant“!
Von mir sind die Zeichnungen und Animationen, gemeinsam mit meiner Kollegin haben wir das Video gestaltet.
Ich bin wirklich froh, dass es so gut geworden ist, auch wenn wir alle komplette Laien waren in der Videobearbeitung.
Schaut es auch an, teilt es und sagt mir eure Meinung!

Andere Wege?

Innerhalb eines Monats zwei Medikamentenversuche: von Reagila auf Fluanxol. Wie es mir damit geht? Schwierig. Einerseits vertraue ich – NOCH – auf die antipsychotische Wirkung. Bin aber abgeschlagen, müde, unkonzentriert. Ob das Psychoseerlebnis ist oder Nebenwirkung: ich weiß es nicht.
Löwenherz kämpft gerade sehr für mich. Hat sich beim „Offenen Dialog“ Hilfe gesucht, mit dem Hintergedanken, irgendwann die Medikamente zu reduzieren – oder auf Null zu bringen.
Währenddessen kämpfe ich gegen visuelle Erscheinungen, Stimmen und Anspannung.
Ich hoffe einfach, dass es bald besser wird. Das die Sonne wieder scheint, ich Dinge genießen kann. Bis dahin, mal wieder, radikale Akzeptanz und Einatmen – Ausatmen.
Welchen Weg soll ich gehen?
Den der Schulmedizin – Medikamente?
Ohne Medikamente, mit therapeutischer Hilfe?
Oder doch etwas ganz anderes?

Ich gebe auf

Ich gebe auf: Reagila 1 : Anna 0. Seit letztem Montag nehme ich diese neue Antipsychotikum. Außer extremer Übelkeit auch keine antipsychotische oder auch antidepressive Wirkung. Ich konnte gar nicht essen und wenn, behielt ich es nicht im Magen. Also heute zu Frau Ärztin, die mir auch versicherte, SO solle das definitiv nicht laufen! Nun gebe ich also diesen Versuch auf. Und sage: Ciao, Reagila!
Dafür habe ich heute wieder ein neues Neuroleptikum verschrieben bekommen: das ziemlich alte Fluanxol. Erst einmal 5 mg zum Abend. Bitte, bitte, bitte, wirk, verdammt nochmal! Ich kann nicht mehr. Frau Therapeutin fragt nach stationärer Therapie, ich lehne jedoch ab.
Diese Psychose, diese Depression zwingt mich nicht in die Knie.
Ich bin stärker. Ich schaffe das.

Einzig-art-ICH: Meine Geschichte

Hey, ich bin Anna und bin 24 Jahre alt. Als meine Oma 2009 verstarb, fiel ich in eine tiefe #Trauer. Dann begann das #Mobbing: erst wurde ich ignoriert, dann beleidigt, mir wurde physische Gewalt angedroht, mir wurde gesagt, ich solle mich umbringen.

Ich war 13 Jahre alt und begann mich s#elbstzuverletzen. Meine Stimmung wurde #depressiv und nach den Sommerferien zu Beginn der neunten Klasse hatte ich einen #Suizidversuch. Meine Mutter brachte mich in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der ich ein halbes Jahr war. Im Zuge dessen wechselte ich auf eine andere Schule. Dort wurde ich gut empfangen und fand Freunde.

Als ich 16 Jahre alt wurde, kamen neue Symptome hinzu. Ich war gerade in meinem Elternhaus und putzte das Bad, als ich meinen Namen rufen hörte – jedoch war niemand da. Und in der Schule traten #Wahngedanken auf: ich vermutete, dass meine beste Schulfreundin mich töten will! Das waren die ersten Symptome der Erkrankung, die heute mein Leben bestimmt: #paranoideSchizophrenie.

Ich machte 2014 mein Abitur und zog in eine neue Stadt, wo ich studieren wollte. Nach dem Umzug entwickelte sich eine schwerwiegende #Psychose und schwere #Depressionen. Der Sozialpsychiatrische Dienst wies mich dann aufgrund der Symptome auf die geschlossene Station ein.

