Im Trend: Fidget Spinner

Es kommt ja nicht oft dazu, das ich etwas über Trends berichte. Einfach, weil das meiste nicht mit dem Thema meines Blogs korreliert. Nun hat aber ein Spielzeug einen Trend hervorgerufen, welches mit psychischen Störungen wirbt. Die Rede ist vom sogenannten Fidget Spinner. Das ist ein Spielzeug, welches sich durch ein Kugellager dreht und zwischen den Fingern gedreht, geschwenkt und geworfen wird. Dabei behaupten die Hersteller, dass der Fidget spinner gegen Nervosität bei ADHS und Autismus helfen kann. Über die Wirksamkeit bei beiden Erkrankungen kann ich nur mutmaßen, da ich keinen Betroffenen kenne, der mir das bestätigen kann und ich selbst nicht betroffen bin. 

Allerdings kenne ich mich mit Nervosität und Angst gut aus. Bei mir äußert sich das vor allem als selbst verletzendes Verhalten an den Fingern. Sogenannte Dermatillomanie, das aufkratzen von der Haut an den Nägeln und kleinen Wunden, ausserdem das abreißen der Nägel bis es blutet und einwächst. 

Den Fidget spinner habe ich dagegen in der Klinik bei einer Mitpatientin, die Borderline hat, kennen gelernt. Sie nutzte den Fidget spinner als Skill gegen hohe Anspannung. Ich war von Anfang an begeistert und habe darauf hin einen günstigen auf Amazon gekauft – für gerade mal 3€. 

Ich selbst nutze das Teilchen seit knapp 2 Monaten. Und mittlerweile nehme ich es automatisch aus meiner Tasche um damit zu spielen wenn ich merke, daß ich nervös werde. Ergebnis : keine neuen Verletzungen an den Fingern, weniger Nagelschäden und verbesserte Selbstbeobachtung. 
Es gibt noch keine Studien zu dem Thema, aber ich denke der Wirkbereich des fidget spinner ist viel größer als vermutet. 

Ich mutmaße, das das Spielzeug helfen kann bei… 

  • Hoher Anspannung (zum Beispiel bei emotional – instabiler PS)
  • Selbstverletzenden Verhalten, vor allem dem kratzen an den Fingern
  • Angst und Panikzuständen
  • Konzentrationsproblemen

Ich kann jedem nur empfehlen, es mal auszuprobieren. Auf Amazon gibt es die Fidget spinner bereits für 2-3€, im Spielzeugladen sind sie bedeutend teurer. Und falls das Spiel nicht den gewünschten Effekt erzielen sollte, kann man ihn immer noch an den kleinen Bruder, Neffe oder das Patenkind verschenken. 

Das Ende naht

Die letzte Woche in der Reha ist abgebrochen. Zum Glück wurden einige Behandlungen raus genommen, sodass ich die letzten Tage relativ Stress frei verbringen kann. 

Zeit für ein Fazit. Die ärztliche Behandlung war leider nicht so gut wie erwartet. Ich hatte ganze zwei Arzt-Kontakte, wovon einer das Abschlussgespräch war. Leider musste ich auch fast zwei Wochen warten, bis meine Anämie behandelt wurde mit Tabletten. Die betreuende Ärztin fand ich außerdem unmöglich von ihren Ansichten her. 

Dafür war die psychologische Betreuung wirklich gut. Die Therapeutin hat sich sehr gut um mich gekümmert und ist mit den Frühwarnzeichen ganz gut umgegangen. Sie hat mich ernst genommen, regelmäßig auf mich zu gekommen um nachzufragen wie es läuft und hat zum Teil die Rolle der Ärztin übernommen. 

Die restlichen Therapien bestanden hauptsächlich aus Sport. Bei dem Wetter nicht immer ganz angenehm. Die Ergotherapie war gut, auch wenn ich eigentlich die ganze Zeit alleine vor mich hin gearbeitet habe und die Therapeutin weg war. 

Das Zimmer, die Angebote und das drumherum waren wirklich gut. Auch das Essen für Vegetarier war hervorragend. 

Heute habe ich meine Tisch – Nachbarin verabschiedet, nächste Woche Dienstag werde ich dann gehen.

Ich freue mich sehr auf zu hause, auf André und Molli und auf die Pia. 

Halbzeit 

Ich habe tatsächlich die Halbzeit der Reha hinter mir. 

Am Anfang dieser Woche war mir leider die Therapien zu viel. Gestraft wurde ich mit Frühwarnzeichen, weswegen ich dann etwas Ruhe eingeplant hatte. Die Psychologin war sehr nett und verständnisvoll. Am Mittwoch und am Feiertag hatte ich deswegen kaum Termine. Heute stand Gruppenvisite an, Entspannungsbad und Ergotherapie. 

