Acht Jahre weltkehrt

Screenshot: weltkehrt im Jahr 2015

Am Mittwoch, dem 18. Januar, hatte mein Blog „weltkehrt“ seinen achten Geburtstag! WOW! So lange schon teile ich mein Leben auf diesem Blog. Mittlerweile gibt es fast 400 Beiträge auf dieser Website. Ob Alltagsleben, Rezensionen, Hilfe und Informationen, Texte und kritische Beobachtungen: hier kann ich schreiben, was mich beschäftigt und hoffentlich dem ein oder anderen Leser für Aufklärung sorgen oder sogar unterstützen.

Die Domain „weltkehrt“ habe ich tatsächlich schon länger als 2015. Ursprünglich kommt der Name von einem Rollenspiel, welches ich mal geplant hatte. Aber dann entschloss ich mich, einen Blog zu starten. Vorerst wollte ich über meinen langen Klinikaufenthalt schreiben, für Freunde, Verwandte und Bekannte. Das das dann ein Selbstläufer wurde, müsste mittlerweile jedem klar sein. Durch weltkehrt konnte ich zahlreiche Auftritte und auch Filmaufnahmen für mich gewinnen. Der Blog wurde mein Lebenswerk.

In den acht Jahren gab es Phasen, da schrieb ich sehr oft, teilweise täglich. Über die Jahre dann seltener, aber ich habe im letzten halben Jahr wieder öfters in die Tasten gehauen und Beiträge geschrieben. Das ist auch ein Vorsatz für das Jahr 2023 – mein Blog ist mir mittlerweile so wichtig, dass ich ihn ungern „verstauben“ lassen möchte.

Was wünsche ich mir für die nächsten Jahre?
Zum einen natürlich die Möglichkeit, ungefiltert über Schizophrenie zu schreiben.
Außerdem Texte veröffentlichen, die eher in die prosaische Richtung gehen.
Auch muss ich sagen, fände ich es schön, wenn ich öfters Kommentare unter meinen Beiträgen finden würde!

Liebe Leser:innen, danke für eure Treue und das Lesen meiner Posts. Ohne euch wäre weltkehrt nicht das, was es ist.

Die 10 schlimmsten psychischen Erkrankungen

Na, hab ich dich mit dieser Überschrift angesprochen? Heute möchte ich klarstellen, warum es Quatsch ist, psychische Erkrankungen gegen einander zu vergleichen, beziehungsweise zu sagen, was „besser“ und was „schlimmer“ ist.

Ich habe einen Post wie diesen auf TikTok gesehen – bloß das dieser von einem „Horror-Blog“ kam. Dort wurde eine Rangliste aufgestellt, wie schlimm spezifische psychische Erkrankungen sind. Ich sag dazu: Bullshit.

Warum? Natürlich kann man sagen, einige psychische Erkrankungen lassen sich schneller oder effizienter behandeln. Es gibt mittlerweile viele wirkungsstarke Medikamente gegen bestimmte Leiden. Auch kann in vielen Fällen eine Therapie helfen – von der kognitiven Verhaltenstherapie über tiefenpsychologische Verfahren. Auch psychiatrische (und damit meine ich nicht ausschließlich medikamentöse) Behandlung kann oft helfen und die Lebensqualität der Patienten wiederherstellen.

Was ist schlimmer? Eine Panikstörung oder eine Phobie? Ist eine bipolare Störung weniger schlimm als eine schizophrene Psychose? Ich denke nicht, dass man das miteinander vergleichen kann. Es gibt Patienten, deren Leben so stark wegen einer Angststörung eingeschränkt ist. Dennoch haben Angst- und Panikerkrankungen Posts meist eine weniger „schlimmes“ Ranking.

