Halbzeit 

Ich habe tatsächlich die Halbzeit der Reha hinter mir. 

Am Anfang dieser Woche war mir leider die Therapien zu viel. Gestraft wurde ich mit Frühwarnzeichen, weswegen ich dann etwas Ruhe eingeplant hatte. Die Psychologin war sehr nett und verständnisvoll. Am Mittwoch und am Feiertag hatte ich deswegen kaum Termine. Heute stand Gruppenvisite an, Entspannungsbad und Ergotherapie. 

Das Melissen – Entspannungsbad tat richtig gut. Es half mir auch runter zu fahren. Von der Einzel-Ergo war ich etwas enttäuscht, da ich eigentlich alleine vor mich hin gebastelt habe und die Therapeutin in einem anderen Raum war. Ich habe einen Traumfänger gemacht. Nächste Woche ist malen eingeplant. Darauf freue ich mich, aber ich habe verhältnismäßig wenig Ahnung vom malen, weswegen ich auch etwas Angst habe. Grafik liegt mir eben mehr. 

Am Sonntag kommen meine Eltern, Andre ist im Urlaub und kommt deswegen nicht. 

Ich denke ich werde morgen mal in die Stadt laufen und Kaffee trinken gehen. Das Wetter ist auch so schön, das werde ich genießen. 

Reha – Klinik – Woche 1, Tag 1

Heute morgen um acht saß ich auf gepackten Koffern. Mein Bruder und meine Schwester holten mich mit dem Auto ab und auf ging es nach Bad Gottleuba in die Klinik. Ich habe eine medizinische Reha zur Psychose – Nachbehandlung. 

Ich wurde gleich nach der Ankunft von einer Schwester abgeholt, die mir erst mein Zimmer und das Haus zeigte, als auch eine kurze Anamnese machte. Dann hatte ich einen Aufnahmtermin bei der Ärztin. Die war leider nicht so wirklich kompetent, wollte mir weiß machen das meine Arbeitsunfähigkeit zu Unrecht ist, und ich solle mir doch einen leichteren Job als Informatiker suchen – ihr Vorschlag war Ergotherapeut, das ist ja auch sooo toll wenn man krank ist, ist ja nur ein wenig basteln… Ich hätte am liebsten was gesagt, aber man beißt nicht die Hand, die einen füttert. 

Dann war auch schon das Programm für heute beendet. Im Speisesaal wo mehrere Stationen zusammen essen, würde ich eingeführt und ich konnte mein Essen bestellen für die nächsten Tage. 

Ich habe ein sehr cooles Einzelzimmer mit Fernseher, Bad und schönem Ausblick. So lässt es sich aushalten. Ist ja schließlich keine geschlossene Station, sondern Reha. 

Morgen habe ich meinen ersten Termin bei meiner Bezugstherapeutin und bekomme einen Paten, einen Mit-Patienten der mir am Anfang hilft. 

Jetzt Ruhe ich mich erst mal aus, dusche und mache mich fertig für morgen. Morgen muss ich 6 Uhr zur Blutentnahme und zur Schwester. Mal sehen wie das wird. 

I’m free

Heute gegen 9 Uhr habe ich die Klinik verlassen. Mit zwei Tüten, Rucksack, Tasche ging es nach Hause.

Ich bin gerade richtig froh und erleichtert, weil meine Toleranzschwelle durch eine Mitbewohnerin sehr herausgefordert wurde. Ab um 4 Uhr hörte sie ohne Kopfhörer laute Rap-Musik mit fraglichen Inhalten. Dann war sie bis um 6 Uhr im Bad zugange, mit Föhnen, glätten und laut duschen. Ich habe demnach schlecht geschlafen, weil es einfach überhaupt nicht ruhig zu ging.

Meine andere Mitbewohnerin war ebenso genervt und hat das Zimmer gewechselt.

Ich durfte ja gehen. Im Arztbrief steht die paranoide Schizophrenie als Diagnose und Panikstörung als weitere Erkrankung, Depression wie ich dachte gar nicht aufgeführt.

