1 Million

Heute, nach 2 Jahren und 3 Monaten habe ich es geschafft: 1 Million (!!!) Aufrufe!

Danke Leute!

17. April

Nun ist das Oster-Wochenende auch schon wieder vorbei. Ich hatte das große  Glück an allen vier Tagen Urlaub zu bekommen, weswegen ich eigentlich nur zum schlafen in der Klinik war. Am Samstag war ich bei meiner Löwen-Familie in der Heimat, die restlichen Tage bei Molli in Dresden. Es war sehr entspannt und ruhig, eine Auszeit von der Klinik tat gut.

Morgen geht dann wieder der tägliche Klinik-Wahnsinn los und mit ihm die Therapien. Ich hoffe das ich nächste Woche auch endlich mal Psychotherapie bekomme – bisher war immer irgendetwas, was das verhindert hat. Aber es wäre mir sehr wichtig noch Gespräche zu haben, da es sonst ja auch recht sinnfrei ist…

Mit dem Clozapin komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Ja, die Nebenwirkungen nerven, aber damit muss ich lernen zurecht zu kommen. Ich denke, dass pendelt sich auch ein nach einiger Zeit.

Silver Lining

Das Beste am Dasein als Drehtür-Patient sind die Freiheiten. Wenn einen die Ärzte und Co. erst einmal kennen und wissen, dass man nicht abhaut oder Mist anstellt, kann man täglich Ausgang bekommen. Das heißt nach Therapieende bis Abend nach Hause oder in die Stadt gehen. Am Wochenende sogar den ganzen Tag. Das ist gerade mein „Silver Lining“, nach Hause zu André und meiner Katze Molli. Sie vermisse ich, aber wenn ich zu Hause bin spielt sie Bob der Streuner und setzt sich auf meine Schulter, weicht mir nicht von der Seite.

Das Clozapin wird täglich erhöht, bisher vertrage ich es gut. Die Nebenwirkungen sind erträglich und werden auch Tag für Tag geringer, trotzdessen das die Dosis steigt.

Heute hatte ich Psychoedukation für Psychose-Patienten, was mich viel Konzentration forderte, da es eine Stunde lang ging. Danach war nur noch Ergotherapie, wo ich Enkaustik gemacht habe. Nachmittags bin ich dann nach Hause, aber etwas gewerkelt fürs Wichteln und um André und Molli zu sehen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Ich habe nun seit 10 Tagen Clozapin in meinem Medikamentenplan. Die ersten Tage war ich so müde, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Dazu der nie endende Speichelfluss im Schlaf – ich schlafe nur noch mit Handtuch über dem Kissen, da sonst alles nass wird. Als Begleiterscheinung noch Durst und Mundtrockenheit, Hautprobleme wie eingerissene Mundwinkel und Nasenbluten. Natürlich ist das nicht schön oder angenehm. Aber, und das ist das wichtigste, mein Kopf und Geist fühlen sich so ruhig und entspannt an. Ich habe keine Gedanken mehr die mir in den Kopf gespritzt werden (fremde Gedanken), meine Sehstörungen sind deutlich vermindert, ich kann mich konzentrieren (das heißt auch, dass ich endlich wieder lesen kann!) und und und. Die Stimmen sind auch etwas leiser, bzw. Kommen viel seltener. Ich habe ein richtig gutes Gefühl mit diesem Medikament. 

Ich durfte dadurch, daß ich es so gut vertrage, am Wochenende nach Hause. Mufasa und Löwenherz waren am Sonntag da und wir haben uns die Reha Klinik angeschaut, in Die ich im Mai komme. Wirklich eine sehr schöne Anlage, auch wenn es etwas verwinkelt ausschaut, ich denke aber das regelt sich mit der Zeit und ich finde alles. 

Nächste Neuigkeit: ich weiß nicht ob ich explizit dazu schon mal etwas geschrieben habe, aber meine erste Psychose ging ja zu lasten einer engen Freundin. Als ich 2015 stationär war, brach ich den Kontakt zu ihr völlig ab und habe ihr damit sehr vor den Kopf gestoßen. Sie hatte ja nichts falsches getan, in meinem wahn war sie aber meine Todfeindin. Und nun, nach zwei Jahren stillstand, haben wir wieder Kontakt, verstehen uns wieder gut und haben uns entschuldigt. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Ich hatte so viele Träume von ihr, weil ich nicht damit leben konnte das meine Krankheit diese Beziehung zerstört hat. Und nun habe ich mich endlich entschuldigen können. 

