Sätze, die du Schizophrenen sagen darfst

Dieser Artikel ist inspiriert von der lieben Nora Fieling – mit dem Beitrag: Sätze, die du Depressiven sagen darfst. Heute das Pendant zur Schizophrenie.

Auch habe ich bereits einen Aritkel geschrieben, der das genaue Gegenteil ist: Dinge die man Schizophrenen nicht sagen sollte.

  • Ich glaube dir.
    • …dass du Dinge hörst
    • …dass du denkst, alle sind gegen dich
  • Du hast Recht
  • Ich verstehe deine Sorgen, dein Misstrauen
    • …sie sind für dich real, das ist okay
  • Du bist gut so, wie du bist
  • Dir geht es gerade nicht gut, aber das ist in Ordnung
  • Ich helfe dir
    • …beim Einkauf
    • …bei Arztbesuchen
  • Ich bin an deiner Seite
  • Schizophrenie lässt sich behandeln. Ich unterstütze dich dabei.
  • Deine Gefühle sind mir wichtig.
  • Ich begleite dich auf deinem Weg!
  • Ich kann verstehen, dass deine Medikamente Nebenwirkungen haben.
  • Ich weiß, du kannst nichts dafür…
    • …dass du keine Ordnung halten kannst
    • …dass du manchmal patzig bist
    • …dass dir alles schwer fällt
  • Ich mag deine Offenheit, deine Aufmerksamkeit und deine klugen Gedanken
  • Ich bin froh, dich zu haben.
  • Deine Gedanken und Gefühle sind mir wichtig
  • Auch wenn ich deine Befürchtungen nicht nachvollziehen kann, nehme ich dich ernst
  • Darf ich bei dir sein? Darf ich dich umarmen?
  • von Viola: Was könnten wir gemeinsam tun (in diesem Augenblick), um dich von deinen Ängsten abzulenken?
  • von Viola: Was würde Dir jetzt gut tun, in diesem Moment, in dem du dich so fürchtest?

Wer noch weitere, schöne Sätze kennt, schreibt es in die Kommentare!

Krisen meistern

Es war dann doch alles zu viel. Wie eine Lawine kamen die Ereignisse auf mich zu. Führerschein, Dreharbeiten, Ausstellung, Antrag ambulant betreutes Wohnen.

Die Dreharbeiten mit dem MDR sind mit der Eröffnung meiner Ausstellung “Meine Metamorphose” abgedreht. Ich bin sehr froh über die Erfahrungen mit dem Fernsehen. Ich weiß nun was der Unterschied zwischen O- und Off-Ton ist, wie viel Filmmaterial man für eine halbe Stunde Sendungszeit benötigt und wie Bilder kreiert werden.

Weiterhin bin ich natürlich froh über meine zweite eigene Ausstellung. Vor allem das ich tatsächlich ein Bild verkaufen konnte, freut mich sehr! Auch die vielen lieben Worte und Kontakte, die sich dadurch ergeben haben, freue mich sehr.

Leider wurde das ambulant betreute Wohnen abgelehnt. Jetzt heißt es, eine andere Lösung für mich zu finden. Der Herbst, und damit Andrés Studium, rückt Schritt für Schritt näher. Ich brauche Unterstützung. Schade das ich so darum kämpfen muss!

Das alles führte dazu, dass ich wieder in eine schwere Krise gestürzt bin. Gottseidank hatte ich die Möglichkeit ambulant alle Ressourcen ausschöpfen zu können. Das bedeutete, dass ich jeden Tag einen Kontakt in der PIA hatte – bei meiner Ärztin und Therapeutin. Ich habe kurzfristig eine erhöhte Clozapindosis und nehme unterstützend Tavor, bis die Krise gemeistert ist. Ich wollte unbedingt einen Klinikaufenthalt vermeiden und ich habe dies auch bisher geschafft. Gerade durch starke Selbstverletzungs- und Suizidgedanken war eine engmaschige Betreuung notwendig.
Auch die unliebsame Psychose schlich sich wieder in mein Leben.
Eva sagte, ich sollte mich ritzen, Demian schrie um Hilfe. Jedes Geräusch verursachte ein Gedankenkarussel aus Ängsten und Misstrauen. Überall redete man von mir, ich wurde überwacht und ausspioniert.
Zum Glück geht es mir jetzt besser. Dafür danke ich allen, vor allem André und meinem Löwenherz, sowie meiner besten Freundin. Danke.

