Negative Kommentare

Ich glaube jeder Mensch, der irgendwie in den sozialen Medien ist, hat es schon einmal erfahren: negative Kommentare. Ob man davon als Adressat betroffen ist, nur Leser solcher Kommentare oder man sogar vielleicht in der Rolle des Kommentierenden ist, es gehört fast schon dazu.

Glücklicherweise darf ich relativ wenige, negative Kommentare über meinen Blog, die Fernsehauftritte oder Ähnliches lesen. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mich nicht irgendwie betrifft. Im Gegenteil. Ich nehme es mir zumeist sehr zu Herzen.

Am Sonntag kam „Anna und die Stimmen im Kopf“ als Wiederholung im TV und wurde auf der Facebook-Seite des MDR vorgestellt mit einem Bild und einem Zitat aus der Doku. Stand jetzt (09.12.2025 um 16 Uhr) hat der Beitrag knapp 150 Kommentare und über 700 Likes. Und auch hier sind schätzungsweise 90 % der Kommentare aufmunternd, positiv und bestärkend. Ich habe aber für diesen Beitrag drei negative Kommentare exemplarisch als Screenshot für euch.

Ja, die Kommentare sind öffentlich und die Poster:innen haben ihren (Klar-) Namen über ihrem Beitrag stehen. Ich habe mich jedoch entschlossen, die Namen zu verpixeln.

Ich weiß nicht ob er/sie meinen MDR-Beitrag gesehen haben, doch ich denke, dass dem nicht so ist. Denn meines Wissens wurde dabei erwähnt, dass ich die Schule mit einem sehr guten Abitur abgeschlossen habe.
Ich habe dem/der Ersteller:in auch einen Kommentar da gelassen:

Ich bin zur Schule gegangen und habe ein einser Abitur geschrieben und studiere mittlerweile im Bachelor… Aber es gab Phasen in meinem Leben wo es nicht ging und ich bin dankbar dafür, dass diese Zeiten hinter mir liegen und ich nun ein relativ normales Leben führen kann.

Und selbst wenn ich weder Schul-, noch Ausbildungs- oder Studienabschluss hätte: es würde mich nicht weniger zu einem Menschen machen. Ich war viele, viele Jahre nicht im „System“, konnte nicht arbeiten und es stand im Raum, dass ich als Beschäftigte in einer WfbM anfange.

Ich leide nun einmal unter einer sehr schweren, chronischen Erkrankung. Und viele Menschen, die dieselbe Diagnose teilen, können keinen Abschluss machen und arbeiten. Das liegt nicht daran, dass sie faul sind oder Sozialschmarotzer, sondern eben krank.

Als ich meine Diagnose erhielt, habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, Bücher über die Erkrankung zu lesen und habe auch viel Zeit im Internet verbracht. Es gibt leider nur wenige deutschsprachige Blogs über Schizophrenie, bei Instagram und TikTok mittlerweile etwas mehr Creator:innen. Das andere Menschen diese Erkrankung öffentlich machen, hilft Betroffenen wie Angehörigen meiner Meinung nach sehr. Natürlich muss niemand Außenstehendes gut finden, was ich tue. Aber die positiven Kommentare bestätigen eigentlich, dass meine Arbeit wichtig und wertvoll ist und ich kann stolz behaupten, dass ich schon vielen Menschen helfen konnte, sei es über meine Aufklärungsarbeit, meine Öffentlichkeitsarbeit oder im persönlichen Kontakt.

Puh. Ich muss sagen, dass hat mich wirklich etwas getroffen.

Hier noch einmal, warum ich das hier überhaupt tue: Schizophrenie ist eine (noch immer) stark tabuisierte und stigmatisierte Erkrankung. Viele Betroffene und deren Angehörige verstecken sich, denn die Reaktionen, die sie erfahren, sind geprägt von Vorwürfen und Unverständnis. Schizophrene gelten als gefährlich und sind eine Gefahr für die Gesellschaft.

Mein engeres Umfeld betrifft meine Erkrankung natürlich am meisten. Es gab schon so viele schwierige Zeiten, in denen insbesondere André als auch meine Familie an ihre Grenzen gekommen sind.

„Breittratschen“ hilft aber Menschen: ich erreiche ebenfalls Betroffene, kann zukünftige Pflegefachkräfte und Polizisten schulen im Umgang mit Schizophrenen, kann aber auch dem „Otto Normalverbraucher“ etwas über eine Lebensrealität unterrichten, mit denen nicht viele Menschen Kontakt haben.

Ich danke jedem, der mich auf meinem Weg begleitet, meine Artikel liest und teilt. Meine Doku anschaut, meinen Blog aufruft und auch Mails an mich verfasst.

Und den anderen 90 %, die schöne, positive und wertschätzende Kommentare hinterlassen – Danke für eure Unterstützung.

7 Antworten auf „Negative Kommentare“

  1. Hallo liebe Anna

    Ich finde es immer wieder traurig, wie Menschen andere Menschen verletzten, egal ob gewollt oder ungewollt. Gerade in Facebook fällt mir auch vermehrt auf, wie die Leute sich gegenseitig beleidigen und runterziehen.

