Fahrtauglichkeit bei Schizophrenie

Dieses Jahr möchte ich das Projekt Führerschein in Angriff nehmen. In meiner prä-psychotischen Jugend (erste schwere Episode kurz nach dem 18. Geburtstag) habe ich mir das Fahren nicht getraut, aber es wäre rückblickend besser gewesen, ich hätte es damals gemacht. Einfach, weil noch keine Diagnose und Behinderung festgelegt war.

Es ist ein wenig umständlich Informationen zu finden. Hier aber der Teil über die Zulassung der Kraftfahreignung bei Schizophrenen Psychosen:

Schizophrene Psychosen
Die Voraussetzung zum sicheren Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen ist in akuten Stadien schizophrener Episoden nicht gegeben.
Gruppe 1 – Führer von Fahrzeugen der Klassen A, A1, A2, B, BE, AM, L, T
Nach abgelaufener akuter Psychose kann die Voraussetzung zum sicheren Führen  von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1 in der Regel wieder gegeben sein, wenn keine Störungen (z. B. Wahn, Halluzination, schwere kognitive Störung) mehr nachweisbar sind, die das Realitätsurteil erheblich beeinträchtigen. Bei der Behandlung mit Psychopharmaka sind einerseits deren stabilisierende Wirkung, andererseits die mögliche Beeinträchtigung psychischer Funktionen zu beachten. Langzeitbehandlung schließt die positive Beurteilung nicht aus (siehe Kapitel 3.12 Betäubungsmittel und Arzneimittel); in
manchen Fällen ist die Langzeitbehandlung hierfür die Voraussetzung, wobei diese Behandlung durch Bescheinigungen des behandelnden Facharztes für Psychiatrie dokumentiert werden sollte. Wenn mehrere psychotische Episoden aufgetreten sind (sog. wellenförmiger Verlauf), sind im Hinblick auf mögliche Wiedererkrankungen die Untersuchungen durch einen
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in festzulegenden Abständen zu wiederholen.
Gruppe 2 – Führer von Fahrzeugen der Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E und

die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (FzF)
Nach einer schizophrenen Erkrankung bleiben für Fahrer der Gruppe 2 die Voraussetzungen zum sicheren Führen eines Kraftfahrzeuges in der Regel – abgesehen von besonders günstigen Umständen- ausgeschlossen.
Begründung
Unter Schizophrenien fasst man eine Gruppe von Psychosen mit unterschiedlichem Schweregrad, verschiedenartigen Syndromen und uneinheitlichen Verläufen zusammen. Gemeinsam ist den Schizophrenien, dass alle psychischen Funktionen beein-
trächtigt sein können (nicht nur das Denken), dass die Ich-
Funktion (die psychische Einheit) in besonderer Weise gestört (Desintegration) und die Realitätsbeziehungen beeinträchtigt sein können. Im Verlauf treten akute Erkrankungen auf, auch wiederholt. Diese psychotischen Episoden können entweder ausheilen oder in Teilremissionen (sog. soziale Remissionen) bzw. in Residualzustände (Persönlichkeitsveränderungen) übergehen.
Schwere psychotische Krankheitserscheinungen können das Realitätsurteil eines Menschen in so erheblichem Ausmaß beeinträchtigen, dass selbst die Einschätzung
normaler Verkehrssituationen gestört wird. Schwere psychotische
Körpermissempfindungen können die Aufmerksamkeit absorbieren und die Leistungsfähigkeit senken. Antriebs- und Konzentrationsstörungen können den situationsgerechten Einsatz der psycho-physischen Leistungsfähigkeit mindern. Derartige psychotische Krankheitserscheinungen können also zu Fehlleistungen führen und die allgemeine Leistungsfähigkeit unter das notwendige Maß herabsetzen. In jedem Einzelfall muss –
auch abhängig vom Krankheitsstadium- die Bedeutung aller einzelnen Symptome für die Voraussetzungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beurteilt werden.
Stand: 18.1.17 , zuletzt aktualisiert: Dezember 2016
weitere Informationen, auch über andere Erkrankungen
Um die Informationen zusammen zu fassen:
– keine Fahrtauglichkeit bei akuten Psychosen
– keine Eignung für das Führen von Fahrzeugen in Gruppe 2 (umfasst zum Beispiel LKWs)
– bei Gruppe 1: nach abklingen psychotischer Symptome mit medikamentöser Behandlung Fahrtauglichkeit gegeben, aber unter Umständen Einschätzung von psychiatrischem Facharzt
Wie es nun bei mir wird kläre ich noch mit meiner Ärztin ab.
Die Angabe in dem Führerscheinantrag ist im übrigen freiwillig – bei Unfällen kann er aber entzogen werden, wenn die Krankheit Ursache war. Deswegen gebe ich die Krankheit auch lieber an und werde dann sehen, ob ich zugelassen werde oder nicht.

