Die ersten Tage

Wochenende. Lange habe ich mich nicht mehr so drüber gefreut.
Die ersten Tage Bbw sind geschafft und im großen und ganzen lief es wirklich gut. Am Donnerstag hatte ich einen PD-Test, hauptsächlich Aufgaben ähnlich IQ Diagnostik. Vier Stunden Aufgaben lösen. Man war ich fertig. Danach hatte ich ein Gespräch mit dem Reha-Koordinator. Es war noch nicht viel zu besprechen, ich war ja auch erst zwei Tage da.
Am nächsten Tag hatte ich technisches zeichnen. Aufgaben waren zuerst Linien abzeichnen, Geometrische Figuren benennen, Umfang und Flächen ausrechnen von verschiedenen Figuren und später Objekte abzeichnen. Danach ging es zur Ärztin des Bbw und im Anschluss zur Psychologin. Mit dieser redete ich auch einige Zeit und es tat mir sehr gut. Es liegt aktuell viel Stress und Druck auf mir, hauptsächlich selbstgemachter. Also wieder geweint bis es nicht mehr ging. Aber es tat gut. Und auch das reden. In der kleinen Klasse melden sich auch wieder die Stimmen wieder. “Du bist viel schlechter. Du bist scheiße. Du kannst nichts. Er ist besser. Sie war schneller. Warum schaffst du es nicht!? Warum bist du nicht gut? Du bist scheiße. Du bist schlecht.” und dennoch muss ich noch konzentrieren… Ist nicht einfach. Aber ich habe mit der Psychologin drüber geredet und es tat gut. Sie unterstützen mich auch alle soweit es geht. Am Dienstag habe ich wieder einen Termin bei ihr. In der Pia den musste ich erst mal absagen, weil ich so kurzfristig keine Freistellung erhalten habe. Aber das mache ich demnächst noch, einen neuen Termin. Und nehme ihn auch wahr (ist auch nicht immer einfach).

Zack und Bumm

Zack! Und dann ging alles ganz schnell. Gestern einen Anruf bekommen, Termin ausgemacht, hingegangen. Die Rede ist vom BBW, dem Berufsbildungswerk.

Also heute nach dem PIA Termin hingegangen. Zu erst einen Blumenstrauß zum Geburtstag bekommen, total unerwartet. Dann hatte ich ein Gespräch mit jemanden aus dem Wohnheim, wir haben die Formalitäten geklärt und sind dann zur drei Mann starken Gruppe gegangen. Lukas, Franziska und Chris heißen sie. Alle auf den ersten Blick in Ordnung und ganz nett. Ich habe bei ihren Vorträgen über Zukunft zugehört, dann noch mal zum Rundgang weiter. Weitere Formalitäten geklärt, dann nach Hause. Man war ich fertig! Die ganze Aufregung hatte ich schon weinend beim Gespräch losgelassen, ich war einfach fertig. Morgen 8 Uhr Treff zu einem Psychologischen Test. Die Maßnahme geht 12 Wochen und ist eine Eignungsabklärung, für welchen Beruf ich geeignet bin. Ich denke ja an den Mediengestalter, aber ich lasse mich auch auf die anderen Sachen ein.

Der erste Termin mit der neuen Psychologin in der PIA war auch gut. Sie ist sehr nett und fragte gleich ganz offen: wie ist man denn auf die Idee gekommen Ihnen Borderline zu diagnostizieren? Da passt ja nichts! Danke, dachte ich mir auch immer…!

Kämpfe!

Heute hatte ich ein Gespräch mit der Leiterin der Selbsthilfegruppe, ihr Pseudonym hier war Ludwig. Ich hatte den Termin am Montag erbittet, da es mir nicht allzu gut ging und ich das Bedürfnis hatte, mich mal “auszukotzen”. In der PIA hatte ich seit zwei Wochen keinen Termin, durch den Wechsel, dann durch einen Arzttermin und so weiter, sodass einfach der Druck in mir immer mehr anschwoll.

