Danke

Danke für die zwei Tage dieser Woche. Wo ich aus Angst und vor lauter Wahrnehmungsstörungen nicht aus dem Haus gehen konnte. Wo mich die Depression aufs Sofa fesselte und selbst Tee kochen eine so große Anstrengung war, die ich kaum überwinden konnte.

Danke für das scheiß Gefühl, das ich durch dich hatte, danke für die Hoffnungslossigkeit und die Suizidgedanken.

Danke für das innerliche Absterben, die Ängste und die Gedanken daran, verrückt zu werden. Danke für die Stimmen, danke für die Panik in meinem Herzen, danke für das bitterliche Weinen, wenn keiner da ist.

Ich würde dich nicht vermissen, wenn du fehlen würdest.

Danke für nichts, du beschissene Krankheit. Danke, das du mein Leben zur Hölle machst.

Recht auf Hoffnung

Gestern hatte ich einen Termin bei meiner PIA Therapeutin. Sie hat nun begonnen an den Stimmen zu arbeiten. Zu erst hat sie alles abgefragt was die Stimmen betrifft. Wie sie klingen, was sie sagen, von woher sie kommen etc. Das war ganz schön anstrengend und belastend, deswegen ging die Sitzung nicht so lange.

Die letzten Tage war ich wieder ziemlich depressiv. Ich liege nur auf dem Sofa und schlafe und ich schaffe kaum, etwas zu erledigen. Mir geht es schlecht und ich sehe keinen Sinn mehr, ich habe Angst und fühle mich traurig. Ich weiß nicht mehr, ob diese Depressionen irgendwann besser werden, ob es irgendwann leichter und einfacher wird. Ich kämpfe schon so lange und es wird nie, nie, nie besser. Ich habe langsam keine Hoffnung mehr, das es jemals anders wird. Es ist einfach traurig.

Ich habe das Recht auf Hoffnung. Auf den Glauben, dass es anders und besser wird und ich irgendwann ein sorgloses Leben führe. Das ich nicht jeden Tag kämpfen muss und schon duschen und Zähne putzen unüberbrückbare Brigaden sind.

Meine eigenen Dämonen

In mir ist eine Welt zusammen gebrochen, als ich erfahren habe, das Locke schwanger ist. Ich dachte, an sie kommt keiner ran, wie soll ich es nur ohne sie schaffen, wie überbrücke ich die Zeit bis sie wieder kommt? Aber ihre Vertretung in der PIA ist einfach super. Punkt.

Wir reden manchmal wie Freunde, sie über ihre Probleme, ich über meine. Wir lästern über gewisse Menschen, wir reden über das Leben mit Behinderungen, wir lachen und philosophieren.

Sie meinte auch, die Borderline Diagnose bei mir sei völlig falsch. Sie ist DBT-Therapeutin und behandelt schwerpunktmäßig Borderliner. Sie kennt sich also aus.
Und nun, als ERSTE aller Therapeuten: sie möchte an den Stimmen arbeiten. Ich habe zum ersten Mal alles über sie erzählt. Ich habe gesagt, was sie mir erzählen. Wie ich beleidigt werde. Wie sie mir drohen meinen Freund umzubringen. Wie sie Andrés Stimme nach machen und laut nach Hilfe rufen, um mich psychisch fertig zu machen. Ich habe alles erzählt und sie hörte zu, und das wichtigste, sie verstand. Wir werden in der nächsten Sitzung an den Stimmen arbeiten und ich werde lernen damit zu leben. Sie sind ein Teil von mir, eine Tulpa, die ich erstellt habe. Sie sind meine Alpträume in Reinform. Sie sind meine Ängste, meine Sorgen, sie sind was ich nicht sein will.

Die Stimmen sind meine Dämonen, von denen ich besessen bin. Sie sind alles, was ich war, was ich bin, was ich sein werde. Wenn ich sterbe, werden sie mit mir sterben. Sie sind laut, sie sind leise, sie sind überall, sie sind hier, sie sind dort. Sie leben, sie sterben, sie atmen und tropfen durch die Fenster. Eva, mein Dämon. Demian, mein Dämon. In mir, um mich, an meiner Seite. Ewig.

Motivationsschub

Und dann kam er. Aus dem Hinterhalt. Ungeplant. Ich habe zum ersten Mal seit…ich weiß nicht, Jahren vermutlich, Dinge angepackt. Ich bin aufgestanden, habe geduscht, mir die Haare gewaschen, Zähne geputzt, mich geschminkt (wie lange habe ich das nicht mehr gemacht?!) und dann habe ich die Wäsche gemacht. Die Küche gereinigt. Aufgewaschen. Aufgeräumt. Das Katzenklo gemacht. Andrés Zeug weggeräumt. Den Couchtisch ausgemistet.