Oder Persönlichkeitsstörungen: diese Erkrankungen bezeichnen eine tief in der Psyche verankerte Störung. Ich kenne einige Mitpatienten und Mitstreiter, die beispielsweise schwer unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden. Aber ist es nun so, dass eine Persönlichkeitsstörung schlimmer ist als eine „einfache“ endogene Depression? Oder sollte man sagen, eine leichte depressive Störung ist für den Patienten weniger anstrengend und schwer zu ertragen als eine diagnostizierte schwere Episode?

Ich denke nicht. Wer nimmt sich das Recht heraus, zu beurteilen, wie sehr ein Mensch leidet? Zu diesem Thema habe ich gerade die Suchmaschine meiner Wahl bedient: meistens sind diese Einträge von irgendwem geschrieben, also weder von einem Psychotherapeut, Psychiater oder auch Betroffenen, sondern von irgendeinem Blogger.

Natürlich gibt es Erkrankungen, die sich relativ gut behandeln lassen – das habe ich oben schon angemerkt. Da reicht eine ambulante Therapie mit einer geringen Laufzeit, damit diese Patienten wieder ein erfülltes Leben ohne Einschränkungen führen können. Andere Patienten (und da schließe ich mich mit ein) sind chronisch erkrankt und bedürfen medikamentöser Behandlung und Psychotherapie im Rahmen einer PIA (Psychiatrische Institutsambulanz) die kein „Ablaufdatum“ hat. Für Menschen mit spezifischen Störungen bedarf es mehrere Monate bis Jahre, bis sie mit ihrer Erkrankung umgehen lernen. Dafür gibt es Unterstützung, auch wenn der Weg bis dahin sehr holprig ist.

Allerdings gibt es tatsächlich Störungen, die als sehr schwer betrachtet werden oder eine hohe Todes- oder Suizidrate haben.
Nehmen wir als Beispiel die Erkrankung, die die meisten Todesfälle verursacht. Das ist die Anorexia Nervosa (zu deutsch: Magersucht). Patienten mit dieser Erkrankung können durch das starke Untergewicht und die damit verbundenen körperlichen Leiden sterben. Dabei liegt die Quote bei 10 bis 15 %! Das ist natürlich alles andere als marginal.

Auch bei Suchterkrankungen – sei es Alkohol oder „harte“ Drogen wie Crystal Meth – gibt es eine recht hohe Sterblichkeit durch beispielsweise Überdosierung und körperliche Folgen, die aus dem Konsum folgen.

Man kann also sagen, dass es durchaus Erkrankungen gibt, die mit erhöhter Sterblichkeit zusammenhängen oder langjähriger Therapie mit starker Einnahme von Medikamenten verbunden ist. Aber das individuelle, persönliche Erleben ist dennoch sehr subjektiv.

Was haltet ihr von solchen „Ranglisten“? Denkt ihr, man kann psychische Erkrankungen miteinander vergleichen oder sogar sagen, welche die „schlimmste“ ist?

Skills für jede Situation

Skills. Wer kennt sie nicht? Zur Erklärung: Skills bedeutet im Englischen nichts weiter als „Fertigkeit“. In der Psychologie beschreibt man Dinge als Skill, die bei Anspannungen eingesetzt werden, um damit umzugehen und kein destruktives Verhalten zu nutzen (beispielsweise Selbstverletzung).

Obwohl Skills vorrangig bei der DBT (dialektisch-behaviorale Therapie) eingesetzt wird, ebenso in den meisten Fällen bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, kann jeder Mensch davon profitieren – nicht nur bei anderen psychischen Erkrankungen, sondern auch bei Anspannungen, die jeder mal erlebt.

Als ich zum ersten Weihnachtsfeiertag zu meinen Eltern gefahren bin, hatte ich eine erhöhte Anspannung. Das Problem? Ich hatte meine Skills nicht dabei. Und da merkte ich: es sollte Skills geben, die man so gut wie immer dabei hat. Das war meine Idee hinter diesem Blogbeitrag.

Es geht hier um Skills, die man immer oder häufig dabei hat, oder die keine Vorbereitung benötigen oder die sehr unauffällig sind.