Gestern dann hatte ich zunehmend Ängste vor dem Termin. Ich wollte mich nicht aufdrängen. Mich nicht unbeliebt machen. Am liebsten absagen, wegen Krankheit, Migräne, irgendwas. Einfach nicht auftauchen. Verletzen und in die Notaufnahme fahren und sagen das es nicht geht. In die Klinik. Irgendwie möglich machen, nicht zu erscheinen. Auf jeden Fall.

Ich bin dennoch gegangen und hab die Angst überwunden. Schon als ich in den Beratungsraum ging kamen mir die Tränen, weil sich einfach viele Gefühle angestaut hatten. Ich erzählte von der zunehmenden Hoffnungslosigkeit, den Ängsten und Stimmen, der Depression, den Zweifeln. Über die Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart. Und es tat gut. Es flossen viele Tränen aber es war richtig. Es war richtig, das alles rauszulassen. Einfach mal zu erzählen und Feedback zu bekommen.

Erkenntnisse: nicht immer so taff und stark tun – auch mal Schwäche zeigen. In der SHG nicht immer die Position des Helfenden einnehmen, sondern auch mal Hilfe erbitten. Über die Vergangenheit und all das Negative, zum Beispiel während der Psychosen, reden. Und verarbeiten. Die “Verkopftheit” sein lassen und auf das Bauchgefühl hören. Und am wichtigsten: kämpfen.

10. Mai

Grad ist es wieder nicht so gut. Ich hab einen ziemlichen Durchhänger und gleichzeitig melden sich altbekannte Stimmen zurück. Sie drängen zur Selbstverletzung obwohl ich das gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Da heißt es nur: ablenken. Gestern beim nach Hause fahren deswegen das Löwenherz angerufen, einfach um mal zu reden.

Heute war ich dann beim Arzt wegen meines Sprunggelenks. Sieht an sich gut aus, sagt er, es verwächst gerade und sollte in vier Wochen ausgestanden sein. Bis dahin Schiene dran lassen und hochlagern. Dann noch mal zum röntgen kommen und dann Adé VacoPed. Die eine Schwester war sehr unfreundlich, aber ich habe es mir gar nicht angenommen. Normalerweise regt mich sowas für den Rest des Tages so auf, das ich die ganze Zeit wie Rumpelstilzchen um das Feuer springe.

Nächste Woche ist schon wieder mein Geburtstag. Oh weh. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust. Ich will nicht alt werden, ich will nicht feiern, ich will nicht das mir irgendjemand sagt das ich weiter gekommen bin. Denn das stimmt nicht.  Ich habe dieses Jahr nichts erreicht und ich werde 20, ohne nennenswerte Errungenschaften. Nicht einmal eine Ausbildung habe ich derzeit am Laufen. Und die, die ich irgendwann antreten werde, wird in einem Berufsbildungswerk für Behinderte sein, weil mehr nicht geht.

Jajaja, da kommen die selben Statements wie immer. Das hab ich jetzt alles schon tausendmal gehört, aber es ist immer noch schwierig für mich zu akzeptieren.

Dafür versuche ich das schöne Wetter zu genießen, beispielsweise im Park.

Bonhoeffer-Park

Ein von Anna Darko (@weltkehrt) gepostetes Foto am

Bonhoeffer Park

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Die Kunsttherapeutin

Mittwoch ist immer Kunsttherapie. Und letzte Woche hat mir die Kunsttherapeutin gesagt, das sie aufhört. Am Anfang mochte ich sie nicht so. Vielleicht Neid, weil ich immer Kunsttherapie studieren wollte. Weil sie so viele Möglichkeiten und Chancen in diesem Bereich hat, den ich nicht habe derzeit. Deswegen tat es ein wenig weh, das sie sagte das sie aufhören will. Ihre Ergotherapie Kollegin im übrigen auch. Zwei bekannte Gesichter, die ich mag. Und wieder verlassen sie mich. Aber so stimmt das nicht: sie erzählte mir das sie noch einen Klient für ein weitere (?) Anerkennung braucht. Und sie hat mich gefragt ob ich Einzeltherapie mit ihr machen möchte. Das ist so eine tolle Gelegenheit. Ich freue mich so sehr. Das ist die Unterstützung die ich wollte im künstlerischen Rahmen. Sie kann mir helfen motiviert zu bleiben und die Kunst nicht dahin zu werfen und aufzugeben. Ach, ich freue mich.