Rezension: Die unheimliche Magie der Psychose

Ich habe das große Glück, das Buch von Vera Maria zu rezensieren. Die Autorin schickte mir ein Exemplar ihres ersten Buches zu und ich habe es mit Interesse gelesen.

Die 26 jährige hat nicht nur ein Drogenvergangenheit, sie leidet auch unter Ängsten, Zwängen und einer schizoaffektiven Störung.

Mich hat das Buch sehr angeregt, selbst etwas über meine Geschichte zu schreiben – dank dafür, liebe Vera!

Vera Maria ist für mich eine Kämpferin. Sie überlebte vier schwere Suizidversuche, lernte mit ihren Zwängen umzugehen und wie sie selbst schreibt, wie ein Phönix aus der Asche aufzustehen.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen und die Struktur der Kapitel und der Aufbau des Buches sind sehr spannend gestaltet. Vera Maria nutzt ihre eigenen Erfahrungen um ein Krankheitsbild zu erklären, welches viele nicht kennen oder falsche Vorstellungen haben.

Interessant fand ich, dass ihre Gründe der Gesundung meinen sehr ähnelt: Freunde, Liebe und Spiritualität. Auch ähneln sich unsere Erfahrungen während der Psychose.

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der psychische Erkrankungen verstehen lernen möchte.

Mit großem Interesse sah ich auch ihre Website an – Vera Maria auf jimdo – auf der auch einige künstlerische Werke und Gedichte zu finden sind.

Liebe Vera, danke für das Exemplar. Ich konnte trotz meiner eigenen Erfahrung noch viel lernen, gerade über Zwangserkrankungen.

Ich wünsche dir alles Gute! Danke auch für die Inspiration, meine Geschichte auf Papier zu bringen.

Amazon Link zum Buch

Die Ausstellung

Am Dienstag war es soweit. Wir fuhren nach Goyatz, an den Schwielochsee. Eine Woche zuvor hatten wir die Bilder im Ärztehaus aufgehängt, die Bilder gerahmt und gesäubert. Jetzt aber kam der Moment, auf den ich Monate hingearbeitet hatte.

Es waren schon einige ältere Leute da, als wir eintrafen. Das Kamerateam vom MDR und ich trafen Peter Löwe, der die Ausstellungen organisiert, sowie den Arzt, der die Galerie fördert. Ich war ziemlich aufgeregt, aber das sollte bald verfliegen.

Meine Eltern, meine ehemalige Kunsttherapeutin und viele weitere Gäste kamen. Ich stellte mich kurz vor und dann begann ein kleines Interview. Die Fragen waren allesamt gut durchdacht und ich konnte ehrlich antworten. Aus dem Publikum, welches größer war als ich je gehofft hatte, kamen ebenfalls Fragen. Vor allem zu meinem Schaffensprozess, meiner Erkrankung und über mein Leben.

Nach dem Interview hatten die Gäste die Möglichkeit, sich alle Bilder genauer anzusehen. Ein Bild, die “Provokation” kam bei einer Frau so gut an, dass sie es mir gleich abkaufte. Mein erstes verkauftes Bild! Ich war überglücklich, damit hätte ich nie gerechnet.

Während der Ausstellung kamen viele Besucher noch einmal privat auf mich zu. Viele kannten Angehörige oder Freunde mit Schizophrenie, und erzählten mir, wie diese mit ihrer Erkrankung umgehen. Das war auch sehr spannend für mich. Andere empfahlen mir andere Ausstellungsorte, Kunstkurse oder Techniken, wie die Enkaustiktechnik mit Wachs.

Am Ende des Tages war ich überglücklich. Ich hatte viel positives Feedback bekommen, mein erstes Bild verkauft und hatte den letzten Drehtag mit dem MDR.