Ich trenne diesen Blogbeitrag in verschiedene Kategorien aus, die man bei Skills auch „Zugangskanäle“ nennt. In der Anspannung kann es nämlich vorkommen, das verschiedene Skills nicht wirken, weil der Zugangskanal nicht funktioniert.

Aktivitäten
– Atemübungen
– Socken ausziehen und bewusst Barfuß laufen
– eine E-Mail an sich selbst schreiben und in den Entwürfen für späteres Lesen speichern
– in einer App spielen, z.B. Slither.io oder Little Alchemy
– kaltes Wasser über die Hände laufen lassen, oder das Gesicht kalt abwaschen
– einen Tee oder Kaffee kochen
– eine Kerze anzünden und die Flamme beobachten
– Treppen rauf und runter laufen

Gedanken
– in Gedanken dein Lieblingslied singen oder den Text aufsagen
– einfache Matheaufgaben ausrechnen (z.B. das Kleine Einmaleins)
– Beiseite schieben und Zeit überbrücken
– in 7er Schritten von 100 runterzählen
– meditieren, die Augen schließen, summen

Körperempfindungen (oder auch Schmerzersatzskills)
– ein Taschentuch fest mit den Händen drücken oder in kleine Schnipsel zerreißen
– mit Stein im Schuh laufen
– etwas Saures oder Scharfes essen
– im Winter: Schnee in die Hände nehmen und schmelzen lassen
– laute Musik hören
– Muskeln abwechselnd an- und entspannen
– jemand bitten, dich fest zu umarmen
– Schmerzpunkte fest drücken: Muskelansatz am Schlüsselbein, Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger

Das Jahr 2022

Pexels.com von Anna-Louise

Ich kann es kaum glauben! In nur wenigen Tagen ist das Jahr 2022 Geschichte. Es war ein verrücktes Jahr. Für mich, meine Partnerschaft, für meine Familie aber auch für die gesamte Weltbevölkerung. Es gab weiterhin die globale Corona-Pandemie, es gab Krieg mitten in Europa, es gab Wahlen, Aufstände. Es gab viele schöne Momente, neben dem Schmerz, es gab eine Fußball-Weltmeisterschaft, es gab die Jahreszeiten und die Rotation der Erde…

2022 – ein Auf und Ab, ein Hoch und Runter, schöne, wertvolle Momente, schwierige Phasen.

Zu den schönsten Momenten dieses Jahres zählte natürlich der Junggeselleninnenabschied mit meinen Schwestern und engsten Freundinnen. Ende Februar dann sagte ich nach acht Jahren Beziehung „JA!“ zu André. Im Kreise der Familie und in vollkommener Liebe.

Im April erhielt ich meinen Abschluss als EX IN Genesungsbegleiterin. Bis August arbeitete ich auch in diesem Beruf, entschloss mich aber im Herbst ein Studium aufzunehmen.

Es war ein Jahr ohne Klinik – ohne Selbstverletzung – ohne schwerste Psychosen. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Im Freundeskreis hatte ich wunderschöne Momente. Ob mit Maureen oder unserem Coven, ob mit Freundinnen und Freunden.

Ich konnte mein Wissen teilen als Dozent und Referent, war im SWR Fernsehen und in Schulklassen. Auch konnte ich einige Bilder verkaufen und war allgemein kreativer.

Auch im neuen Jahr werde ich Vorträge halten und referieren. Dafür habe ich schon Termine im Januar und Februar gesetzt.

Und hier noch die Statistiken:
– 394 Beiträge
– 289 Kommentare

So richtige Vorsätze habe ich für 2023 nicht. Ich werde einfach sehen, wohin der Weg mich führt.

Und noch einen Dank an alle treuen Leser! Ich bin dankbar, von euch zu hören, sei es als Kommentar oder E-Mail. Ohne euch könnte ich weltkehrt nicht fortführen.

