EXtra INfo Tage

Es war die Probe aufs Exempel: schaffe ich die EX IN Ausbildung, die EX IN Sachsen e.V. (https://ex-in-sachsen.de) ab April 2020 in Dresden anbieten wird?
Mit einem flauen Gefühl im Magen suche ich die Räumlichkeiten im St. Joseph Stift Krankenhaus auf. Vor mir ein heller, lichtdurchfluteter Raum mit einem Stuhlkreis. Es weckt Assoziationen zur Gruppentherapie oder Selbsthilfe, aber das ist nicht, was mich erwartet.
Unsere beiden EX IN Trainer kenne ich natürlich bereits: ich bin neben ihnen im EX IN Sachsen e.V. tätig und auch im Vorstand.
Wir stellen uns vor, eine Gruppe von circa 11-13 Interessierten. Lernen uns kennen, sprechen in den Pausen über alles Mögliche.
Haben Workshops und Gruppenarbeiten, ich halte kurze Vorträge, teile meine eigene Recoverygeschichte.
Uns wird der Ablauf der einjährigen Ausbildung vorgestellt, die zu absolvierenden Module (davon 5 Basismodule und 7 Aufbaumodule wovon eines die Arbeit am eigenen Portfolio darstellt) und, was für viele eine Sorge ist: die Finanzierung.
Ich gehe gestärkt aus zwei wunderbaren Tagen heraus und bin mir sicher:
ICH möchte EX IN Genesungsbegleiterin werden!

Auf die Ohren – der Podcast

Am Freitag hieß es für mich: auf nach Berlin! Für die Aufnahme eines Podcasts ging es in die Hauptstadt, bei dem Label „AufdieOhren“.
Ich bin mit dem Flixbus bis Berlin Südkreuz gefahren und wurde dort direkt abgeholt. Eine junge, sehr modische, für mich „typisch“ Berlinerin, kam freudig auf mich zu. Gemeinsam ging es mit der S-Bahn nach Friedrichshain.
Im Büro lernte ich direkt alle kennen: alles junge sympathische Leute.
Dann ging das Interview für den Podcast auch schon los. Der Moderator war Dr. Leon Windscheid, ein sehr cooler Typ. Er gewann bei Günther Jauch die Million und investierte in ein Party-Schiff.
Das Interview ging fast 2 Stunden und wir hatten ein gutes Gespräch. Es ging viel um Eva und Demian, die Zeit in der Klinik und die Wahngedanken.
Ich aß in Berlin zum ersten Mal einen vegetarischen Burrito – echt lecker!
Abends ging es dann wieder zurück nach Dresden.

Ich werde natürlich den Link vom Podcast posten, wenn er veröffentlicht wurde!

Preview: Anna und die Stimmen im Kopf

Termin: 27.09.2019 um 16 Uhr

Ort: Technische Sammlungen – kleines Studio-Kino (Etage Ausstellung Trickfilmstudio),
        Junghansstraße 1-3, 01277 Dresden

Eintritt: kostenfrei
Veranstalter:   GESOP gGmbH

Anna ist eine Kämpferin. Sie geht mit ihrer Schizophrenie in die Offensive. Sie bloggt über sich und ihre seelischen Krisen. Über 1 Millionen Menschen klickten die Seite bereits an. Es sind Betroffene, Interessierte und natürlich auch Voyeuristen.

Egal wer das liest, sagt Anna. Ich will sensibilisieren. Es gibt allein in Deutschland über eine halbe Millionen Menschen mit dieser, mit meiner Diagnose. Schizophrenie hat so ein großes Stigma, das finde ich doof.

Deshalb wagt Anna im letzten Jahr einen weiteren mutigen Schritt in Richtung Öffentlichkeit. Sie stellt sich vor Schulklassen und erklärt Teenagern auf Augenhöhe, was es heißt, schizophren zu sein.
Das Projekt heißt „Verrückt? Na und! „ und wird in Dresden vom Träger GESOP – gGmbH koordiniert. Gegründet hat dieses Schulpräventionsprojekt der Verein „Irrsinnig Menschlich“ aus Leipzig.

Krisen meistern

Es war dann doch alles zu viel. Wie eine Lawine kamen die Ereignisse auf mich zu. Führerschein, Dreharbeiten, Ausstellung, Antrag ambulant betreutes Wohnen.

