Andere Wege?

Innerhalb eines Monats zwei Medikamentenversuche: von Reagila auf Fluanxol. Wie es mir damit geht? Schwierig. Einerseits vertraue ich – NOCH – auf die antipsychotische Wirkung. Bin aber abgeschlagen, müde, unkonzentriert. Ob das Psychoseerlebnis ist oder Nebenwirkung: ich weiß es nicht.
Löwenherz kämpft gerade sehr für mich. Hat sich beim „Offenen Dialog“ Hilfe gesucht, mit dem Hintergedanken, irgendwann die Medikamente zu reduzieren – oder auf Null zu bringen.
Währenddessen kämpfe ich gegen visuelle Erscheinungen, Stimmen und Anspannung.
Ich hoffe einfach, dass es bald besser wird. Das die Sonne wieder scheint, ich Dinge genießen kann. Bis dahin, mal wieder, radikale Akzeptanz und Einatmen – Ausatmen.
Welchen Weg soll ich gehen?
Den der Schulmedizin – Medikamente?
Ohne Medikamente, mit therapeutischer Hilfe?
Oder doch etwas ganz anderes?

Ich gebe auf

Ich gebe auf: Reagila 1 : Anna 0. Seit letztem Montag nehme ich diese neue Antipsychotikum. Außer extremer Übelkeit auch keine antipsychotische oder auch antidepressive Wirkung. Ich konnte gar nicht essen und wenn, behielt ich es nicht im Magen. Also heute zu Frau Ärztin, die mir auch versicherte, SO solle das definitiv nicht laufen! Nun gebe ich also diesen Versuch auf. Und sage: Ciao, Reagila!
Dafür habe ich heute wieder ein neues Neuroleptikum verschrieben bekommen: das ziemlich alte Fluanxol. Erst einmal 5 mg zum Abend. Bitte, bitte, bitte, wirk, verdammt nochmal! Ich kann nicht mehr. Frau Therapeutin fragt nach stationärer Therapie, ich lehne jedoch ab.
Diese Psychose, diese Depression zwingt mich nicht in die Knie.
Ich bin stärker. Ich schaffe das.

Einzig-art-ICH: Meine Geschichte

Hey, ich bin Anna und bin 24 Jahre alt. Als meine Oma 2009 verstarb, fiel ich in eine tiefe #Trauer. Dann begann das #Mobbing: erst wurde ich ignoriert, dann beleidigt, mir wurde physische Gewalt angedroht, mir wurde gesagt, ich solle mich umbringen.

Ich war 13 Jahre alt und begann mich s#elbstzuverletzen. Meine Stimmung wurde #depressiv und nach den Sommerferien zu Beginn der neunten Klasse hatte ich einen #Suizidversuch. Meine Mutter brachte mich in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der ich ein halbes Jahr war. Im Zuge dessen wechselte ich auf eine andere Schule. Dort wurde ich gut empfangen und fand Freunde.

Als ich 16 Jahre alt wurde, kamen neue Symptome hinzu. Ich war gerade in meinem Elternhaus und putzte das Bad, als ich meinen Namen rufen hörte – jedoch war niemand da. Und in der Schule traten #Wahngedanken auf: ich vermutete, dass meine beste Schulfreundin mich töten will! Das waren die ersten Symptome der Erkrankung, die heute mein Leben bestimmt: #paranoideSchizophrenie.

Ich machte 2014 mein Abitur und zog in eine neue Stadt, wo ich studieren wollte. Nach dem Umzug entwickelte sich eine schwerwiegende #Psychose und schwere #Depressionen. Der Sozialpsychiatrische Dienst wies mich dann aufgrund der Symptome auf die geschlossene Station ein.