Und damit wünsche ich allen Leser:innen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Der Gewinner ist…

Liebe Leser:innen,

danke an alle, die bei meinem kleinen Gewinnspiel teilgenommen haben! Es hat mich sehr berührt, dass so viele Interesse an meinem Gewinnspiel hatten.
Doch wie es im Leben so ist, konnte leider nur ein Leser gewinnen!
Und diese Leserin heißt Lina. Sie hat mir ein sehr schönes Gedicht gesendet, welches ich auch im Weihnachtsblogeintrag geteilt habe.
Ich habe jeder Zuschrift eine Nummer zugeordnet und diese dann ausgelost. Und es wurde Lina!

Was es zu gewinnen gab:
Ich hatte ja erwähnt, dass es etwas Selbstgemachtes gäbe. Und es wurde ein Kalender für das neue Jahr 2023 mit Zeichnungen und Bildern von mir.

Ich hoffe, liebe Lina, dass dich der Kalender erfreut! Und nochmals Danke an alle, die mitgemacht haben. Das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich so eine Aktion starte.

Frohe Weihnachten

Copyright: Gary Spears (pexels.com)

Liebe Leser:innen,
das Jahr ist schier verflogen. Gerade noch war Januar, Februar, März…und nun geht das Jahr 2022 auch schon dem Ende entgegen.

Weihnachten – eine Zeit, die oft als „besinnlich“ und „froh“ betitelt wird. Dieses Jahr trifft dies sogar auf mich zu. Ich weiß nicht mehr wie oft, aber ich war schon mehrmals zu Weihnachten in der Klinik. War zwar nicht allein, fühlte mich aber so – auch wenn meine Familie zu Besuch kommen durfte.
Dieses Jahr aber muss ich sagen: es geht mir gut. Und dieser Satz wiegt so viel, ist für mich so bedeutend, gibt mir Kraft. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich sage, alles ist in Ordnung. Wenn man eine chronische Erkrankung hat (und damit meine ich nicht nur psychische Krankheiten), ist das Wichtigste auf der Welt die eigene Gesundheit.

Heute, am Heiligabend, feiere ich mit meinem Mann und unserem Nathan zusammen Weihnachten, als die kleine Familie, die wir sind.

Dieses Jahr fand auch zum ersten Mal ein weltkehrtes Gewinnspiel statt. Mehrere Leser:innen schickten mir dazu ihre Gedanken zur Weihnachtszeit, die ich heute mit euch teilen möchte.

Und Weihnachten ist für mich Räucherkerzchenduft, vorm geschmückten Tannenbaum sitzen und Schwan-Spekulatius essen. (ganz wichtig, Gewürz und nicht Mandel/Butter Spekulatius).

Leser Levin S.

Es weihnachtet für dich und mich, Gesundheit und Fröhlichkeit soll uns erreichen und stets das Gute begleiten.

Leserin Karin K.

Mich hat folgendes Zitat immer etwas motiviert weiter nach vorne zu schauen.

„Es ist nicht von Bedeutung, wie schnell du gehst, solange du NICHT STEHEN BLEIBST.“ – Konfuzius

Leser Matthee

Was Weihnachten für mich ist

Weihnachten ist für mich
die Erinnerung
an das Nichtschlafenkönnen
am Tag davor
der Gedanke an Kirchenklänge
und einen Kinderchor
verblasste Erinnerungen an die Kindheit
die sich
sanft und tröstend in mir niederlegen.

Leserin Lina

Glockenläuten
vom Wind weg – oder heran geweht
warm bronzen klar rein mal laut mal leise
Friede Freude zieht ein
im Herzen

Leserin Barbara

Copyright: monicore (pexels.com)

Ich wünsche allen meinen Leser:innen ein frohes, glückliches Weihnachtsfest. Ob ihr in der Familie feiert, mit Freunden, in der Gemeinde oder allein. Ob es bei euch Weihnachten, Yule oder Chanukka heißt, ob ihr an den Weihnachtsmann oder das Christkind glaubt.
Ich hoffe, ihr könnt heute eine schöne gemeinsame Zeit genießen.

