Tage wie diese…

Eigentlich sollte es mir gut gehen. Ich bin endlich wieder frei. Das Klinikmonster hat mich nicht mehr zwischen seinen Fängen, umschließt und versperrt mich nicht mehr. Ich kann gehen, wohin ich will, ich kann lachen, tanzen, mich unbeschwert fühlen. Endlich!
Warum kann ich es dennoch nicht? Was hindert mich daran, genau dies zu tun? Zu lachen, zu tanzen, mich unbeschwert fühlen? Ich bin immer noch gefangen. Nicht durch das Klinikmonster. Durch mich selbst.
Fragt man mich, wo ich stehe – auf einer Skala von 1 bis 10 – müsste ich ehrlich antworten: 7. Wenn 10 sehr schlecht bedeutet und 1 hingegen sehr gut. Ich weiß nicht, wie ich mich von dieser 7 lösen soll. Damit es besser wird. Die Stimmung ist immer gedrückt und mir fällt es schwer „schwingungsfähig“ zu sein. Zu reagieren auf meine Umwelt, auf Gefühle, auf das Wetter, auf alles, was mir tagtäglich passiert. Warum bin ich nur so verklemmt? Was könnte ich ändern, damit es mir besser geht? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Diese Frage löst in mir nur Unbehagen aus. Ich weiß es einfach nicht.
Sehe ich in den Spiegel blickt eine Fremde zurück. Ich erkenne mich nicht wieder. Sehe nicht die junge Frau darin, sondern meine Fehler, meine Schwächen, meine Probleme.
Psychose. Borderline. Schizophrenie. Was bin ich dahinter? Welcher Mensch ist das, der damit zu kämpfen hat?
Bin ich hinter dieser Wand aus Diagnosen noch immer ich?

Eine Antwort auf „Tage wie diese…“

  1. Liebe Anna,
    vielleicht gefällt Dir das Gedicht ja. Baudelaire beschreibt da ja eine gute Art der Teichoskopie…Und mein Eindruck ist, dass Du dies auch drauf hast! Guck doch später nochmal, ob Du etwas hinter der Wand siehst… Nur Mut!
    Charles Baudelaire: Eine Erscheinung
    In Höhlen unerforschter Traurigkeit
    Wohin mich die Geschicke feundlich stiessen,
    Wo niemals rosige Strahlen sich ergiessen,
    Wo nur die mürrische Nacht mir Freundschaft leiht,
    Bin ich ein Maler, den ein Gott im Scherz
    Verdammt zu malen, ach! in dieser Wüste;
    Bin ich ein Koch voll grausiger Gelüste,
    Ich siede und verzehr‘ mein eignes Herz.
    Nur manchmal strahlt und wächst aus tiefster Nacht
    Ein Wesen, das aus Glanz und Duft gedichtet;
    Wenn in des Ostens träumerischer Pracht
    Es sich zu ganzer Höhe aufgerichtet,
    Hab‘ ich das holde Rätsel schnell enthüllt:
    Sie ist es! Dunkel, und doch glanzerfüllt.

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