Neues aus der Anstalt

Gestern war dann die lang ersehnte Visite beim Oberarzt. Der erinnerte sich übrigens an mich – ich war kurz vor dem ersten Aufenthalt in Friedrichstadt bei ihm in der Praxis. Das war Herbst 2014. Irgendwie seltsam, dass er sich an meine zwei Besuche und meine Notfall-Einweisung erinnerte. 

Jedenfalls steht der Plan des Aufenthalts fest. Das neue Medikament wird Clozapin sein. Ich kannte dieses noch nicht, als er mir es vorschlug. Allerdings bereitet mir die Vorstellung, bald jenes zu nehmen, etwas Bauchschmerzen. Die Wirkung und die Nebenwirkungen klingen wirklich heftig. Die ersten 18 Wochen muss ich wöchentlich zur Blutentnahme, weil sonst Lebensgefahr besteht durch eine Blutbildveränderung. Es macht müde, das wird wieder schwierig sich an so einen „Holzhammer“ zu gewöhnen. 

Heute musste ich viele Untersuchungen über mich ergehen lassen,um sicher zu stellen das ich dafür gesund genug bin. EEG, Urinprobe, Blutentnahme, Temperatur, Blutdruck,… Ich war bei keiner Therapie, weil ich nur unterwegs war. Dieses Wochenende darf ich auch nicht nach Hause, weil es noch diese Woche eingeschlichen werden soll. Ich soll mich auf Schwindel, Ohnmacht und Magenbeschwerden einstellen. Ich habe vor diesem Medikament gerade richtig Angst. Es klingt furchtbar negativ…. 

Aber, und das ist der Grund : es ist nur für Patienten zugelassen die eine therapieresistente Schizophrenie haben und innerhalb eines Jahres 2 Medikamente nicht vertragen haben. Das passt, da ich letztes Jahr erst Risperidon und dann Ziprasidon probiert habe. 

Ich werde natürlich berichten wie es mir unter dem Clozapin geht. 

Wenn jemand damit Erfahrungen hat, würde ich mich freuen davon zu hören (per Kommentar oder Mail). 

Rückschritte

Ich bin seit einer Woche wieder stationär. Es wird ein längerer Aufenthalt, da vermutlich meine Medikamente verändert werden. Es war dieses Mal sehr schwer die Situation zu akzeptieren das es nun so ist, wie es ist. Ich wollte nicht Stationär, aber mir ging es so schlecht das es nicht anders ging. Die Stimmen gröhlen Versager, und ich weiß sie haben recht. Derzeit geht es mir auch körperlich nicht gut. Ständig Kopfschmerzen und Übelkeit. Meine Blutwerte waren auch schlecht, das Kalzium erhöht. Ich weiß noch nichts genaueres, aber ich habe Angst das das für eine schwerwiegende Krankheit steht. 

Ich bin wieder auf der Station 83, dieses Mal geht es aber. Ich habe das Gefühl es wird sich gut um mich gekümmert. Die Ärzte und Pfleger sind nett. Heute hatte ich Visite und habe meinen (sehr leeren) Therapieplan bekommen. Jeden Tag einmal Handwerk und Schizophrenie – Gruppe am Mittwoch. 

Auf Arbeit habe ich Bescheid gegeben, ich hoffe sie verstehen das. Der Führerschein muss auch erst mal warten. Zumindest darf ich ins Gelände ab dem zweiten Tag, gerade da das Wetter so schön ist. Meine Schwester und ihr Freund und André waren auch schon da, genauso meine Eltern bevor sie in den urlaub gefahren sind. 