Frohes Fest – für Jedermann.

Weihnachtliches Gewinnspiel

Quelle: Pexels (Fotograf: Kim Stiver)

Das gab es in fast acht Jahren weltkehrt noch nicht! Anlässlich des kurz bevorstehenden Weihnachtsfestes werde ich ein Gewinnspiel veranstalten.

Wer kann mitmachen?
– Alle meine Leser:innen über achtzehn Jahren die wohnhaft in Deutschland sind

Was kann ich gewinnen?
– Das bleibt vorerst mein kleines Geheimnis…aber ich kann sagen, dass es etwas Selbstgemachtes ist
– Der Gewinn wird dir postalisch zugestellt und sollte zu rechtzeitig zu Weihnachten ankommen

Wie nehme ich teil?
– Ganz einfach: du schreibst mir eine E-Mail mit folgendem Inhalt:
—> deinen vollständiger Name
—> einen Fakt, positiver Gedanke oder eine Anekdote mit weihnachtlichem Thema. Das kann beispielsweise ein Satz, ein kleines Gedicht oder auch einfach nur eine Beschreibung dessen sein, was Weihnachten für dich ausmacht
—> wenn du möchtest, dass ich deine Geschichte/Gedicht auf meinem Blog verwende, stimme mir in der E-Mail bitte zu, dass ich ihn unter Quellenangabe verwenden darf (es wird dafür einen eigenen Blogpost geben, wo ich die Inhalte teile)
–> die E-Mailadresse dafür lautet: weihnachten@weltkehrt.de

Wie kann ich gewinnen?
– Jeder eingegangenen E-Mail weise ich eine Nummer vor, beginnend mit der Zahl eins
– Am Ende des Gewinnspiels lose ich zufällig eine Nummer aus
– Wenn ich deine Nummer gezogen habe, melde ich mich per E-Mail bei dir um deine Adresse anzufragen (Hinweis: deine Daten werde natürlich vertraulich behandelt, nicht weitergegeben oder gespeichert)
– Nachdem du mir deine Adresse zugeschickt hast, versende ich den Gewinn an deine Adresse

Du hast Zeit bis zum vierten Advent (Sonntag, der 18. Dezember). Danach ist keine Anmeldung mehr möglich und ich werde am Sonntag, um 19 Uhr, den Gewinner auslosen.

Also, ran an die Tasten! Ich hoffe es machen ein paar Leser:innen mit und der Gewinner freut sich am Ende über sein Geschenk!

Psychische Krankheiten sind kein Wettbewerb

Ich möchte heute über ein Thema schreiben, welches mich schon lange beschäftigt. Es ist ein Thema, dass sehr emotional ist und mit dem ich mit Sicherheit anecke. Aber es muss einfach gesagt werden, da es mich ganz und gar nicht kalt lässt.
Der Titel sagt schon alles: psychische Erkrankungen sind kein Wettbewerb! Und was ich damit meine, ist Folgendes…

Gerade in Social Media fällt es mir immer wieder auf. In der Beschreibung steht, welche Diagnose man hat, manchmal sogar wann und wie oft man in Kliniken gewesen ist. Es werden Fotos geteilt von Selbstverletzungen oder es wird täglich darüber geschrieben wie schlecht es einem geht. Diese Accounts florieren und haben oft mehrere Hundert bis tausende Follower.

Dagegen spricht ja erstmal nichts. Ich denke schon, dass der Austausch über psychische Krisen helfen kann. Ich führe ja selbst einen Blog und Instagram-Account über mich und meine Erkrankungen. Aber was mich wirklich nervt: das Vergleichen.