Nun habe ich auch den neuen Medikamentenplan mit dem Clozapin. Am Dienstag bin ich bei meine PIA-Ärztin und am Donnerstag bei meiner Therapeutin.

Ansonsten habe ich wieder Kunsttherapie bis zur Reha und muss noch zum Sozialamt, Sozialhilfe beantragen.

Das Ende naht

Es geht aufs Ende meines Aufenthalts zu. Heute hatte ich ein kurzes Gespräch mit dem Oberarzt, wo wir die Entlassung besprochen haben. Ohnehin, ich werde ja nicht ganz entlassen, sondern bin ja ambulant regelmäßig zum Termin. Meine Ärztin und meine Therapeutin sehe ich ja wirklich oft – in der PIA habe ich mehr Kontakt zu Gesprächen als hier auf Station.

Außerdem habe ich am Wochenende vor Beltaine zu feiern in einem Ferienhaus außerhalb Dresdens. Das wollte ich natürlich auch auf keinen Fall verpassen. Umso froher bin ich, dass ich dabei sein kann.

Und mit großen Schritten nähert sich die Reha zu. Am 16.5. ist es soweit, geplant wie ich dorthin komme ist schon erledigt.

Jetzt nur noch 3 Wochen durchhalten, in denen wirklich viel passiert. Ich hoffe ich bin soweit weiterhin stabil.

1 Million

Heute, nach 2 Jahren und 3 Monaten habe ich es geschafft: 1 Million (!!!) Aufrufe!

Danke Leute!

17. April

Nun ist das Oster-Wochenende auch schon wieder vorbei. Ich hatte das große  Glück an allen vier Tagen Urlaub zu bekommen, weswegen ich eigentlich nur zum schlafen in der Klinik war. Am Samstag war ich bei meiner Löwen-Familie in der Heimat, die restlichen Tage bei Molli in Dresden. Es war sehr entspannt und ruhig, eine Auszeit von der Klinik tat gut.

Morgen geht dann wieder der tägliche Klinik-Wahnsinn los und mit ihm die Therapien. Ich hoffe das ich nächste Woche auch endlich mal Psychotherapie bekomme – bisher war immer irgendetwas, was das verhindert hat. Aber es wäre mir sehr wichtig noch Gespräche zu haben, da es sonst ja auch recht sinnfrei ist…

Mit dem Clozapin komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Ja, die Nebenwirkungen nerven, aber damit muss ich lernen zurecht zu kommen. Ich denke, dass pendelt sich auch ein nach einiger Zeit.

Silver Lining

Das Beste am Dasein als Drehtür-Patient sind die Freiheiten. Wenn einen die Ärzte und Co. erst einmal kennen und wissen, dass man nicht abhaut oder Mist anstellt, kann man täglich Ausgang bekommen. Das heißt nach Therapieende bis Abend nach Hause oder in die Stadt gehen. Am Wochenende sogar den ganzen Tag. Das ist gerade mein „Silver Lining“, nach Hause zu André und meiner Katze Molli. Sie vermisse ich, aber wenn ich zu Hause bin spielt sie Bob der Streuner und setzt sich auf meine Schulter, weicht mir nicht von der Seite.

Das Clozapin wird täglich erhöht, bisher vertrage ich es gut. Die Nebenwirkungen sind erträglich und werden auch Tag für Tag geringer, trotzdessen das die Dosis steigt.