Rainer Maria Rilke
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. 
Sie sprechen alles so deutlich aus: 
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, 
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, 
sie wissen alles, was wird und war; 
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; 
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. 
Die Dinge singen hör ich so gern. 
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. 
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Fortschritte

Nach drei Wochen Pause am Dienstag die erste Therapie-Stunde. Und was soll ich sagen, sie war baff. Theorie-Kurs von der Fahrschule geschafft, André geht in eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe, ich habe Probearbeiten in einem Job, ich bin nicht krank geworden, im Gegenteil, mir geht es besser,…

Ich bin sehr stolz auf mich, das ich 7 Tage am Stück 3 Stunden Theoriekurs geschafft habe. Diese Woche melde ich mich noch für die Prüfung an, die es zu bestehen gilt und danach geht es an die Praxis. Ich hatte jahrelang regelrechte Panik vorm Autofahren (auch vorm Mitfahren) aber nun werde ich wahrscheinlich im nächsten Monat mit dem Fahren beginnen. Die drei Stunden Kurs sind natürlich nicht lang für die meisten. Aber das ist zum ersten Mal seit 3 Jahren (!!) das ich 15 Stunden und länger etwas gemacht/gelernt habe und dabei nicht krank geworden bin. Für mich ist es also eine ziemliche Leistung.

Ich habe mich außerdem für einen Bundesfreiwilligendienst beworben und habe die letzte Woche knapp 20 Stunden im Betrieb gearbeitet. Es ist ein Job in der Medienpädagogik, wo ich bei Workshops und Betreuung mithelfe. Generell gefällt es mir dort sehr gut, aber ich merke wie ich an meine Grenze komme – mit der Hälfte der Stunden. Deswegen werde ich dort vermutlich nicht den Bufdi antreten, kann mir aber vorstellen dort ehrenamtlich zu arbeiten.

Desweiteren bin ich nach wie vor auf der Suche nach einer Ausbildung oder der Möglichkeit nach einem dualen Studium. Ich habe gerade eine Ausbildung im Blick, für die ich mich bewerben werde. Und dieses Mal werde ich es durchziehen und schaffen. Es sind „nur“  3 Jahre. Und eine Ausbildung ist schon einfacher als ein duales Studium, was ich zuerst angedacht hatte.

Im Mai bis Juni beginnt im übrigen meine medizinische Rehabilitation für drei Wochen. Sie findet in Bad Gottleuba statt. Ich kenne niemanden, der dort schon war, aber die Klinik sieht wirklich super aus. Und das Beste: ein Einzelzimmer! Und das ohne Fixierung und Kameraüberwachung wie auf der Geschlossenen. Es klingt wirklich sehr gut alles und ich freue mich richtig darauf. Und auch wenn es nicht so gut wird: es sind nur drei Wochen.

Heute ist eine schlaflose Nacht, aber das werde ich schon überstehen. Trotz anstrengender Arbeit ist mein Schlafrythmus ganz schön durcheinander, aber ich komme soweit damit zurecht.

Ansonsten bin ich derzeit wirklich ganz gut drauf, es ist manchmal schwierig mein Kopf-Chaos zu sortieren, aber ich denke es geht noch.

Der Auslöser

Ich werde oft gefragt: Was war der Auslöser für deine psychischen Probleme? Ich weiß dann oft gar nicht was ich sagen soll, weil einfach so viel passiert ist.

In der Psychoedukation hört man oft vom „biosozialen Modell“. Kurz gesagt besagt jenes, das zu einer genetischen Veranlagung mehrere Faktoren hinzukommen, die eine Krankheit, zum Beispiel eine Psychose, auslösen.

Gehen wir etwas in der Zeit zurück: es ist das Jahr 2009 und ich bin 12/13 Jahre alt. Ich komme von der siebten in die achte Klasse und mache eine duale schulische Ausbildung: während des Abiturs mache ich parallel eine Berufsschulausbildung zum Informatiker. Das ist ziemlich anstrengend und mit viel Stress verbunden. Das kann man als Auslöser Nummer eins benennen.