Nein, es geht nicht darum ob ein User zwei oder fünf Diagnosen hat.
Nein, es geht nicht darum, ob man deine Selbstverletzung nur verbindet oder mit mehreren Stichen nähen lassen muss.
Nein, es geht nicht darum wie oft und wie lange du in Kliniken warst.

Jeder darf sich mal hängen lassen und selbst bemitleiden. Aber wenn das das einzige Thema ist, was erhoffst du dir davon? Mitleid? Aufmerksamkeit?

Ich denke nicht, dass man „kränker“ ist, weil man nur 5 Milligramm eines Medikaments bekommt und keine 15 Milligramm.

Ich denke nicht, dass es schlimmer ist, nur eine Diagnose zu haben und als drei.

Warum dann vergleichen sich so viele, hauptsächlich jüngere User? Was ist der Mehrwert?
Und bin ich weniger „schlimm dran“ weil ich mich seit 3 Jahren nicht aktiv selbst verletzt habe?

Warum betteln manche so sehr um Aufmerksamkeit und leugnen im nächsten Post eben jene?

Und warum verniedlichen und romantisieren so viele ihre Erkrankungen? Warum ist es „chic“ eine Depression zu haben, oder seine Essstörung „Ana und Mia“ (Ana = Anorexia nervosa, Mia = Bulimia nervosa) zu nennen?

Ich kenne das Gefühl auch: man möchte gehört werden, man möchte Zuspruch, und ja, manchmal möchte ich Mitgefühl und einfach ein liebes Wort hören.

Aber ich bin noch so viel mehr als meine Erkrankung! Ich bin Ehefrau, Katzenmama, Blogger, Künstler, Klavierspieler,….und nicht nur „die Schizophrene“. Warum also das ständige fokussieren auf Dinge, die nicht gehen, anstatt sich darüber zu freuen, was noch immer geht? Einfach auch mal die positiven Dinge sehen, mögen sie noch so klein sein?

Ich möchte niemanden verurteilen, der so einen Social Media Account unterhält und eben solchen Konten folgt. Aber ich möchte nachdrücklich sagen, dass ich es nicht gutheiße, wenn man in so einen starken Vergleich gerät. Gerade bei Essstörungen und Selbstverletzung fällt mir das eben sehr stark auf.

Du darfst leiden, du darfst schreien und weinen und ja, manchmal ist das Leben verdammt unfair! Aber das Leben hat auch so schöne Seiten, warum dann nicht darüber freuen und lieber die schönen Momente feiern? Warum keinen Fokus auf die schönen Seiten?

Lieber schreibe ich über alle blöden, aber umso mehr über die schönen Dinge im Leben. Natürlich bin ich aber auch offen und teile auch die schwierigen Phasen. Was mir aber wichtig ist, dass Leben als Amplitude zu sehen: mit Auf und Abs, mit Schwankungen, mit wechselnden Stimmungen. Und diese Erfahrungen haben auch Menschen ohne psychische Krankheit.

Ich möchte mein Leben leben! Zwar mit ein paar Stolpersteinen auf meinem Weg, aber ich gehe immer weiter. Ich stolpere vielleicht, manchmal fehlt mir der Atem, aber ich bin immer in Bewegung. Ich vergesse nicht meine Vergangenheit und die Krisen, die ich durchlebt habe. Aber das ist vielleicht das Wichtigste: mit seinen Fehlern leben lernen, weitermachen, kämpfen, einfach nicht Aufgeben!

Auswertung der Umfrage

Wow! Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass so viele (in Zahlen: 18 Teilnehmer) meine Umfrage beantwortet haben. Ich danke jedem Einzelnen von euch!

Persönliche Daten

Die meisten meiner Leser sind zwischen 30 und 45 Jahre alt. Danach sind die 18 bis 30 Jährigen gleich stark wie die 45 bis 70 Jährigen. Ein Teilnehmer ist über 70 und kein Leser ist unter 18 Jahre alt.