Es war eine aufregende Zeit…
Die Bilder hängen noch bis zum 2. August in der kleinen Galerie Goyatz.

Lausitzer Rundschau

Schläge und Schweiß

Seit letzter Woche mache ich Krav Maga. Das Studio ist 10 Minuten Laufweg von mir entfernt. Ich hatte ziemlich Angst beim ersten Mal. Was erwartet mich? Bin ich die einzige Frau? Schaffe ich die Ausdauer und die Anstrengung?

Krav Maga ist ein modernes, eklektisches israelisches Selbstverteidigungssystem, das bevorzugt Schlag- und Tritttechniken nutzt, aber auch GrifftechnikenHebel und Bodenkampf beinhaltet.

Wikipedia

Am Freitag war ich dann das zweite Mal, ich habe mich schon etwas sicherer gefühlt. Gegen große Männer zu kämpfen war aufregend und hat mir gezeigt, dass man es schaffen kann sich dem Griff zu entziehen. Wir haben geübt aus dem Schwitzkasten zu kommen – und mit ein paar gezielten Tritten funktionierte es.

Ich werde definitiv regelmäßig gehen, weil es mir wirklich Spaß macht, auch wenn ich noch total untrainiert bin.

Kamera läuft! #2

Am Freitag hieß es wieder: Dreharbeiten.

Das es so anstrengend wird, hätte ich nicht gedacht. Wir starteten gegen 9 Uhr und erreichten nach der Fahrt das kleine Dorf, aus dem ich komme. Dort warteten wir auf Kamera und Ton. Danach ging es hinter unser Haus in den Wald, indem ich als Kind viele Stunden spielte. Vor allem bauten meine Schwester und ich ausgeklügelte Hindernisse, die wir als Pferde übersprungen. Ich strich mit meinen Händen durch die hohen Gräser und ließ die Zeit Revue passieren.

Anschließend ging es auf den Friedhof in Zwickau, in dem meine 2009 verstorbene Großmutter liegt. Ich legte eine rot-orange gescheckte Rose an das Gemeinschaftsgrab, indem ihre Urne liegt.

Das war der zweite Sprung in die Vergangenheit. Nun kam für mich der schwierigste Part: Die Fahrt zur Jugendpsychiatrie, welche 2010 meine erste Klinik war. Vor dem weitläufigen Park, in dem ich damals viel spazierte und spielte, führten wir ein Interview über die Zeit dort. Mir wurde mulmig. Aber auch das schaffte ich (irgendwie).

Die Reise führte weiter nach Planitz, wo mein Gymnasium lag. Trotz zahlreicher Unterbrechungen (Autos und die Kirchenglocke) wurde ich auch vor den Toren des zur Schule umgebauten Schlosses interviewt.

Danach waren wir fertig – im wahrsten Sinne des Wortes. Es war extrem warm und schwül, ich schwitzte und hatte Kopfschmerzen. Aber ich habe diesen Trip in mein altes Leben geschafft und bin schon ein wenig stolz auf mich.

Der nächste Termin mit Kamera läuft während dem Schulprojekt “Verrückt, na und!”.

Depression – Vorurteile und Wahrheit

Depression bedeutet traurig sein

FALSCH! Trauer ist einer Depression sehr ähnlich. Sie allerdings ist eine natürliche Reaktion auf Umstände, wie der Tod eines Angehörigen. Viele Depressive fühlen aber oft “gar nichts”, die sogenannte Gefühlslosigkeit. Trauer kommt oft in Wellen, aber sie verschwindet meist von alleine, wohingegen eine Depression ohne Behandlung eher schlimmer als besser wird. Aber eine Trauerreaktion kann sich auch zu einer Depression entwickeln, wenn Hinterbliebene den Tod oä. nicht verkraften.

Jede Depression hat einen Grund

FALSCH! Es gibt sog. Faktoren, die eine Depression begünstigen. Vererbung, psychosoziale Gründe, Auslöser wie Traumata und neurobiologische Aspekte können eine Depression auslösen. Aber anders als bei somatischen Erkrankungen gibt es nicht den Grund. Diese Faktoren ergänzen sich und führen dann zum Ausbruch der Erkrankung.