    Versuch die Kommentare nicht mehr ganz an dich ranzulassen. Du bist eine wundervolle Person. Vergiss das bitte nicht 🙂

    Liebe Grüße

  2. Ich finde, dass du dich hier überhaupt nicht erklären musst.
    So kommentieren nur Menschen, die eben in der Materie nicht drin stecken und wie immer gilt: Niemand hat sie ja gezwungen den Beitrag anzuschauen oder den Hinweis dazu auf der WDR Seite zu lesen. Wenn es sie nicht weiterbringt oder sie es nicht verstehen oder gar gut finden, dann sollen sie es einfach ignorieren und gut ist.
    Das finde ich immer viel weniger nachvollziehbar und es zeigt mir jedes Mal wieder, dass manche Menschen einfach nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen.
    Es gibt genug andere Sachen da draußen, die sind so viel belangloser und teilweise wirklich fragwürdig, da sollten sie diese Energie lieber dort hinein investieren.

    Du sagst selbst, dass es dir hilft, wenn du andere findest, die ihren Weg teilen, um vielleicht auch dich selber besser zu verstehen und wenn du eben genau diese Hilfe auch anbieten möchtest, dann ist das toll und es ist manchmal wirklich wichtig gewisse Krankheitsbilder greifbarer zu machen, um sie verstehen zu können. So viele Krankheiten sind für Außenstehende unsichtbar.

    Aber ich verstehe dich auch, dass es dich dennoch verletzt und man eben doch das Bedürfnis hat sich zu erklären. Es trifft einen. Immer, egal wie gefestigt man ist.

    Fühl dich gedrückt.

  3. Hi Anna,
    Das Schreiben doch immer Leute, die es nicht betrifft…die gar keine Ahnung haben und nicht wollen, das dass öffentlich gemacht wird.

    Was Du tust, ist Aufklärungsarbeit ubd Du stehst auch dahinter, dazu gehören leider auch diese Kommentare, die aber nur Shitstorm sind! Die gehen nicht in deinen Schuhen ubd gerne können die ja mit dir tauschen.

    Was DU geschafft hast ubd durch machst, hab ich den größten Respekt. Ich selber habe kPTBS, ADHS, Persönlichkeitsstörung und Depressionen Ängste. Aktuell afbdkte ich schon seid 2 Jahren nicht mehr, ich habe kein Abitur…nur ein anerkannten Realschulabschluss…ich habe es auch ziemlich hart, habe eine Betreuung…ich hoffe ich schaffe es wieder zu arbeiten!
    Deine Öffentlichkeitsarbeit macht Mut! Gibt Hoffnung, dass sich was dreht und bewegt…lassen wir diese Leute reden und gehen unseren Weg.

    Mir hilft diese Frage…die Menschen die sowas sagen…würden sie an meinem Grabstein stehen? Nein…dann sind sie egal.

    Bleib stark…das bist du schon.

  4. Es tut mir leid, dass diese Menschen meinten, öffentlich über dich urteilen zu müssen. Und wir müssen da auch nicht immer „über den Dingen stehen“, wenn uns solche negativen Kommentare treffen.

    Gleichzeitig stärken dir die 90% positiven Rückmeldungen zu Recht den Rücken. Ich hoffe, dass du dich auch weiterhin nicht davon abhalten lassen wirst, ein öffentlichen Bewusstsein für deine Erkrankung (und die vieler anderer) zu schaffen. Darüber zu reden, hilft auch auf lange Sicht gegen das Genörgel.

    Liebe Grüße und alles Gute
    Angela

  5. Hallo Anna!

    Ich finde es sehr gut, dass du dieses Thema nach außen trägst. Ich für meinen Teil habe keine Berührung zum Thema, aber es hilft mir, mich auf den Moment vorzubereiten, an dem es eben diese Berührung geben wird.

    Lass dich von den negativen Kommentaren nicht entmutigen. Es gibt so viele positive Reaktionen, die dir den Rücken stärken.

    Alles Gute für dich und vielen Dank für deinen Mut!

  6. Hi,Respekt für die Doku in der ARD Mediathek beziehungsweise deiner Öffentlichkeitsarbeit.Da fühlt man sich irgendwie Safe und aufgehoben, wenn man mit solchen Dingen nicht alleine ist. Bei mir zieht sich da vieles wie ein roter Faden durch, seitdem ich 17 bin. Jetzt bin ich 42. dazu bin ich blind und hab damit schon genug Entbehrungen. Meine Episoden kommen aber nur, wenn ich zu viel gekifft habe. Ich habe es auch gern schon heraufbeschworen, weil Psychosen ja streckenweise leider geil sind, zumal ich zum kreativen Typus gehöre, meines Zeichens Musiker. Also gut und gern einen am Brett.🙂 Letzten Monat hätte mich ein Impuls, aber beinah von meinem Balkon getrieben, weshalb ich mal knapp über eine Woche Urlaub in der Psychatrie machen musste. Daher lass ich die Kräuter jetzt weg und gehe auch wieder arbeiten. Ich weiß ja nicht, wie lange der Dreh her ist. Aber, das mit der Fleppe packst de, passt in die Welt, dein Fahrlehrer und du auch.😎 Liebe Grüße aus Erfurt

  7. Zu Ende gucken ist von Vorteil. Wegen dem Führerschein, meinte ich den Commi brauchst du aber nicht zu veröffentlichen. Herzlichen Glückwunsch dazu und bei allem anderen, was ich hier gleich noch in der Doku bewundern darf. Sehr schön, wie du deinen Streifen durchziehstUnd noch mal ganz liebe Grüße😎 PS und wenn du Bock hast, guckst du mal in mein Insta rein.

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