Silvester in der Klapse

Es kam dann doch anders als geplant. Ich bin zur Krisenintervention in die Klinik gegangen über Silvester.

Mein Silvester war urkomisch. Wir waren zu viert: Ling, Mandy, Tim und ich. Zehn Minuten vor Mitternacht haben wir ein Festmahl aus geklautem Joghurt und versteckten Keksen zelebriert, bis wir raus sind um die letzte Zigarette 2016 zu rauchen. Von einem Mitpatienten der Station 84 bekamen wir jeder eine Wunderkerze. Wir besprachen welche drei Ziele wir für 2017 hatten und zündeten die Wunderkerzen an. Dann sind wir zum Pflegerstützpunkt, der die Übertragung der Feierlichkeiten in Berlin streamte und haben uns alle eine Schlaftablette geben lassen.

Das das neue Jahr Veränderung mit sich brachte merkten wir daran, das Ling sich den Vollbart abrasiert hatte.

Das Jahr 2016

Es ist wieder Zeit für einen Jahresrückblick! Wir haben noch 3 Tage 2016 -und ich habe noch einen PIA Termin, einen Geburtstag und eine Fahrt nach Berlin vor mir.

Dieses Jahr war wirklich erschütternd. Die Welt ist in Aufruhr, politische Unruhen, mehrere Attentate und Anschläge, viele, sehr, sehr viele Menschen, die wir verloren haben. Die Welt hat einen neuen amerikanischen Präsidenten, wir stehen vor der nächsten Bundestagswahl, wir sind Opfer islamistischer Anschläge und es gibt mehrere Kriege und Konflikte.

Die Situation psychisch Kranker hat sich verändert, allerdings eher zum positiven: es gibt mehr und mehr Vereine, die sich für die Rechte Kranker und behinderter Menschen einsetzen, es gibt öffentlichkeitswirksame Filme, wie zum Beispiel Psychiatrie Filme von Andrea Rothenburg  und in einigen Bundesländern wird die EX IN Ausbildung gefördert. Einige Stars melden sich zu Wort und berichten über ihre eigenen Erfahrungen, in Bild, Musik und anderen Medien werden psychische Krankheiten thematisiert und angesprochen. Es gibt mehr und mehr gute Bücher für Angehörige, wie zum Beispiel von Janine Berg-Peer, die ich auch kennenlernen durfte.

Persönlich hat sich für mich verändert,….

….das ich seltener im Krankenhaus war (zweimal zur chirurgischen Wundversorgung und einmal stationär),

….das ich eine neue PIA Therapeutin habe,

….das ich ein Jahr verlobt bin,

….das ich ein Jahr arbeitsunfähig war.

Ich habe dieses Jahr eine ziemliche Wandlung vollzogen. Von ängstlich-psychotisch zu launisch-selbstbewusst, ich habe mir die Haare abgeschnitten, ich habe zwei neue Piercings (nun sechs an der Zahl).

Meine Top-Ansprechpartner dieses Jahr waren Frau Ludwig von der Beratungsstelle, mit der ich in engem E-Mailkontakt stehe und mit der ich mehrmals die Woche rede, und meine neue Therapeutin in der PIA.

Dieses Jahr habe ich viele Hobbys wiederentdeckt und dazu gewonnen. Ich nähe nun häufiger (und seit Weihnachten habe ich eine neue Maschine!), ich bastele, ich baue Kostüme, gestalte mit Fimo, habe viel fürs Wichteln gewerkelt und zeichne wieder regelmäßig. Außerdem habe ich mit Logo Design begonnen und viel Webdesign gemacht. Vor allem aber die Kunsttherapie hat mir viel Halt gegeben.