Die Dreharbeiten mit dem MDR sind mit der Eröffnung meiner Ausstellung „Meine Metamorphose“ abgedreht. Ich bin sehr froh über die Erfahrungen mit dem Fernsehen. Ich weiß nun was der Unterschied zwischen O- und Off-Ton ist, wie viel Filmmaterial man für eine halbe Stunde Sendungszeit benötigt und wie Bilder kreiert werden.

Weiterhin bin ich natürlich froh über meine zweite eigene Ausstellung. Vor allem das ich tatsächlich ein Bild verkaufen konnte, freut mich sehr! Auch die vielen lieben Worte und Kontakte, die sich dadurch ergeben haben, freue mich sehr.

Leider wurde das ambulant betreute Wohnen abgelehnt. Jetzt heißt es, eine andere Lösung für mich zu finden. Der Herbst, und damit Andrés Studium, rückt Schritt für Schritt näher. Ich brauche Unterstützung. Schade das ich so darum kämpfen muss!

Das alles führte dazu, dass ich wieder in eine schwere Krise gestürzt bin. Gottseidank hatte ich die Möglichkeit ambulant alle Ressourcen ausschöpfen zu können. Das bedeutete, dass ich jeden Tag einen Kontakt in der PIA hatte – bei meiner Ärztin und Therapeutin. Ich habe kurzfristig eine erhöhte Clozapindosis und nehme unterstützend Tavor, bis die Krise gemeistert ist. Ich wollte unbedingt einen Klinikaufenthalt vermeiden und ich habe dies auch bisher geschafft. Gerade durch starke Selbstverletzungs- und Suizidgedanken war eine engmaschige Betreuung notwendig.
Auch die unliebsame Psychose schlich sich wieder in mein Leben.
Eva sagte, ich sollte mich ritzen, Demian schrie um Hilfe. Jedes Geräusch verursachte ein Gedankenkarussel aus Ängsten und Misstrauen. Überall redete man von mir, ich wurde überwacht und ausspioniert.
Zum Glück geht es mir jetzt besser. Dafür danke ich allen, vor allem André und meinem Löwenherz, sowie meiner besten Freundin. Danke.

Rezension: Die unheimliche Magie der Psychose

Ich habe das große Glück, das Buch von Vera Maria zu rezensieren. Die Autorin schickte mir ein Exemplar ihres ersten Buches zu und ich habe es mit Interesse gelesen.

Die 26 jährige hat nicht nur ein Drogenvergangenheit, sie leidet auch unter Ängsten, Zwängen und einer schizoaffektiven Störung.

Mich hat das Buch sehr angeregt, selbst etwas über meine Geschichte zu schreiben – dank dafür, liebe Vera!

Vera Maria ist für mich eine Kämpferin. Sie überlebte vier schwere Suizidversuche, lernte mit ihren Zwängen umzugehen und wie sie selbst schreibt, wie ein Phönix aus der Asche aufzustehen.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen und die Struktur der Kapitel und der Aufbau des Buches sind sehr spannend gestaltet. Vera Maria nutzt ihre eigenen Erfahrungen um ein Krankheitsbild zu erklären, welches viele nicht kennen oder falsche Vorstellungen haben.

Interessant fand ich, dass ihre Gründe der Gesundung meinen sehr ähnelt: Freunde, Liebe und Spiritualität. Auch ähneln sich unsere Erfahrungen während der Psychose.

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der psychische Erkrankungen verstehen lernen möchte.

Mit großem Interesse sah ich auch ihre Website an – Vera Maria auf jimdo – auf der auch einige künstlerische Werke und Gedichte zu finden sind.

Liebe Vera, danke für das Exemplar. Ich konnte trotz meiner eigenen Erfahrung noch viel lernen, gerade über Zwangserkrankungen.

Ich wünsche dir alles Gute! Danke auch für die Inspiration, meine Geschichte auf Papier zu bringen.

Amazon Link zum Buch

Die Ausstellung

Am Dienstag war es soweit. Wir fuhren nach Goyatz, an den Schwielochsee. Eine Woche zuvor hatten wir die Bilder im Ärztehaus aufgehängt, die Bilder gerahmt und gesäubert. Jetzt aber kam der Moment, auf den ich Monate hingearbeitet hatte.

Es waren schon einige ältere Leute da, als wir eintrafen. Das Kamerateam vom MDR und ich trafen Peter Löwe, der die Ausstellungen organisiert, sowie den Arzt, der die Galerie fördert. Ich war ziemlich aufgeregt, aber das sollte bald verfliegen.