Ich brach das Studium ab, begann eine Ausbildung die ich ebenfalls abbrechen musste. Ein Bundesfreiwilligendienst folgte – jedoch hatte ich wieder ein Schub. Die Agentur für Arbeit sagte mir, ich werde nie arbeiten gehen können und solle in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Doch ich ging meinen eigenen Weg. Ich begann im Oktober 2020 die Qualifizierung zum EX IN Genesungsbegleiter und arbeite seit Anfang 2021 in einem psychosozialen Verein als Betreuungskraft mit Erfahrungsexpertise.

Ich muss immer aufpassen, dass ich mich weder unter- noch überfordere. Bisher war ich knapp 14 Mal in Kliniken, nehme viele Medikamente und bin wöchentlich in Therapie. Ich gehe meinen eigenen, ganz individuellen Weg, womit es mir besser geht. Über mein Leben schreibe ich seit 2015 Blog unter www.weltkehrt.de.

Link zu der Homepage von einzig-art-ICH: https://einzig-art-ich.org

Es wird besser

Gestern hatte ich es doch tatsächlich zur Arbeit geschafft. Wir hatten im Team Arbeitsbesprechung, ich bin jedoch aufgrund der Nebenwirkungen des Reagila schon etwas zeitiger – das heißt, nach immerhin drei Stunden! – nach Hause gegangen. Nachmittags kam André aus der Studienstadt wieder und ich habe etwas Essen können, Reis mit Gemüse. Ich musste zum Glück nicht erbrechen.
Telefoniert habe ich dann mit Frau Ärztin, die meinte, wenn ich es schaffe, solle ich diese Einstellung durchstehen. Wir haben sogar die Dosis verdoppelt, um die antidepressive und antipsychotische Wirkung zu verstärken.
Außerdem habe ich erst mal zwei Wochen eine Krankschreibung – ich muss erstmal aus der Krise kommen. Dazu nehme ich Bedarf – Tavor – da es mir eben wirklich schlecht geht.
Mein Ziel? Ambulant diese Zeit meistern! Ich möchte auf keinen Fall stationär und versuche alles, um es zu Hause zu schaffen. Dazu zählen: schöne, entspannende Dinge wie zeichnen, zurückfahren, gesund Leben (zB moderate Bewegung, gesundes Essen) und an mir arbeiten.
Ich hatte schon so viele Krisen und ich habe sie alle durchgestanden. Das zeigt mir, dass ich mehr Kraft habe, als ich denke.
Das Blog schreiben tut mir gut – das habt ihr bestimmt schon gemerkt – da ich aktuell wieder viel mehr blogge als die letzten 1-2 Jahre.
Deswegen lasse ich euch gerne an meinem Leben teilhaben.
Bald kommen auch längst überflüssige Rezensionen, also, seid bereit …

Anders als erwartet

Da sind sie wieder: die Nebenwirkungen. Ich nehme seit gestern zum Morgen eine Tablette Reagila, 1,5 mg, die Einstiedsdosis. Und es geht mir so schlecht. Angefangen mit Unruhe, Angstzuständen und dann mit Magen-Darm-Problemen. Ich saß auf Toilette und musste gleichzeitig einen Eimer in den Händen haben, da ich sowohl Durchfall als auch schwere Übelkeit mit Erbrechen habe. Seit dem bekomme ich nichts herunter und trinke nur Wasser, weil mir von allen anderen Sachen (Kaffee, Saft, Milch) noch übler wird.
Deswegen habe ich mich in der PIA gemeldet und der Vertretungsarzt von meiner Frau Ärztin, meinte das das am Anfang vielen so geht. Das tröstet mich nicht, da meine Symptome gerade wirklich nervig sind, aber zumindest ist es nicht schlimm oder in irgendeiner Art und Weise unüblich oder gefährlich.
Da heißt es nur: Aussitzen.
Die Arbeit musste ich heute absagen, ich hätte es nicht zur Bahnhaltestelle geschafft.
Drückt mir die Daumen, dass es bald wieder besser wird.
Ich habe hohe Erwartungen an die neue Medikation. Vielleicht manövriert mich das aus der beginnenden Psychose.