In Pillnitz

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Mit Mufasa und dem Löwenherz in Pillnitz. Über die Elbe mit der Fähre, spazieren gehen und in der Sonne sitzen. Danach noch zu hause mit Molli kuscheln und ihr Vitaminpaste füttern, während des Kaffeetrinkens.

2. Mai

Heute sollte eigentlich die Operation sein, aber diese wurde wegen einer Erkältung meinerseits, die eigentlich keine ist, verschoben. Nur weil ich beim Arzt einmal kurz husten musste. Naja. Am Mittwoch gehe ich dann zum ambulanten Chirurgen und dieser soll dann entscheiden ob es sich verschlimmert hat und wann ich dann operiert werden soll.
Ich hatte gehofft das ich das heute hinter mich bringen kann. Dann eben nicht.

Am Samstag waren Andrés Eltern in Dresden und wir waren essen. Abends kamen auch noch mal meine Eltern vorbei, die zuvor in meiner Wohnung gewerkelt haben um mir zu helfen.

Ich hatte vor einem Monat wieder mit den Tabletten begonnen aber direkt geholfen hat es mir nicht. Ich bin immer noch ziemlich depressiv, nicht schwer aber soweit beeinträchtigend. Psychotische Ängste sind auch immer noch da. Das merke ich zum Glück aber noch selbst.
Das kann man sich vorstellen wie automatisierte Gedanken, die immer wieder kommen. Und die irgendwie irrsinnig sind oder seltsam. Psychotisch halt. Verrückt. Wahnsinnig. Aber eher pseudo, da ich es ja noch merke.

Der Widerspruch gegen die Reha-Ablehnung hat übrigens Früchte getragen. Nach dem Widerspruch wurde es bewilligt. Jetzt hoffe ich zeitnah einen Termin zu bekommen und dann eventuell und hoffentlich und unbedingt in die Reha starten zu können!

27. April

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Heute kann ich wegen meinem gebrochenen Fuß nicht zur Kunsttherapie gehen. Dafür möchte ich zu hause ein wenig malen und zeichnen. Für meine Ausstellung. Denn eine Sozialarbeiterin von det Awo hat mir angeboten dort auszustellen. Ist nur ein kleiner Raum mit ca. 8 Rahmen, aber besser als nichts. Also versuche ich daran zu arbeiten. Hoffentlich schaffe ich es.

Abschied

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Heute war mein letzter Termin mit Locke. Sie hat das obere Bild von mir bekommen und sie war echt gerührt. Sie sagte das sie es in ihrer Wohnung aufhängen wird. Ziel erreicht. Ich wollte nur zeigen, wie dankbar ich ihr für diedes vollkommen verrückte Jahr bin. Es war ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Zu erst der Klinikaufenthalt, dann die Kriseninterventionen, die vielen Selbstverletzungen, die Ausbildung, das Bufdi, der Reha Antrag
….Sie war immer an meiner Seite.

Leider hatte ich außerordentliches Pech. Auf dem Weg zur Pia bin ich im Treppenhaus gestürzt und habe mir das Sprunggelenk gebrochen. Ich bin zu einer Nachbarin, die dann für mich den Notarzt geholt hat. Im Krankenhaus wurde ich geröntgt.

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Ein Stück vom Sprunggelenk ist abgebrochen. Und die Bänder sind gerissen. Am Montag habe ich eine OP an meinem Fuß. Ich bin so Tollpatschig….
Danach bin ich dann in die Pia und habe den ganzen Frust rausgeheult. Ich konnte die Anspannung einfach nicht mehr aushalten. Jetzt geht es mir besser. Ich bin zu hause und habe ein geschientes Bein, aber die Schmerzen sind erträglich.

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Das war der bestimmt chaotischste Tag seit langem. Wie das Jahr bei Locke – voller Höhen und Tiefen.

Am Japanischen Palais

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Hier ein paar Fotos von heute. Ich bin grad nach hause gekommen.
Ich war mit Daniela, einer Hobby-Fotografin, am japanischen Palais in Dresden. Wir haben Kirschblüten und dann die Altstadt fotografiert.
Es war ein schöner, ruhiger Spaziergang.