Das Melissen – Entspannungsbad tat richtig gut. Es half mir auch runter zu fahren. Von der Einzel-Ergo war ich etwas enttäuscht, da ich eigentlich alleine vor mich hin gebastelt habe und die Therapeutin in einem anderen Raum war. Ich habe einen Traumfänger gemacht. Nächste Woche ist malen eingeplant. Darauf freue ich mich, aber ich habe verhältnismäßig wenig Ahnung vom malen, weswegen ich auch etwas Angst habe. Grafik liegt mir eben mehr. 

Am Sonntag kommen meine Eltern, Andre ist im Urlaub und kommt deswegen nicht. 

Ich denke ich werde morgen mal in die Stadt laufen und Kaffee trinken gehen. Das Wetter ist auch so schön, das werde ich genießen. 

Reha – Klinik – Woche 1, Tag 1

Heute morgen um acht saß ich auf gepackten Koffern. Mein Bruder und meine Schwester holten mich mit dem Auto ab und auf ging es nach Bad Gottleuba in die Klinik. Ich habe eine medizinische Reha zur Psychose – Nachbehandlung. 

Ich wurde gleich nach der Ankunft von einer Schwester abgeholt, die mir erst mein Zimmer und das Haus zeigte, als auch eine kurze Anamnese machte. Dann hatte ich einen Aufnahmtermin bei der Ärztin. Die war leider nicht so wirklich kompetent, wollte mir weiß machen das meine Arbeitsunfähigkeit zu Unrecht ist, und ich solle mir doch einen leichteren Job als Informatiker suchen – ihr Vorschlag war Ergotherapeut, das ist ja auch sooo toll wenn man krank ist, ist ja nur ein wenig basteln… Ich hätte am liebsten was gesagt, aber man beißt nicht die Hand, die einen füttert. 

Dann war auch schon das Programm für heute beendet. Im Speisesaal wo mehrere Stationen zusammen essen, würde ich eingeführt und ich konnte mein Essen bestellen für die nächsten Tage. 

Ich habe ein sehr cooles Einzelzimmer mit Fernseher, Bad und schönem Ausblick. So lässt es sich aushalten. Ist ja schließlich keine geschlossene Station, sondern Reha. 

Morgen habe ich meinen ersten Termin bei meiner Bezugstherapeutin und bekomme einen Paten, einen Mit-Patienten der mir am Anfang hilft. 

Jetzt Ruhe ich mich erst mal aus, dusche und mache mich fertig für morgen. Morgen muss ich 6 Uhr zur Blutentnahme und zur Schwester. Mal sehen wie das wird. 

I’m free

Heute gegen 9 Uhr habe ich die Klinik verlassen. Mit zwei Tüten, Rucksack, Tasche ging es nach Hause.

Ich bin gerade richtig froh und erleichtert, weil meine Toleranzschwelle durch eine Mitbewohnerin sehr herausgefordert wurde. Ab um 4 Uhr hörte sie ohne Kopfhörer laute Rap-Musik mit fraglichen Inhalten. Dann war sie bis um 6 Uhr im Bad zugange, mit Föhnen, glätten und laut duschen. Ich habe demnach schlecht geschlafen, weil es einfach überhaupt nicht ruhig zu ging.

Meine andere Mitbewohnerin war ebenso genervt und hat das Zimmer gewechselt.

Ich durfte ja gehen. Im Arztbrief steht die paranoide Schizophrenie als Diagnose und Panikstörung als weitere Erkrankung, Depression wie ich dachte gar nicht aufgeführt.

Nun habe ich auch den neuen Medikamentenplan mit dem Clozapin. Am Dienstag bin ich bei meine PIA-Ärztin und am Donnerstag bei meiner Therapeutin.

Ansonsten habe ich wieder Kunsttherapie bis zur Reha und muss noch zum Sozialamt, Sozialhilfe beantragen.

Das Ende naht

Es geht aufs Ende meines Aufenthalts zu. Heute hatte ich ein kurzes Gespräch mit dem Oberarzt, wo wir die Entlassung besprochen haben. Ohnehin, ich werde ja nicht ganz entlassen, sondern bin ja ambulant regelmäßig zum Termin. Meine Ärztin und meine Therapeutin sehe ich ja wirklich oft – in der PIA habe ich mehr Kontakt zu Gesprächen als hier auf Station.

Außerdem habe ich am Wochenende vor Beltaine zu feiern in einem Ferienhaus außerhalb Dresdens. Das wollte ich natürlich auch auf keinen Fall verpassen. Umso froher bin ich, dass ich dabei sein kann.

Und mit großen Schritten nähert sich die Reha zu. Am 16.5. ist es soweit, geplant wie ich dorthin komme ist schon erledigt.