Ich bin 13 Jahre alt und langsam kommt das Interesse an Beziehungen, Sex und dergleichen. Ich verliebe mich in eine Mitschülerin – und auf einmal weiß es die ganze Klasse. Was folgt ist die düsterste Episode aus meiner Schulzeit. Über ein Jahr bin ich schwerem Mobbing ausgesetzt. Am Anfang werde ich gemieden. Das ist für mich unverständlich und ich weiß nicht, warum meine Freunde mich auf einmal meiden. Sie reden nicht mit mir, wir spielen nicht mehr in den Pausen. Ich sitze alleine im Unterricht und wir treffen uns nicht mehr. Es tut weh, aber es ist nach einigen Wochen in Ordnung. Ich suche das Gespräch und werde immer häufiger beleidigt. In sozialen Netzwerken (damals SchülerVZ und myVZ und wie das alles hieß) gibt es mehrere Gruppen: „Anti Anna“, „MIEP“, „Lesbenfotze“ usw. Meine Mobber machen sich einen Spaß mich zu fotografieren, dann Schrift und Bilder drüber zu setzen und das ins Internet zu stellen. Ich bin natürlich nicht in den Gruppen und weiß nicht, was dort alles getrieben wird. Bald schon kommen die Cyber Mobbing Angriffe aber in das reale Leben. Beleidigungen, Gerüchte, gehässige Briefe sind an der Tagesordnung. Ich schweige darüber und keiner weiß es. Weder meine Schwester, die auf derselben Schule ist, noch meine Eltern. Ich weine oft und werde depressiv. Bald schon steigert sich das Mobbing aber. Aus Beleidigungen werden tätliche Angriffe. Ich werde anfangs mit Alufolienkugeln beworfen. Später mit dem Mathebuch, das ungefähr 200 Seiten hat und einiges wiegt. Ich werde geschlagen, ich werde auf dem Klo bedrängt und eingeschlossen, ich werde beworfen und geschubst.

Zeitgleich stirbt eine Person, die mir sehr am Herzen liegt, meine Oma. Meine Eltern kommen erst spät nach Hause und nach der Schule war ich so gut wie immer bei ihr. Nun ist sie nach langer Krankheit verstorben und ich verstehe gar nichts. Unsere familiäre Situation gerät ins Wanken, als eine neue Frau unseres Opas einzieht.

Auslöser zwei und drei sind demnach schnell gefunden.

Über das Internet stoße ich aufs „ritzen“. Es ist Silvester 2010 und ich verletze mich zum ersten Mal selbst. Mit einer alten Nagelschere von meiner Oma. Die Ritzer sind sehr klein und nicht tief, ein paar Kratzer auf den Armen und Beinen. Es steigert sich langsam. Irgendwann fällt es meinen Eltern auf.

Ich gehe in einer Beratung der Diakonie. Nach drei Gesprächen werde ich eingewiesen, durch Suizidgedanken und das immer schlimmer werdende Selbstverletzen. In der Klinik sehe ich zum ersten Mal andere Betroffene des Ritzens. Sie zeigen mir eine neue Methode: die Rasierklingen. Meine Verletzungen werden immer tiefer und immer schlimmer. Ich bin monatelang in der Klinik. Ich wechsle die Schule und muss ein halbes Jahr Unterricht nachholen, durch Übungsstunden mit Lehrern nach dem Unterricht. Ich habe einen langen Schulweg, ich bin überfordert, mir geht es nach wie vor nicht gut.

Langsam vertraue ich mich meinen Eltern und Lehrern an. Das ganze Ausmaß meiner Situation wird ihnen bewusst. Ich bin überfordert, gereizt, psychisch krank und mache einen Fehltritt nach dem Anderen.

Ich schaffe irgendwie die Schule, zwischen depressiven Phasen, teilweise täglichen Selbstverletzungen, dem ersten Mal nähen in der Notaufnahme und Klinikaufenthalten.

Dann verliebe ich mich wieder in eine Mitschülerin und werde zum ersten Mal psychotisch. Irgendwie schaffe ich das Abitur, lerne André kennen, ziehe aus, werde wieder psychotisch.

In all den Jahren ist also viel passiert. Alles, was zu einer genetischen Veranlagung hinzu kam. Ich überlege oft, was passiert wäre wenn ich nicht gemobbt werden würde, wenn meine Oma nicht gestorben wäre. Oder was sie dazu gesagt hätte. Was sie zu meiner Entwicklung gesagt hätte. Das liegt mir oft quer im Magen.

Wie es so läuft

Der Februar ist schon wieder fast rum und es ist viel passiert. Ich hatte viele Termine, es stand viel an, es war ein wenig chaotisch. Aber das wichtigste: ich passe gerade wirklich gut auf mich auf und versuche nicht krank zu werden.

Führerschein: ich hab die Theoriestunden geschafft. Es ging sieben Tage je 3 Stunden. Und das habe ich geschafft! Zum ersten Mal seit drei Jahren habe ich etwas durchgezogen und habe gelernt und geackert. Um zur Prüfung zugelassen zu werden muss ich noch den Erste Hilfe Kurs, den Sehtest und die biometrischen Bilder abliefern. Das erledige ich alles an einem Tag am Sonntag – acht Stunden lang! Das wird eine ziemliche Herausforderung aber ich bin gewillt das zu schaffen. Ich hoffe das ich nicht allzu viele Anläufe für die Prüfung brauche und das ich mich gut konzentrieren kann. Ich werde natürlich berichten wie es lief.