Meine Eltern, meine ehemalige Kunsttherapeutin und viele weitere Gäste kamen. Ich stellte mich kurz vor und dann begann ein kleines Interview. Die Fragen waren allesamt gut durchdacht und ich konnte ehrlich antworten. Aus dem Publikum, welches größer war als ich je gehofft hatte, kamen ebenfalls Fragen. Vor allem zu meinem Schaffensprozess, meiner Erkrankung und über mein Leben.

Nach dem Interview hatten die Gäste die Möglichkeit, sich alle Bilder genauer anzusehen. Ein Bild, die „Provokation“ kam bei einer Frau so gut an, dass sie es mir gleich abkaufte. Mein erstes verkauftes Bild! Ich war überglücklich, damit hätte ich nie gerechnet.

Während der Ausstellung kamen viele Besucher noch einmal privat auf mich zu. Viele kannten Angehörige oder Freunde mit Schizophrenie, und erzählten mir, wie diese mit ihrer Erkrankung umgehen. Das war auch sehr spannend für mich. Andere empfahlen mir andere Ausstellungsorte, Kunstkurse oder Techniken, wie die Enkaustiktechnik mit Wachs.

Am Ende des Tages war ich überglücklich. Ich hatte viel positives Feedback bekommen, mein erstes Bild verkauft und hatte den letzten Drehtag mit dem MDR.

Es war eine aufregende Zeit…
Die Bilder hängen noch bis zum 2. August in der kleinen Galerie Goyatz.

Lausitzer Rundschau

Schläge und Schweiß

Seit letzter Woche mache ich Krav Maga. Das Studio ist 10 Minuten Laufweg von mir entfernt. Ich hatte ziemlich Angst beim ersten Mal. Was erwartet mich? Bin ich die einzige Frau? Schaffe ich die Ausdauer und die Anstrengung?

Krav Maga ist ein modernes, eklektisches israelisches Selbstverteidigungssystem, das bevorzugt Schlag- und Tritttechniken nutzt, aber auch GrifftechnikenHebel und Bodenkampf beinhaltet.

Wikipedia

Am Freitag war ich dann das zweite Mal, ich habe mich schon etwas sicherer gefühlt. Gegen große Männer zu kämpfen war aufregend und hat mir gezeigt, dass man es schaffen kann sich dem Griff zu entziehen. Wir haben geübt aus dem Schwitzkasten zu kommen – und mit ein paar gezielten Tritten funktionierte es.

Ich werde definitiv regelmäßig gehen, weil es mir wirklich Spaß macht, auch wenn ich noch total untrainiert bin.

Kamera läuft! #2

Am Freitag hieß es wieder: Dreharbeiten.

Das es so anstrengend wird, hätte ich nicht gedacht. Wir starteten gegen 9 Uhr und erreichten nach der Fahrt das kleine Dorf, aus dem ich komme. Dort warteten wir auf Kamera und Ton. Danach ging es hinter unser Haus in den Wald, indem ich als Kind viele Stunden spielte. Vor allem bauten meine Schwester und ich ausgeklügelte Hindernisse, die wir als Pferde übersprungen. Ich strich mit meinen Händen durch die hohen Gräser und ließ die Zeit Revue passieren.

Anschließend ging es auf den Friedhof in Zwickau, in dem meine 2009 verstorbene Großmutter liegt. Ich legte eine rot-orange gescheckte Rose an das Gemeinschaftsgrab, indem ihre Urne liegt.

Das war der zweite Sprung in die Vergangenheit. Nun kam für mich der schwierigste Part: Die Fahrt zur Jugendpsychiatrie, welche 2010 meine erste Klinik war. Vor dem weitläufigen Park, in dem ich damals viel spazierte und spielte, führten wir ein Interview über die Zeit dort. Mir wurde mulmig. Aber auch das schaffte ich (irgendwie).

Die Reise führte weiter nach Planitz, wo mein Gymnasium lag. Trotz zahlreicher Unterbrechungen (Autos und die Kirchenglocke) wurde ich auch vor den Toren des zur Schule umgebauten Schlosses interviewt.

Danach waren wir fertig – im wahrsten Sinne des Wortes. Es war extrem warm und schwül, ich schwitzte und hatte Kopfschmerzen. Aber ich habe diesen Trip in mein altes Leben geschafft und bin schon ein wenig stolz auf mich.

Der nächste Termin mit Kamera läuft während dem Schulprojekt „Verrückt, na und!“.