Das ist eine unglaubliche Veränderung. Die Wohnung ist ein Dauerzustand aus dreckig, unaufgeräumt und unordentlich und seit ich umgezogen bin hatte ich zum ersten Mal die Motivation das zu ändern. Vor allem konnte ich das alles hinter einander machen, ohne Pause. Einfach so. Wisst ihr wie krass sich das anfühlt? Nach 2 Jahren mal die Kraft für etwas alltägliches besitzen? Sich um sich selbst zu sorgen, ja, sich sogar zu schminken?

Zu Schulzeiten viel mir das alles nicht schwer. Da war ich jeden Tag toll angezogen und geschminkt, geduscht und frisiert. Seit der Psychose 2014 ist mein Zustand aber katastrophal. Ich war zu depressiv um mich um meinen Körper zu kümmern, ich habe selten Zähne geputzt und nur noch vor mich hin gelegen. Ich brauche ständig Pausen und muss mich ausruhen. Und dann dieser ungewohnte Schub. Ein krasses Gefühl.

Heute war ich denn wieder ziemlich ausgelaugt und habe auch einen Mittagsschlaf gemacht anstatt einzukaufen. Aber ich versuche jetzt weiterhin so motiviert zu bleiben und viel zu erledigen. Ich habe die Tage auch viel Hobbys gemacht. Gebastelt und gewerkelt, Weihnachtssterne fürs Fenster gemacht, meine Kräuter in Dosen eingeschlossen und konserviert, geräuchert und Kerzen angemacht.

Ich hoffe, ich kann das beibehalten.

[INFO] Wie komme ich an einen Therapieplatz?

Ich habe schon oft gehört, dass einige nicht wissen wie sie an einen Therapieplatz kommen, gerade wenn es ihnen akut schlecht geht. Ich gebe jedem von euch die ausdrückliche Erlaubnis diesen Post zu kopieren und damit anderen zu helfen!

Wie komme ich an einen Platz bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten?
Zu allererst empfiehlt es sich, eine Liste von psychologischen Psychotherapeuten in der Nähe/in der Stadt anzufertigen. Ihr könnt eure Krankenkasse danach fragen oder selbst bei Google suchen. Wenn ihr eine Auswahl habt, versucht die Psychotherapeuten ans Telefon zu bekommen. Meistens sind die Sprechzeiten von jeder vollen Stunde bis zum letzten Viertel –  daher sollte ein Anruf zwischen :45 und :00 Uhr der betreffenden Stunde sein. Da habt ihr die größten Chancen, den Psychotherapeuten ans Telefon zu bekommen. Oder ihr sprecht auf den Anrufbeantworter, dass ihr einen Platz auf der Warteliste möchtet und bittet um Rückruf.

Brauche ich eine Überweisung?
Nein. Früher war es so, dass man von seinem Hausarzt eine Überweisung zu einem psychologischen Psychotherapeuten brauchte. Das ist nicht mehr so. Ihr könnt einfach ohne Überweisung bei einem Therapeuten anrufen und einen Termin ausmachen.

Hilfe! Ich könnte erst in 6 Monaten (oder noch später) einen Termin bekommen!
Ruhe bewahren. Therapeuten sind oft überlastet und es gibt kaum freie Therapieplätze. Das heißt aber nicht, das ihr keine Hilfe bekommen könnt. Wenn euer Zustand akut sehr schlecht ist, ihr Selbstmordgedanken habt oder damit spielt, andere zu schaden, ruft sofort den Notdienst und lasst euch ins nächste Krankenhaus mit Psychiatrie einweisen.
Wenn ihr nicht akut gefährdet seid, aber einen Therapieplatz dringend benötigt, dann informiert euch über den Sozialpsychiatrischen Dienst eurer Stadt. Dieser ist für die psychosoziale und psychiatrische Versorgung der Stadt zuständig. Oft bekommt man dort sehr schnell einen Termin zur psychotherapeutischen Beratung (ggf. auch bei einem Psychiater oder Sozialpädagogen) und auch weiterführende Hilfen. Wenn ihr studiert empfiehlt sich auch die studentisch-psychologische Beratung.
Außerdem: einige Krankenkassen bieten an, dass eine Therapie bei einem privaten Psychotherapeuten begonnen werden kann, wenn kein Platz bei einem Kassen-Therapeuten zur Verfügung steht. Das sprecht ihr VOR dem Beginn der Therapie ab.
Entlastungen können auch Selbsthilfegruppen bieten, aber das ist nicht für jeden was.