Reha: der MDK hat bei meiner Therapeutin angerufen und die Reha wird wohl bald eingeleitet. Ich warte noch auf den Bescheid und dann wird es in Kürze losgehen.

Therapie: wir haben einen Plan gemacht, wie ich mit Frühwarnsymptomen der Psychose umgehe und wie ich handeln muss. Nun ist meine Therapeutin seit 3 Wochen im Urlaub und das ist wirklich anstrengend für mich. Ich habe aber Gespräche in der Beratungsstelle wo ich immer bin und das hilft mir etwas, zumal ich zwischenzeitlich viele Frühwarnsymptome hatte und auf mich aufpassen musste. Ich habe die letzte Woche kaum geschlafen und viel mit den Stimmen zu tun gehabt und auch ein paar „verrückte“ Gedanken kamen auf. Das muss ich beobachten und ggf. Schritte aus meinem Plan durchziehen.

Arbeit: ich habe mich für einen erneuten Bundesfreiwilligendienst beworben und habe am Dienstag ein Gespräch in der Einrichtung. Es hat etwas mit Medien zu tun – also genau das, was ich wollte und was mir hilft mich aufs Studium vorzubereiten.

Studium: ich war in der Studienberatung bei einer Behindertenvertretung und beim Professor der Abteilung. Es lief ganz gut, auch wenn ich an dem Tag echt angeschlagen war. Ich habe vollste Unterstützung seitens der BA und plane, ob ich im Herbst 2018 nach dem Bufdi dort mit dem Studium der Medieninformatik beginne. Seid gespannt wie sich das noch entwickelt!

Psychose: wie gesagt, Frühwarnsymptome. Die Dosis meines Antipsychotikums wurde leicht erhöht und ich hoffe das sich dadurch die Symptome reduzieren. Da heißt es abwarten und hoffen das ich bald wieder einen Termin in der PIA bekomme.

Alltag: derzeit läuft es mit der Alltagsbewältigung echt gut. Ich schaffe vieles, was ich mir vornehme, ich lerne für den Führerschein, hab für André und mich Bewerbungen in Adobe Illustrator designt und hoffe, das dieses Jahr noch einiges passiert! Ich bin gerade recht zuversichtlich das dieses anfänglich beschissene Jahr noch so einiges für mich bereit hält!

Selbsthilfe: ich war die letzten Termine wieder regelmäßig in der SHG und es tat mir wirklich gut. Ich habe mit einigen ein paar Probleme da ich mich schnell provoziert fühle, aber ich glaube das hat mit den Frühwarnsymptomen zu tun. Es fällt mir nicht leicht, Verhalten von anderen Menschen einzuschätzen und ich werde auch mit der Leiterin darüber reden ob es meine Fehlwarnehmung ist oder tatsächlich besteht. Außerdem ist André heute zum ersten Mal mit meiner Schwester bei einer Angehörigenberatung. Für mich ist das eine ziemliche Zerreißprobe, wodurch es mir schlecht geht, da ich befürchte das man da über mich lästert. Ich kann in dem Punkt André nicht vertrauen, aber das kann auch nur Misstrauen aufgrund der Frühwarnsymptome sein. Es macht mir jedenfalls sehr zu schaffen. Aber mit gemeinsamen drüber reden und eventuell professioneller Hilfe versuche ich, den beiden zu vertrauen und nicht gekränkt zu sein.

[HILFE] Das kleine Psychose-Handbuch

Hier werde ich nach und nach Informationen für Psychose-Erkrankte sammeln. Das werden hauptsächlich meine eigenen Erfahrungen sein und deswegen funktionieren sie auch nicht für jeden! Diese Hinweise sind aber denke ich für viele eine kleine Unterstützung.