Die Geschlechterverteilung ist sehr eindeutig! Über 70 % der Leser sind weiblich, nur 22% sind Männer und ein Teilnehmer ist non-binär.

Hier ist das Bild der Auswertung auch wieder sehr eindeutig. Der Großteil meiner Leser folgen weltkehrt seit 2019. Das war auch das Jahr, wo ich zum ersten Mal medial geworden bin (MDR Doku selbstbestimmt wurde zum Beispiel 2019 gedreht und im Fernsehen gezeigt). Natürlich gibt es auch mit knapp 17% Leser, die mir seit der Gründung des Blogs treu geblieben sind.

In der letzten Frage zu den persönlichen Daten habe ich gefragt, welche Verbindung die Teilnehmer zum Thema psychische Erkrankungen haben. Sehr interessant fand ich, dass mit knapp 44 % die Angehörigen überwiegen. Danach folgen die selbst Betroffenen mit sieben von 18 Teilnehmern. Gleich auf sind die Profis und die allgemein Interessierten. Auch ein Genesungsbegleiter hat abgestimmt. Außerdem gab es einen Leser, der über die Schule/Ausbildung mit dem Thema zu tun hat.

Fragen zur Präsenz und zum Design

Die zweite Kategorie beschäftigte sich mit dem Blog und dessen Designs. Ich wollte einfach nachfragen, ob man sich gut auf weltkehrt zurechtfindet und wie ansprechend das Äußere ist.

Hierüber bin ich sehr froh! Denn es gibt meiner Meinung nach nichts ärgerlicheres, als auf eine Website zu stoßen, die unübersichtlich ist und bei der man ein ein abgeschlossenes Informatikstudium braucht, um sich zurechtzufinden. Allein 15 von 18 Stimmen finden, dass man sich auf weltkehrt gut navigieren kann.

Bis auf einen Ausreißer, der den Blog eine 4 von 10 Punkten gegeben hat, fanden die restlichen 17 Teilnehmer meinen Blog optisch ansprechend.

Inhalte des Blogs

Der letzte Teil der Umfrage und mit Sicherheit der Wichtigste. Hier fand ich die Ehrlichkeit der Teilnehmer sehr wichtig und durch die Umfrage habe ich neue Impulse für Inhalte wie Blogbeiträge, Informationen und Hilfe erhalten. Hier noch eine kleine Information zu dieser Umfrage: hier konnte man mehrere Punkte ankreuzen, weswegen die Zahlen sich nicht auf die achtzehn Teilnehmer beziehen.

Da man das auf de Grafik etwas schlecht lesen kann, werde ich nachfolgend die Themen auflisten.
Zwölf Stimmen gingen an das Thema Alltagsbeschreibungen. Treue Blogleser werden merken, dass dieses Thema bisher am meisten Zuwendung gefunden hat.
Sieben Stimmen gingen an private Inhalte, die sich im Gegensatz zu den Alltagsbeschreibungen eher um Partnerschaft und Familie drehen.
Etwas weniger gefragt war das Thema Studium. Doch da das einen großen Teil meines Lebens ausmacht, werde ich dennoch weiterhin darüber berichten. Gerade weil ich gern aufzeigen möchte, das man mit Behinderung (und damit meine ich nicht unbedingt seelische Behinderungen) sein Studium und Arbeitsleben meistern kann.
Meine Arbeit als Genesungsbegleiterin und die Aufklärung an Schulen haben immerhin acht Stimmen erhalten. Das ist auch etwas, was mir sehr am Herzen liegt. Gerne werde ich meine ehrenamtliche Tätigkeit weiterhin mit meinen Lesern teilen.
Aber auch mein Mitwirken in Presse, Film und Fernsehen ist sehr gefragt. Hierzu möchte ich sagen, dass das nicht vollkommen in meiner Hand liegt, sondern abhängig davon ist, ob ich Anfragen dazu erhalte.
Weiterhin wichtig natürlich auch meine Informationen zu psychotischen Symptomen und Depression. Mit zwölf Stimmen wünschen sich die meisten Leser mehr Fakten zu Schizophrenie, immerhin jedoch auch sieben Stimmen für die Aufklärung von Depression.
Ein Teilnehmer spezifizierte noch ein wichtiges Thema: Die allumfassende Beschreibung, wie Schizophrenie sich auf das Leben auswirkt, die Stärke damit umzugehen. Ein guter Punkt! Das werde ich mit Sicherheit stärker ausbauen.