Ich brach das Studium ab, begann eine Ausbildung die ich ebenfalls abbrechen musste. Ein Bundesfreiwilligendienst folgte – jedoch hatte ich wieder ein Schub. Die Agentur für Arbeit sagte mir, ich werde nie arbeiten gehen können und solle in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Doch ich ging meinen eigenen Weg. Ich begann im Oktober 2020 die Qualifizierung zum EX IN Genesungsbegleiter und arbeite seit Anfang 2021 in einem psychosozialen Verein als Betreuungskraft mit Erfahrungsexpertise.

Ich muss immer aufpassen, dass ich mich weder unter- noch überfordere. Bisher war ich knapp 14 Mal in Kliniken, nehme viele Medikamente und bin wöchentlich in Therapie. Ich gehe meinen eigenen, ganz individuellen Weg, womit es mir besser geht. Über mein Leben schreibe ich seit 2015 Blog unter www.weltkehrt.de.

Link zu der Homepage von einzig-art-ICH: https://einzig-art-ich.org

Es wird besser

Gestern hatte ich es doch tatsächlich zur Arbeit geschafft. Wir hatten im Team Arbeitsbesprechung, ich bin jedoch aufgrund der Nebenwirkungen des Reagila schon etwas zeitiger – das heißt, nach immerhin drei Stunden! – nach Hause gegangen. Nachmittags kam André aus der Studienstadt wieder und ich habe etwas Essen können, Reis mit Gemüse. Ich musste zum Glück nicht erbrechen.
Telefoniert habe ich dann mit Frau Ärztin, die meinte, wenn ich es schaffe, solle ich diese Einstellung durchstehen. Wir haben sogar die Dosis verdoppelt, um die antidepressive und antipsychotische Wirkung zu verstärken.
Außerdem habe ich erst mal zwei Wochen eine Krankschreibung – ich muss erstmal aus der Krise kommen. Dazu nehme ich Bedarf – Tavor – da es mir eben wirklich schlecht geht.
Mein Ziel? Ambulant diese Zeit meistern! Ich möchte auf keinen Fall stationär und versuche alles, um es zu Hause zu schaffen. Dazu zählen: schöne, entspannende Dinge wie zeichnen, zurückfahren, gesund Leben (zB moderate Bewegung, gesundes Essen) und an mir arbeiten.
Ich hatte schon so viele Krisen und ich habe sie alle durchgestanden. Das zeigt mir, dass ich mehr Kraft habe, als ich denke.
Das Blog schreiben tut mir gut – das habt ihr bestimmt schon gemerkt – da ich aktuell wieder viel mehr blogge als die letzten 1-2 Jahre.
Deswegen lasse ich euch gerne an meinem Leben teilhaben.
Bald kommen auch längst überflüssige Rezensionen, also, seid bereit …

Anders als erwartet

Da sind sie wieder: die Nebenwirkungen. Ich nehme seit gestern zum Morgen eine Tablette Reagila, 1,5 mg, die Einstiedsdosis. Und es geht mir so schlecht. Angefangen mit Unruhe, Angstzuständen und dann mit Magen-Darm-Problemen. Ich saß auf Toilette und musste gleichzeitig einen Eimer in den Händen haben, da ich sowohl Durchfall als auch schwere Übelkeit mit Erbrechen habe. Seit dem bekomme ich nichts herunter und trinke nur Wasser, weil mir von allen anderen Sachen (Kaffee, Saft, Milch) noch übler wird.
Deswegen habe ich mich in der PIA gemeldet und der Vertretungsarzt von meiner Frau Ärztin, meinte das das am Anfang vielen so geht. Das tröstet mich nicht, da meine Symptome gerade wirklich nervig sind, aber zumindest ist es nicht schlimm oder in irgendeiner Art und Weise unüblich oder gefährlich.
Da heißt es nur: Aussitzen.
Die Arbeit musste ich heute absagen, ich hätte es nicht zur Bahnhaltestelle geschafft.
Drückt mir die Daumen, dass es bald wieder besser wird.
Ich habe hohe Erwartungen an die neue Medikation. Vielleicht manövriert mich das aus der beginnenden Psychose.