  • Keine Horror, Thriller oder Krimi-Filme anschauen. Ich mag solche Filme auch sehr gerne, aber nicht während ich psychotisch bin. Dann können Elemente des Filmes (Feinde, Gegner, paranormales) schnell mit in den eigenen Wahn übergehen oder man steigert sich rein.
  • Bei Stimmen hören und akustischen Halluzinationen: die Ohren ablenken. Selbst Musik machen (Gitarre, Trommeln, es reicht auch eine Mundharmonika…) oder laut Musik hören. Überdeckt manchmal die Stimmen, aber sie können auch lauter dadurch werden – hier heißt es ausprobieren
  • Rückfragen an Angehörige. Ihr bemerkt etwas, denkt etwas, riecht, seht oder schmeckt etwas seltsames? Lasst eure Angehörigen wissen, was los ist, und fragt nach. Kann helfen die Halluzinationen einzuordnen und Wahngedanken abbauen bzw. gar nicht erst entstehen lassen.
  • Vermeide Stress. Am besten Termine reduzieren, Stress vermeiden (Auto fahren, Prüfungen, Familienfeiern….). Dafür schöne und entspannte Dinge tun. Wenn nötig, AU-Schein vom Facharzt holen, Medikamente erhöhen und abwarten, bis es euch wieder besser geht.
  • Lass dir von Angehörigen helfen – Wohnung sauber machen, Einkäufe erledigen, Termine erledigen etc
  • Suche dir Vertrauenspersonen. Das kann dein Therapeut, Arzt sein oder Professionelle in Kontakt- und Beratungsstellen. Oder Angehörige, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen.
  • Sorge dich um dein Wohlbefinden. Esse und trinke regelmäßig, kümmere dich um deine Hygiene, nimm deine Medikamente und gehe regelmäßig zu deinem Arzt/Therapeuten.
  • Passe ggf. die Dosis deiner Medikamente an – aber nur mit ärztlicher Absprache!
  • Beruhige dich mithilfe von Entspannungstechniken und Yoga.
  • Versuche aktiv zu bleiben, dich aber nicht zu stressen. Spazierengehen an der frischen Luft ist schon vollkommen ausreichend!
  • Belohne dich für geschaffte Aufgaben. Das motiviert dich und hellt deine Stimmung auf.
  • Bleib in deiner gewohnten Umgebung.
  • Frage, ob ein kurzzeitiger Aufenthalt in der Klinik möglich ist („Krisenintervention“) bis die Psychose abgeklungen ist.
  • Achte auf deine Frühwarnsymptome und spreche mit deinem Arzt ab, wie zu handeln ist.
  • Achte auf ausreichenden Schlaf. Spreche mit deinem Arzt ab, ob dir schlaffördernde Medikamente helfen können. In der Apotheke und Drogerie gibt es auch Baldrian Tabletten, die den Schlaf unterstützen können. (Sie sind im Vergleich zu verschreibungspflichtigen Tabletten aber vergleichsweise schwach)
  • Lass dich nicht „triggern“! Vermeide Streits, Diskussionen und ähnliches. Dein Ziel ist es, nicht zu sehr in den Wahn abzudriften. Auch bestimmte Menschen können triggern, zum Beispiel Nachbarn, Polizisten, Ärzte…versuche das zu vermeiden, damit du nicht kränker wirst.
  • Gib deiner Psychose eine Form und werde kreativ. Viele Psychose-Erkrankte zeichnen, malen oder schreiben, um mit ihren Gefühlen zurecht zu kommen.
  • Tu was dir gut tut! Hierbei ist alles erlaubt, was dir hilft „auf dem Boden“ zu bleiben.
  • Versuche nicht zu grübeln, so steigert man sich leicht in den Wahn rein.
  • Schaffe eine reizarme Umgebung wenn du unter Empfindlichkeit leidest.
  • Konsumieren keinen Alkohol und keine Drogen (besonders Cannabis, Halluzinogene usw).
  • Lenke dich ab. Schau einen entspannten Film, versuche zu lesen, zu malen, etwas handwerkliches etc.
  • Versuche, nicht die ganze Zeit allein zu sein. Frag Angehörige und Freunde, ob sie dir helfen.
  • Bringe dich nicht in gefährliche Situationen und fahre kein Auto.
  • Erstelle dir einen „Safe Place“. Das kann dein Sofa/Bett sein. Ein Rückzugsort, wenn du Angst hast und dich Hallus quälen. Gestalte es so, wie es dir gefällt, mit Kissen, Decken und wenn du magst Kuscheltieren (das mache ich zB sehr gerne)