Ich habe meine medikamentöse Therapie wieder aufgenommen und schlucke nun regelmäßig Psychopharmaka, werde aber wegen Nebenwirkungen bald umstellen müssen.

weltkehrt.de wird im Januar 2 Jahre alt, und hier kommen die Statistiken:

Happy Holidays

Weihnachtliches Bild mit Aufschrift Happy HolidaysIch wünsche allen meinen Lesern frohe Feiertage – was auch immer ihr feiert, seid froh, glücklich und zufrieden!

Angst

Da waren sie wieder, meine zwei Probleme: Schlaflosigkeit und Angst.

Ich war kurz davor meinen Urlaub (vom 17.12 bis zum 22.12. geht’s nach Warnemünde) in der Klinik zu verbringen: Halluzinationen, Stimmen, panische Angst.

Krise, wichtigster Schritt: überleben. Ich war bei meiner Thera, die dann auch die Ärztin dazu holte. Nun gibt es erstmal wieder Tavor zur Beruhigung. Ich habe panische Angst vor der Abhängigkeit, aber die anxiolytische Wirkung brauche ich gerade, damit ich nicht in die Klinik muss.

Mir geht es zum Glück mit Tavor nun besser, die Angst ist weg. Die Halluzinationen sind besser geworden und die Stimmen ruhiger, ich höre mein Genuschel. Das geht.

Aber nun freue ich mich auf meinen Urlaub, genieße die Zeit und komme dann gestärkt zu Weihnachtsfest wieder.

[REVIEW] Tageslichtlampe von Beurer

Winterdepressionen – wer kennt sie nicht? Der Herbstblues in der dunklen Jahreszeit, wenn die Tage kürzer werden und schon ab 16 Uhr nächtliche Finsternis ist. In der Depressionsbehandlung wird deswegen die Licht-Therapie angewendet. Wenn man täglich mindestens 30 min Sonnenlicht oder 10.000 Lux einer Tageslichtlampe genießt, kann auf eine Besserung des Befindens warten.

Ich habe in der Klinik 2014-2015 Lichttherapie gehabt, mit mäßigem Erfolg. Dieses Jahr hatte mich die Depression wieder erwischt und mein Entschluss stand fest, es noch einmal zu probieren.

Meine Wahl fiel auf die Beurer TL 40 Tageslichtlampe mit 10.000 Lux. Derzeit kostet sie auf Amazon 51,56 € – ein moderater Preis, der auch für mich als ALG2 Beziehende schaffbar ist. Ich empfehle die Marke Beurer und diese Lampe gerne weiter. Prinzipiell kann aber jede Tageslichtlampe genutzt werden, die mindestens 10.000 Lux besitzt – das ist entscheidend.

Manche Krankenkasse übernehmen Tageslichtlampen mittlerweile auch, ich hatte leider kein Glück.

Die Wirkung setzt erst nach einigen Tagen bis Wochen Behandlung ein und ist natürlich nicht so stark wie ein Antidepressivum. Aber in Kombination mit Psychotherapie und Psychopharmakologie kann eine Tageslichtlampe eine Verbesserung des Wohlbefindens im Winter und Herbst bewirken.

Man sollte mindestens 30 min täglich in die Lampe schauen – mit einem Buch oder einem Spiel auf dem Handy geht die Zeit ganz schnell rum. Zu beachten ist, das man wirklich mit offenen Augen immer wieder in die Lampe schaut. Der Abstand sollte 20 bis 40 cm betragen.

Selbst meine Therapeutin, die nicht depressiv ist, hat eine Tageslichtlampe die jedes Jahr wieder hervor geholt wird – vielen Menschen fehlt einfach die Sonne und es wird weniger Serotonin gebildet in der dunklen Jahreszeit.

[INFO] Halluzinationen und Pseudohalluzinationen

Jeder psychisch erkrankte Mensch, der seltsame Wahrnehmungen, Stimmen hören oder ähnliches erlebt hat, kennt die Frage: sind Sie sich sicher?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Halluzinationen:
die „echten“ Halluzinationen bei organischen Psychosen und Schizophrenie
und die „Pseudo“ Halluzinationen bei Borderline, MPS und dissoziativen Störungen.

Vorweg sei gesagt: nur weil man Pseudohalluzinationen hat, sind die nicht weniger furcht einflößend und beängstigend.