Pharmakologische Herausforderung

Es geht mir nicht gut. Wirklich nicht. Ich bin 24/7 am Kämpfen, versuche Ängste wie einen Kloß im Hals herunterzuschlucken. Bin angespannt, nervös, verängstigt. Aber es muss weiter gehen. Klinik ist aktuell keine Option. Deswegen hat Frau Therapeutin veranlasst, dass ich zeitnah zu Frau Ärztin kann – wo ich dann Freitagmorgen auch war.
Es gibt etwas Neues an der Pharma-Front: Reagila. Ein sehr neues, vielversprechend klingendes Antipsychotikum mit gutem Wirkprofil und verhältnismäßig geringen Nebenwirkungen. Seit gestern nehme ich die kleine weiße Pille und hoffe, dass sich bald erste Verbesserungen dazu einstellen. Erst einmal 1,5 mg – kann aber bis 6 mg dosiert werden. Ich bin gespannt. Was macht dieses neue kleine Wunder? Hoffentlich die Ängste, das Misstrauen und die Negativsymptomatik eingrenzen. Den Stimmen einen Dämpfer verpassen und endlich aus der Talfahrt kommen.
Zu meinem bisherigen Verlauf sagte Frau Ärztin dann: Sie sind eine Herausforderung. Von A wie Abilify bis Z wie Ziprasidon hab ich schon viel durch. Immer wieder bremsen mich jedoch Nebenwirkungen. Das Amilsuprid, welches ich kürzlich abgesetzt habe, half gut. Nur hatte ich dadurch einen massiv erhöhten Prolaktinwert und damit: unregelmäßiger Zyklus und – was noch bedeutend schlimmer ist – Milchfluß. Ich habe mich damit so eklig gefühlt, dass es keine Option war, dieses Medikament weiterhin zu nehmen.
Nun also Versuch die hunderttausendste….hoffen wir, dass das Reagila mich aus dieser Krise führt. Wünscht mir Glück.

Artikel: Interview mit Anna Kunze über Schizophrenie

Mobbing, Depressionen, Schizophrenie und zwei Suizidversuche: Mit Mitte 20 hat Anna Kunze schon viel erlebt. Heute klärt die junge Frau andere über ihre Erkrankung auf. Ihr Ziel: Sie will die öffentliche Stimme der Schizophrenen werden.

Am Freitag wurde ein Beitrag auf Brigitte.de von mir veröffentlicht!
Schaut doch mal rein und schreibt mir eure Meinung.

Brigitte.de – Schizophrenie ist eine seelische Behinderung

Der Link: https://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/anna-kunze—schizophrenie-ist-eine-seelische-behinderung–12521912.html

Einatmen. Ausatmen.

In letzter Zeit versuche ich oft, bewusster zu atmen. Langes, tiefes Einatmen – halten – noch länger Ausatmen. Sich fokussieren, den Blick nach Innen wenden. Die Gedanken ziehen lassen, wie ein Blatt, welches der Strom eines Baches davonträgt.
Gerade passiert so unheimlich viel!
Einerseits freue ich mich: ich bekomme Chancen, meine Geschichte zu erzählen, einem Publikum einen Teil meines Lebens zu zeigen. Meine Stimme wird gehört, ich darf meine Standpunkte darlegen.
Andererseits…ist mir gerade vieles einfach „zu viel“. Ich schaffe – irgendwie – meine Termine, muss aber feststellen, dass ich total ausgebrannt bin. Die Arbeit macht mir Spaß, die Interviews, der Kontakt mit Anderen erfüllt mich. Aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden und ich eben eine sehr hohe Vulnerabilität. Ich bin schneller erschöpft als Andere, bin viel sensibler mit den Reizen in meiner Umgebung.
Frau Therapeutin rät mir immer wieder: bewusste Pausen – einatmen, ausatmen – und aufpassen, dass die Psychose nicht hinter meinem Rücken lauert.
Da sind sie wieder. Die Geräusche, die nicht da sind, die Stimmen, die keiner spricht. Die Ängste – warum knackt es, ist meine Wohnung verwanzt – und die aufsteigenden Zweifel.
Es ist ein Drahtseilakt. Ich balanciere auf einem dünnen Seil, versuche weder nach links, noch nach rechts, oder sogar nach hinten umzufallen. Balance – einatmen, ausatmen – den Fokus nicht verlieren. Volle Konzentration auf jeden meiner Schritte.
Nun ist auch André oft in Studienstadt, ich alleine – naja, nicht ganz allein: Nathan ist bei mir.
Aber es ist nicht einfach, ohne ihn.
Doch ich weiß: bessere Zeiten kommen wieder. Ich habe schon so, so, so viele schwere Zeiten gehabt. Und ich habe sie alle gemeistert! Mit meiner Ärztin, Frau Therapeutin an meiner Seite, den Menschen, die ich liebe und denen ich vertraue.
Es wird wieder werden. Nun erblüht und grünt alles, es ist Frühling. Ich habe Wünsche, Träume, Pläne für die nächsten Wochen und Monate.
Und in mir ist auch die Kraft, diese Zeit zu überstehen.
Ich denke immer daran…Einatmen, Ausatmen. Weiter machen. Es wird auch wieder besser werden. Davon bin ich überzeugt.