Wann geht es los?
Wenn ihr einen Platz ergattern konntet und die Therapie los gehen kann, wird ein oder zwei Termine mit euch ausgemacht. Diese sind zum kennenlernen da, ihr könnt von euren derzeitigen Problemen berichten und was ihr euch von der Therapie wünscht. Die ersten 5 Sitzungen nennt man probatorische Sitzungen und sind zum gegenseitigen Kennenlernen gedacht. Erst danach wird der Psychotherapeut die Diagnose und einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse stellen.

Kostet mich das was?
Außer den monatlichen Gebühren an die Krankenkasse, die entweder durch eine Familienversicherung, über euren Gehalt oder andere Bezüge (EU-Rente, ALG2, ALG1, etc.) gezahlt werden, bezahlt ihr bei einem anerkannten Psychotherapeuten oder Psychoanalytiker nichts. Es gibt auch heilpraktische Psychotherapeuten, die eine Homoöpathische Ausbildung besitzen, diese sind privat zu tragen.

Wie lange geht die Therapie?
Wenn die 5 probatorischen Sitzungen vorbei sind, der Psychotherapeut die Behandlung einwilligt und die Krankenkasse die Kosten übernimmt, kann es los gehen. Am Anfang werden zumeist 25 Sitzungen beantragt. Diese können auf 50 Sitzungen verlängert werden. Danach wird oft nicht weiter bewilligt. Wenn ihr allerdings die Therapieform ändert (es gibt kognitive Verhaltenstherapie und Tiefenpsychotherapie oder Psychoanalytik) werden euch erneut 25-50 Sitzungen genehmigt. Danach folgt oft eine „Zwangspause“ durch die Krankenkasse, in denen man 2 Jahre warten muss, bis eine Therapie wieder bewilligt wird. Aber oft lernt man in den 50 Sitzungen schon genug, damit man alleine wieder zu recht kommt 🙂
Für schwere und chronische Erkrankungen gibt es im übrigen in psychiatrischen Krankenhäusern die sogenannten PIAs: Psychiatrische Institutsambulanzen. Diese sind sehr nah an die Kliniken angebunden, haben aber keine Beschränkung der Laufzeit und sind oft multi-professionell (mehrere Berufsfelder). Um in eine PIA zu kommen, muss ein gesonderter Antrag gestellt und bewilligt werden.

Brauche ich einen Psychiater oder einen Psychotherapeuten?
Ein Psychiater ist ein ausgebildeter Arzt in der Fachrichtung Psychiatrie und Psychotherapie. Psychiater verschreiben Psychopharmaka, die die Therapie unterstützen. Manche Psychiater bieten Gesprächstherapie an, aber allgemein lässt sich sagen, dass Psychiater für die medikamentöse Behandlung sorgen. Ihr solltet nach einem Psychotherapeuten schauen: diese bieten kognitive Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Verfahren an.

Fragen?
Stellt sie!

20. November

Am Montag wurde ich entlassen. Es war das übliche Prozedere. Aber diesen Schwank muss ich euch erzählen: die Oberschwester verabschiedete sich persönlich von mir und sagte: „Wenn Sie was brauchen, oder es Ihnen schlecht geht, Sie wissen, wo Sie uns finden.“ Dann in ich in die PIA, weil ich ein Rezept brauchte. Da ich aber erst entlassen wurde, ist dafür die Station zuständig. Also hoch, Oberschwester nach Tabletten gefragt: „Na das hätten Sie ja gleich sagen können! Wir sind davon ausgegangen, das Sie alles haben! Unmöglich!“

Merkste selber.

Die Woche war André zum Glück zu Hause und ich war somit nicht alleine. Ich habe die Kunsttherapie und Arbeitstherapie ausfallen lassen und erstmal versucht wieder zurecht zu kommen. Das gelang mir auch ganz gut. Wegen meiner Schlafstörungen habe ich Zopiclon bekommen und das Zeldox wurde erhöht wegen den vielen psychotischen Symptomen. Jetzt geht es mir auch wieder besser.

Ich hatte ein super Gespräch am Donnerstag mit der PIA-Thera. Über radikale Akzeptanz, die Unfairness, Sorgen und Nöte. Es tat gut auch mal zu jammern.

Ich lass dich nicht zurück 

Er lacht immer wieder kurz auf, zieht dann lang an seiner Zigarette und schaut zu mir. 

„Meine Freundin hat das auch gemacht“,  sagt er und zeigt auf meine Arme, „aber nicht so schlimm.“ 

Dann fängt er an zu weinen, ein tiefes, dumpfes Schluchzen. Über seine unrasiertsn Wangen rinnen Tränen und er keucht nach Luft. 