Die vorletzte Frage in meiner Umfrage. Hier habe ich wieder gute Ideen und Themen vorgeschlagen bekommen, die ich künftig weiter ausbauen und behandeln kann. Das deckt sich auch mit der letzten Frage.

In der letzten Frage wurden noch fünf weitere Themen vorgeschlagen, die vielleicht noch vertieft werden können.

Fazit

Ich fand es wirklich interessant, was meine kleine Umfrage hervorgebracht hat! Danke nochmals an jeden Einzelnen, der sich die Mühe gemacht hat.
Ich denke sowas werde ich jährlich durchführen, um weiterhin einen interessanten und besonders hilfreichen Blog zu führen. Es hat mir neue Impulse gegeben, wie ich euch lieben Lesern meine Welt zeigen kann.

Kleiner Spoiler: für meine lieben Leser wird es ein weihnachtliches Gewinnspiel geben! Mehr dazu in den nächsten Tagen!

Kalt erwischt – Part 2

Bereits die letzten ein, zwei Wochen ging es mir körperlich nicht gut. Als ich dann am Montag starke Schmerzen bekam, war mir klar, dass ich wohl oder über zum Hausarzt musste. Ich bin wirklich niemand, der wegen geringer Schmerzen sofort zum Arzt geht, aber ich habe mich wirklich gewunden. Auch ein Schmerzmedikament, Tee und Wärme halfen nicht. Da ich die Symptome nicht deuten konnte, habe ich natürlich gegoogelt. Wer mich etwas genauer kennt, weiß, dass ich ein ziemlicher Hypochonder sein kann. Ich malte mir also aus, welche schwere Krankheit ich haben könnte…
Am Dienstag waren die Schmerzen zwar schwächer, aber immer noch da. Also habe ich mich überwunden und bin zu meiner Hausärztin gefahren. Eine Stunde im Wartebereich später wurde ich auch untersucht. Da die Schmerzen im Unterleib lagen dachte ich erst, es sei etwas gynäkologisches. Ich musste beim Arzt eine Urinprobe abgeben und dort fanden wir die Ursache: eine ziemlich heftige Blasenentzündung! Damit hätte ich nicht gerechnet, da die Symptome nicht eineindeutig darauf zurückzuführen waren. Also bekam ich ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Das hätte so einfach laufen können! Aber in keiner Apotheke in der ich war, konnte das Antibiotikum geliefert werden. Deswegen bin ich dann am Mittwoch erneut zum Arzt und habe dann ein Medikament verschrieben bekommen, dass auch lieferbar war.
Dieses nehme ich nun ein paar Tage und hoffe, dass die Symptome schnell nachlassen.
Körperlich bin ich sehr schwach und müde. Auch das ständige auf Toilette gehen müssen, nervt, aber so ist das eben.

Aufgrund der Entzündung war ich diese Woche auch nicht in der Uni und habe mich geschont. Viel Tee getrunken, Wärmflasche auf den krampfigen Unterleib und allgemeines Ausruhen. Ein wenig besser geht es mir jetzt schon, aber ich werde auch das Wochenende ruhig angehen lassen. Immerhin geht es mir jedoch psychisch besser! Die Stimmungsschwankungen sind noch da, aber ansonsten habe ich gerade das Gefühl, als hätte ich den schlimmsten Teil hinter mir.