Einatmen. Ausatmen.

In letzter Zeit versuche ich oft, bewusster zu atmen. Langes, tiefes Einatmen – halten – noch länger Ausatmen. Sich fokussieren, den Blick nach Innen wenden. Die Gedanken ziehen lassen, wie ein Blatt, welches der Strom eines Baches davonträgt.
Gerade passiert so unheimlich viel!
Einerseits freue ich mich: ich bekomme Chancen, meine Geschichte zu erzählen, einem Publikum einen Teil meines Lebens zu zeigen. Meine Stimme wird gehört, ich darf meine Standpunkte darlegen.
Andererseits…ist mir gerade vieles einfach „zu viel“. Ich schaffe – irgendwie – meine Termine, muss aber feststellen, dass ich total ausgebrannt bin. Die Arbeit macht mir Spaß, die Interviews, der Kontakt mit Anderen erfüllt mich. Aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden und ich eben eine sehr hohe Vulnerabilität. Ich bin schneller erschöpft als Andere, bin viel sensibler mit den Reizen in meiner Umgebung.
Frau Therapeutin rät mir immer wieder: bewusste Pausen – einatmen, ausatmen – und aufpassen, dass die Psychose nicht hinter meinem Rücken lauert.
Da sind sie wieder. Die Geräusche, die nicht da sind, die Stimmen, die keiner spricht. Die Ängste – warum knackt es, ist meine Wohnung verwanzt – und die aufsteigenden Zweifel.
Es ist ein Drahtseilakt. Ich balanciere auf einem dünnen Seil, versuche weder nach links, noch nach rechts, oder sogar nach hinten umzufallen. Balance – einatmen, ausatmen – den Fokus nicht verlieren. Volle Konzentration auf jeden meiner Schritte.
Nun ist auch André oft in Studienstadt, ich alleine – naja, nicht ganz allein: Nathan ist bei mir.
Aber es ist nicht einfach, ohne ihn.
Doch ich weiß: bessere Zeiten kommen wieder. Ich habe schon so, so, so viele schwere Zeiten gehabt. Und ich habe sie alle gemeistert! Mit meiner Ärztin, Frau Therapeutin an meiner Seite, den Menschen, die ich liebe und denen ich vertraue.
Es wird wieder werden. Nun erblüht und grünt alles, es ist Frühling. Ich habe Wünsche, Träume, Pläne für die nächsten Wochen und Monate.
Und in mir ist auch die Kraft, diese Zeit zu überstehen.
Ich denke immer daran…Einatmen, Ausatmen. Weiter machen. Es wird auch wieder besser werden. Davon bin ich überzeugt.

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