„Ich bin nach der Arbeit zu ihr gefahren, dann sah ich sie im Schlafzimmer. Ihre Augen waren halb geschlossen und ihr Mund stand offen, darum war schwarzes Blut.“

Er nimmt einen tiefen Zug an der glimmenden Zigarette, eine Träne weg wischend.

„Sie hat mich angerufen und gesagt: ‚ ich halte das nicht mehr aus! Ich nehme jetzt alles, was ich da habe!‘ Aber das hat sie öfters gesagt, ich habe es nicht ernst genommen. Dann rief ich den Notarzt und die Polizei, aber ich wusste, das es nichts brachte, es war schon zu spät.“ 

Er hat eine schwarze Jacke an, trägt eine Brille, sieht so normal aus. Er war bei Beratungsstellen, in einer Ambulanz für Alkoholiker, aber er musste trinken. Es sollte endlich bergauf gehen, er hatte Pläne, endlich schien es besser zu werden. Doch er betrank sich vollkommen, nachdem er sie gefunden hatte. 

„Du bist verlobt? Dein Freund wird sich sicher sorgen um dich machen.“ 

Er hat recht. Ich war oft davor. Ich habe Tabletten gesammelt, Rasierklingen gekauft, Fahrpläne für die S-Bahn raus gesucht. Aber ich hatte nie daran gedacht, wie es für andere ist. Wen ich zurück lasse. Was es bedeutet, den Mensch zu verlieren, den man am meisten liebt. 

Wir sitzen und gegenüber und nehmen beide einen kräftigen Zug an unseren Zigaretten. Es friert mich und ich halte meine eigenen Ängste zurück. 

Was, wenn ich an ihrer Stelle auf dem Bett gelegen hätte? 

Woche 1 – Psychiatrie 

Man weiß, dass man auf Station ist, wenn man sich nicht aufs Wochenende freut. Ich habe keinen Ausgang, ich bin in meinem Zimmer die einzige, die nicht raus darf, ich habe nichts zu tun. Die besten Voraussetzungen um das Wochenende zu verbringen. Zumindest kann André vorbei kommen. Dann bin ich nicht ganz allein. Aber es ist dennoch furchtbar langweilig. Ich kann Musik hören und zeichnen. Karten spielen. Aber mehr gibt es nicht auf Station. 

Ich werde die Zeit dennoch irgendwie rumbringen. Es wird vergehen. Nur in welcher Geschwindigkeit? Das ist die Frage. 

Zumindest geht es mir besser. Ich kann schlafen, die Medikamente wirken, ich bin ruhiger. Kaum mehr Ängste. Am Montag kann ich dann zum Glück gehen. 

Krise, achter Teil

Es ging dann doch alles schneller als geplant. Ich habe die Nacht kein Auge zu getan, starke Ängste, Stimmen, emotionale Labilität. Irgendwie habe ich dann bis um 8 durch gehalten und dann in der Pia angerufen – ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Ich habe einen Termin bei der Ärztin bekommen und ich war einfach so verwirrt und verzweifelt, dass ich als auch sie es für das beste hielten noch mal zur Krisenintervention auf Station zu gehen. (wodurch ich eine Wette verloren habe : ich wollte am Ende des Jahres eine Pizza ausgeben wenn ich es ohne Aufenthalt geschafft hätte. Ich denke damit habe ich bereits einen Vorsatz für 2017)

Jedenfalls bin ich nun auf der allseits bekannten Station 83 und versuche innerhalb der nächsten Tage zurecht zu kommen. Zumindest habe ich eine sehr nette Mitpatientin auf dem Zimmer und derzeit ist eine recht ruhige Belegschaft auf Station. Untersuchung und Arztgespräch war bereits, nun warte ich nur noch auf meinen Besuch (der mir meine Sachen bringt, daran habe ich natürlich nicht gedacht). 

It goes on

Okay, Krise doch nicht gebannt. Mist. Ich kann nicht schlafen, ich hab Angst, ich hab Suizidgedanken, ich hab Druck mit weh zu tun. Um mich abzulenken hab ich mit einer Freundin geschrieben, ganz laut Musik gehört, mich um mich gesorgt (Haare rasiert, Fingernägel gemacht), Skills, Skills, Skills.  Eine rauchen, zwei rauchen, drei Zigaretten rauchen, hoffen das es vorbei geht.

Abwarten.

Wahlergebnisse anschauen verunsichert mich noch mehr, also blöde Idee. Gechatted. Katze gestreichelt und aufgeräumt. Gebastelt.

Ich hasse Schlafstörungen, ich hasse Ängste, ich hasse diese bescheuerten Stimmen (ja, ich weiß das ihr da seid!), ich bin grad kurz vorm durchdrehen. Aber es geht weiter. Es geht immer weiter.