Jeder kann eine Depression bekommen

WAHR! Kein Mensch ist vor psychischen Erkrankungen gefeit. Auch eine Depression kann jeder bekommen. Eine schöne Kindheit, guter Verdienst und optimale Lebensverhältnisse schützen nicht davor. Jeden kann es treffen!

Depression ist reine Kopfsache

FALSCH! Auch wenn Grübelgedanken, Minderwertigkeitsgefühle und Pessimismus im Kopf  stattfinden, hat eine Depression auch körperliche Anzeichen. Dazu zählen: Schlafstörungen, Libidoverlust, Appetitlosigkeit, Verstopfung, unerklärliche Schmerzen und ein geschwächtes Immunsystem.

Depressionen sind eine Krankheit des 21. Jahrhunderts

FALSCH! Die Melancholie war schon Teil der “4 Säftelehre”, welche in der Antike und im Mittelalter Erklärung von Krankheiten war. Man sieht daher, dass Depressivität schon lange Teil der Medizin war.

Antidepressiva können bei der Heilung von Depressionen helfen

WAHR!

Depressionen äußern sich bei Männern oft anders

WAHR!

Ein Kapitel ist abgeschlossen

Wie lange habe ich auf diesen Tag gewartet! Der geneigte Leser weiß von meinem Kampf mit dem Führerschein. Heute habe ich im ersten Anlauf die praktische Prüfung bestanden. Der Prüfer war sehr nett (und kulant), denn das rückwärts einparken lief weniger gut. Aber ich habe bestanden und das ist alles was zählt! Da André letzte Woche ein Auto bekommen hat, kann ich auch weiterhin üben und bin nun flexibel.

Ich bin gerade so froh: mir fällt ein Stein vom Herzen!

Um 4 Uhr 48 ist alles gesagt

So heißt es in Sarah Kanes “4.48 Psychose”: es ist die Zeit, in der die Figur des Theaterstückes oft erwacht und einen Moment größter Klarheit erlebt.

Die Oper von Komponist Philip Venables durfte ich dreimal sehen, während der Generalprobe und zwei Aufführungen. Im Anschluss an diese hatte ich die Möglichkeit als Betroffene in einem Nachgespräch den Zuschauern Rede und Antwort zu stehen.

Das Stück von Sarah Kane hat mich tief beeindruckt, was auch an dem Zusammenspiel des Orchesters und der sechs Darstellerinnen lag. Die Musik, oft unerträglich laut und disharmonisch, die dann wieder durch Fahrstuhl-Musik wechselte, schuf eine zerrissene, surreale Atmosphäre. Dialogische Szenen, in denen eine Arzt-Patienten Gespräch erzählt wurde, wurden durch Perkussionisten untermalt, auf jede Silbe ein Schlag. Einmal schreien die Darstellerinnen, singen ein Klagelied oder flüstern nur.

Die Themen: Selbstverletzung, Zwangsbehandlung, Depression, Psychose und letztendlich: Suizid – den auch Sarah Kane wählte.

Meine Eindrücke waren bei jeder Aufführung etwas anders. Viele Kleinigkeiten realisierte ich erst beim zweiten oder dritten Mal. Das Stück schwankt zwischen tiefer Trauer, Wut, und eigensinnigem Humor. Zum Glück bin ich derzeit recht stabil – das Stück kann durchaus triggern, vor allem durch die schonungslosen Worte.

Im Nachgespräch kamen viele Fragen, zum Leben mit Psychose, wie man es schafft Krisen zu überwinden, aber auch Fragen an die Schauspielerinnen.

Froh bin ich, dass wir als Betroffene die Möglichkeit hatten, unsere Ansichten und Meinungen über die Oper zu erzählen. Denn letztendlich können wir diese Zustände am besten nachempfinden.

Wer das Stück sehen möchte, kann sich auf der Seite der Semperoper informieren und Karten vorbestellen. Die Aufführungen werden erst im September weitergeführt.

Link zur Semperoper: https://www.semperoper.de/spielplan/stuecke/stid/psychose/61265.html#a_26959