Ablenkung und Origami

Ich gebe zu, ich hatte eine negative Einstellung gegenüber der Psychologin auf Station. In der ersten Sitzung hatte ich kaum Wille, mitzuarbeiten und habe mir keine Mühe gegeben, zu erklären, wie es mir geht. Verhaltensanalysen waren ein rotes Tuch für mich und ich weigerte mich, jedes Mal eine auszufüllen, wenn ich mich selbstverletzte. Was in letzter Zeit ziemlich oft vorkam. Gestern musste ich wieder eine schreiben, aber ich tat es eher für den Pfleger, der mich gestern nett versorgte als für die Psychologin. Heute hatte ich ein Gespräch mit ihr. Und es lief wider Erwarten echt gut. Wir haben richtig gut miteinander geredet und nicht gegeneinander, sie hat gute Vorschläge für Alternativen genannt, sie reagierte gut auf meine Anspannung, die ich mit ins Gespräch gebracht habe…es war ein echt gutes Gespräch, das muss ich sagen. Wir haben sogar jeder so viel Vertrauen gezeigt, wie möglich. Ich soll in mein Tagebuch schreiben, was ich alles schaffe (und nicht, was ich nicht kann, was ich nicht schaffe) und es nächste Woche zeigen. Damit habe ich sogar kein Problem, auch wenn das Tagebuch etwas sehr intimes ist. Aber ich bin gewillt, das zu machen.
Zum skillen und ablenken hat sie mir ihr Origami-Buch mit einigen Blättern ausgeliehen. Ich kann nicht falten. Meine erste 5 in der Schule hatte ich in der 3. Klasse Werken-Unterricht, weil ich kein Schiffchen falten konnte. Meine Aversion wurde aber besiegt… seht selbst.
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(Zu sehen ist ein Becher und eine Zikade)
Damit war dann das Eis gebrochen.
Gestern, als der Dienstarzt noch mal auf die Wunden geschaut hat, bevor diese mit Steristrips geklammert wurden, meinte die Ärztin, dass das Suizid auf Raten sei. Das hat gesessen. Mir war es ungeheuer peinlich, versorgt zu werden. Ich weiß nicht mal genau, weswegen. Ich mache das sonst immer selbst. Aber diesmal wurden die frischen Wunden entdeckt, weswegen ein Pfleger sich gleich drum gekümmert hat. Seinetwegen habe ich gestern auch endgültig meine Klinge abgegeben…es war ein wichtiger, aber dennoch schwerer Schritt.

2 Antworten auf „Ablenkung und Origami“

  1. Origami kann manchmal sehr gut ablenken. Ich schaue mir öfters Videos dazu auf Youtube an und falte dann nach.
    Und den Schritt mit der Klinge abgeben ist ein sehr großes – kannst stolz auf dich sein 😉

  2. Ich bewundere Menschen, die genug Geduld für Origami aufbringen können! Deine ersten Versuche sehen toll aus!
    Dass du deine Klinge abgegeben hast ist ein großer Schritt, auf den du wirklich stolz sein kannst! Weiter so! 🙂

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