Zwischenbericht

Es ist schon wieder einige Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen. Geändert hat sich nicht viel. Ich bin für meine Verhältnisse gut drauf, kaum psychotische Symptome und ein guter Antrieb. Meine Termine erledige ich, nebenbei noch 2-3 mal die Woche Sport und ab und an Hobbies wie zeichnen und Freunde treffen. Auch habe ich mittlerweile öfters Interviews für Studienarbeiten, wo ich Studenten, Schülern etc. etwas über mich und meine Erkrankung erzähle.
Therapie findet seit zwei Wochen wieder „live“ statt, dass heißt ich bin normal zu meinen Terminen in der PIA.
Bald geht auch die EX IN Ausbildung los, worauf ich mich sehr freue. Ende August ist es endlich soweit.
Ansonsten gehe ich meinem Alltag so gut es geht nach. Heute ist ein ruhiger Tag, morgen habe ich metakognitives Training und abends Krav Maga. Es tut mir gut; es macht mir Spaß. Das ist das wichtigste!

Der Genuss von Ruhe

Eigentlich ist das Frühjahr, genauer gesagt der Zeitraum um Ostern, eine kritische Phase bei mir. Ich weiß bis heute nicht warum, aber in dieser Zeit geht es mir statistisch gesehen oft psychisch schlecht.
Dieses Jahr ist dem – gottseidank – nicht so. Mir geht es gut. Wirklich.
Und das heißt: keine (!) Stimmen seid Tagen. Gute Stimmung. Antrieb. Freude. Innere Ruhe.
Es fühlt sich alles einfach gut an.
Am Dienstag hatte ich Besuch von Mufasa und Löwenherz, gestern war ich mit meiner Betreuerin in der Dresdner Heide spazieren, heute habe ich den Tag wirklich entspannt verbracht.
Die Telefonate zu meiner PIA-Therapeutin könnten auch besser nicht sein. Sie freut sich natürlich ebenso für mich und diese Phase. Ich hoffe ich kann nach der Krise im Winter nun wieder etwas Kraft tanken. Und ich schöpfe wirklich viel Energie daraus.
Ich weiß, es werden auch wieder andere Zeiten geben. Aber so lange genieße ich den Sonnenschein, das Singen der Vögel, die frische Frühjahrsluft.
Trotz Corona und der Einschränkungen habe ich weniger Stress, ja. Ich bin ein Mensch, der durch die Krise eher gewonnen als verloren hat. Dabei möchte ich das Ganze nicht Verharmlosen, es ist nur meine persönliche Situation.
Kämpfen werde ich weiterhin müssen. Aber solange dem noch nicht so ist, entspanne ich mich einfach und stabilisiere mich.