Halluzinationen: sind Erlebnisse, die nicht real existieren. Betroffene hören Stimmen, die nur für sie hörbar sind. Sehen Dinge, die nicht da sind. Riechen und schmecken etwas, was nicht begründbar ist. Der Betroffene ist aber felsenfest davon überzeugt und nicht durch Argumente zu beeinflussen,

Pseudohalluzinationen: können dieselben Empfindungen aufweisen. Durch zureden, Argumente und Realitätsprüfung wissen die Betroffenen aber, das das rational gesehen unmöglich ist. Sie sehen oder hören etwas, wissen aber, das das nicht da sein sollte oder das es nicht echt ist.

Halluzinationen treten meist bei schweren Psychosen auf, zum Beispiel bei bipolaren Störungen und Schizophrenie.
Pseudeohalluzinationen können Teil einer dissoziativen Störung sein, im Rahmen einer Borderline Persönlichkeit auftreten, aber auch bei „gesunden“ Menschen. Wer hat nicht schon mal seinen Namen rufen hören, wenn er allein zu Hause war?

Wie gesagt, nur weil „Pseudo“ Halluzinationen angezweifelt werden, was bei richtigen Halluzinationen nicht der Fall ist, sind sie nicht weniger belastend. Zumal die Inhalte der Halluzinationen in den meisten Fällen negative Inhalte besitzt (böse Stimmen, man sieht Blut, hat Angst usw).

Bei einem Aufnahmegespräch in einer psychiatrischen Klinik oder in einem anderen Diagnosegespräch wird häufig gefragt: Glauben Sie tatsächlich das die Stimmen (oder andere Halluzinationen) echt sind? Können Sie erklären, woher sie kommen?

Der Halluzinierende wird in seinem Wahn ein Konstrukt zur Erklärung aufgebaut haben, mit dem er seine Halluzinationen erklären kann. Zum Beispiel ist das die Stimme des Erzengel Micheals, der ihm Aufträge gibt, die er auf der Erde erfüllen muss, etc etc etc.

Bei Pseudohalluzinationen sagen die Betroffenen oft: ich nehme etwas war, aber eigentlich kann das nicht sein.

Danke

Danke für die zwei Tage dieser Woche. Wo ich aus Angst und vor lauter Wahrnehmungsstörungen nicht aus dem Haus gehen konnte. Wo mich die Depression aufs Sofa fesselte und selbst Tee kochen eine so große Anstrengung war, die ich kaum überwinden konnte.

Danke für das scheiß Gefühl, das ich durch dich hatte, danke für die Hoffnungslossigkeit und die Suizidgedanken.

Danke für das innerliche Absterben, die Ängste und die Gedanken daran, verrückt zu werden. Danke für die Stimmen, danke für die Panik in meinem Herzen, danke für das bitterliche Weinen, wenn keiner da ist.

Ich würde dich nicht vermissen, wenn du fehlen würdest.

Danke für nichts, du beschissene Krankheit. Danke, das du mein Leben zur Hölle machst.

Recht auf Hoffnung

Gestern hatte ich einen Termin bei meiner PIA Therapeutin. Sie hat nun begonnen an den Stimmen zu arbeiten. Zu erst hat sie alles abgefragt was die Stimmen betrifft. Wie sie klingen, was sie sagen, von woher sie kommen etc. Das war ganz schön anstrengend und belastend, deswegen ging die Sitzung nicht so lange.

Die letzten Tage war ich wieder ziemlich depressiv. Ich liege nur auf dem Sofa und schlafe und ich schaffe kaum, etwas zu erledigen. Mir geht es schlecht und ich sehe keinen Sinn mehr, ich habe Angst und fühle mich traurig. Ich weiß nicht mehr, ob diese Depressionen irgendwann besser werden, ob es irgendwann leichter und einfacher wird. Ich kämpfe schon so lange und es wird nie, nie, nie besser. Ich habe langsam keine Hoffnung mehr, das es jemals anders wird. Es ist einfach traurig.

Ich habe das Recht auf Hoffnung. Auf den Glauben, dass es anders und besser wird und ich irgendwann ein sorgloses Leben führe. Das ich nicht jeden Tag kämpfen muss und schon duschen und Zähne putzen unüberbrückbare Brigaden sind.