Jetzt nur noch 3 Wochen durchhalten, in denen wirklich viel passiert. Ich hoffe ich bin soweit weiterhin stabil.

1 Million

Heute, nach 2 Jahren und 3 Monaten habe ich es geschafft: 1 Million (!!!) Aufrufe!

Danke Leute!

17. April

Nun ist das Oster-Wochenende auch schon wieder vorbei. Ich hatte das große  Glück an allen vier Tagen Urlaub zu bekommen, weswegen ich eigentlich nur zum schlafen in der Klinik war. Am Samstag war ich bei meiner Löwen-Familie in der Heimat, die restlichen Tage bei Molli in Dresden. Es war sehr entspannt und ruhig, eine Auszeit von der Klinik tat gut.

Morgen geht dann wieder der tägliche Klinik-Wahnsinn los und mit ihm die Therapien. Ich hoffe das ich nächste Woche auch endlich mal Psychotherapie bekomme – bisher war immer irgendetwas, was das verhindert hat. Aber es wäre mir sehr wichtig noch Gespräche zu haben, da es sonst ja auch recht sinnfrei ist…

Mit dem Clozapin komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Ja, die Nebenwirkungen nerven, aber damit muss ich lernen zurecht zu kommen. Ich denke, dass pendelt sich auch ein nach einiger Zeit.

Silver Lining

Das Beste am Dasein als Drehtür-Patient sind die Freiheiten. Wenn einen die Ärzte und Co. erst einmal kennen und wissen, dass man nicht abhaut oder Mist anstellt, kann man täglich Ausgang bekommen. Das heißt nach Therapieende bis Abend nach Hause oder in die Stadt gehen. Am Wochenende sogar den ganzen Tag. Das ist gerade mein “Silver Lining”, nach Hause zu André und meiner Katze Molli. Sie vermisse ich, aber wenn ich zu Hause bin spielt sie Bob der Streuner und setzt sich auf meine Schulter, weicht mir nicht von der Seite.

Das Clozapin wird täglich erhöht, bisher vertrage ich es gut. Die Nebenwirkungen sind erträglich und werden auch Tag für Tag geringer, trotzdessen das die Dosis steigt.

Heute hatte ich Psychoedukation für Psychose-Patienten, was mich viel Konzentration forderte, da es eine Stunde lang ging. Danach war nur noch Ergotherapie, wo ich Enkaustik gemacht habe. Nachmittags bin ich dann nach Hause, aber etwas gewerkelt fürs Wichteln und um André und Molli zu sehen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Ich habe nun seit 10 Tagen Clozapin in meinem Medikamentenplan. Die ersten Tage war ich so müde, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Dazu der nie endende Speichelfluss im Schlaf – ich schlafe nur noch mit Handtuch über dem Kissen, da sonst alles nass wird. Als Begleiterscheinung noch Durst und Mundtrockenheit, Hautprobleme wie eingerissene Mundwinkel und Nasenbluten. Natürlich ist das nicht schön oder angenehm. Aber, und das ist das wichtigste, mein Kopf und Geist fühlen sich so ruhig und entspannt an. Ich habe keine Gedanken mehr die mir in den Kopf gespritzt werden (fremde Gedanken), meine Sehstörungen sind deutlich vermindert, ich kann mich konzentrieren (das heißt auch, dass ich endlich wieder lesen kann!) und und und. Die Stimmen sind auch etwas leiser, bzw. Kommen viel seltener. Ich habe ein richtig gutes Gefühl mit diesem Medikament. 

Ich durfte dadurch, daß ich es so gut vertrage, am Wochenende nach Hause. Mufasa und Löwenherz waren am Sonntag da und wir haben uns die Reha Klinik angeschaut, in Die ich im Mai komme. Wirklich eine sehr schöne Anlage, auch wenn es etwas verwinkelt ausschaut, ich denke aber das regelt sich mit der Zeit und ich finde alles. 

Nächste Neuigkeit: ich weiß nicht ob ich explizit dazu schon mal etwas geschrieben habe, aber meine erste Psychose ging ja zu lasten einer engen Freundin. Als ich 2015 stationär war, brach ich den Kontakt zu ihr völlig ab und habe ihr damit sehr vor den Kopf gestoßen. Sie hatte ja nichts falsches getan, in meinem wahn war sie aber meine Todfeindin. Und nun, nach zwei Jahren stillstand, haben wir wieder Kontakt, verstehen uns wieder gut und haben uns entschuldigt. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Ich hatte so viele Träume von ihr, weil ich nicht damit leben konnte das meine Krankheit diese Beziehung zerstört hat. Und nun habe ich mich endlich entschuldigen können.