Heute hatte ich Psychoedukation für Psychose-Patienten, was mich viel Konzentration forderte, da es eine Stunde lang ging. Danach war nur noch Ergotherapie, wo ich Enkaustik gemacht habe. Nachmittags bin ich dann nach Hause, aber etwas gewerkelt fürs Wichteln und um André und Molli zu sehen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Ich habe nun seit 10 Tagen Clozapin in meinem Medikamentenplan. Die ersten Tage war ich so müde, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Dazu der nie endende Speichelfluss im Schlaf – ich schlafe nur noch mit Handtuch über dem Kissen, da sonst alles nass wird. Als Begleiterscheinung noch Durst und Mundtrockenheit, Hautprobleme wie eingerissene Mundwinkel und Nasenbluten. Natürlich ist das nicht schön oder angenehm. Aber, und das ist das wichtigste, mein Kopf und Geist fühlen sich so ruhig und entspannt an. Ich habe keine Gedanken mehr die mir in den Kopf gespritzt werden (fremde Gedanken), meine Sehstörungen sind deutlich vermindert, ich kann mich konzentrieren (das heißt auch, dass ich endlich wieder lesen kann!) und und und. Die Stimmen sind auch etwas leiser, bzw. Kommen viel seltener. Ich habe ein richtig gutes Gefühl mit diesem Medikament. 

Ich durfte dadurch, daß ich es so gut vertrage, am Wochenende nach Hause. Mufasa und Löwenherz waren am Sonntag da und wir haben uns die Reha Klinik angeschaut, in Die ich im Mai komme. Wirklich eine sehr schöne Anlage, auch wenn es etwas verwinkelt ausschaut, ich denke aber das regelt sich mit der Zeit und ich finde alles. 

Nächste Neuigkeit: ich weiß nicht ob ich explizit dazu schon mal etwas geschrieben habe, aber meine erste Psychose ging ja zu lasten einer engen Freundin. Als ich 2015 stationär war, brach ich den Kontakt zu ihr völlig ab und habe ihr damit sehr vor den Kopf gestoßen. Sie hatte ja nichts falsches getan, in meinem wahn war sie aber meine Todfeindin. Und nun, nach zwei Jahren stillstand, haben wir wieder Kontakt, verstehen uns wieder gut und haben uns entschuldigt. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Ich hatte so viele Träume von ihr, weil ich nicht damit leben konnte das meine Krankheit diese Beziehung zerstört hat. Und nun habe ich mich endlich entschuldigen können. 

Neues aus der Anstalt

Gestern war dann die lang ersehnte Visite beim Oberarzt. Der erinnerte sich übrigens an mich – ich war kurz vor dem ersten Aufenthalt in Friedrichstadt bei ihm in der Praxis. Das war Herbst 2014. Irgendwie seltsam, dass er sich an meine zwei Besuche und meine Notfall-Einweisung erinnerte. 

Jedenfalls steht der Plan des Aufenthalts fest. Das neue Medikament wird Clozapin sein. Ich kannte dieses noch nicht, als er mir es vorschlug. Allerdings bereitet mir die Vorstellung, bald jenes zu nehmen, etwas Bauchschmerzen. Die Wirkung und die Nebenwirkungen klingen wirklich heftig. Die ersten 18 Wochen muss ich wöchentlich zur Blutentnahme, weil sonst Lebensgefahr besteht durch eine Blutbildveränderung. Es macht müde, das wird wieder schwierig sich an so einen „Holzhammer“ zu gewöhnen. 

Heute musste ich viele Untersuchungen über mich ergehen lassen,um sicher zu stellen das ich dafür gesund genug bin. EEG, Urinprobe, Blutentnahme, Temperatur, Blutdruck,… Ich war bei keiner Therapie, weil ich nur unterwegs war. Dieses Wochenende darf ich auch nicht nach Hause, weil es noch diese Woche eingeschlichen werden soll. Ich soll mich auf Schwindel, Ohnmacht und Magenbeschwerden einstellen. Ich habe vor diesem Medikament gerade richtig Angst. Es klingt furchtbar negativ…. 

Aber, und das ist der Grund : es ist nur für Patienten zugelassen die eine therapieresistente Schizophrenie haben und innerhalb eines Jahres 2 Medikamente nicht vertragen haben. Das passt, da ich letztes Jahr erst Risperidon und dann Ziprasidon probiert habe. 

Ich werde natürlich berichten wie es mir unter dem Clozapin geht. 

Wenn jemand damit Erfahrungen hat, würde ich mich freuen davon zu hören (per Kommentar oder Mail). 

Rückschritte

Ich bin seit einer Woche wieder stationär. Es wird ein längerer Aufenthalt, da vermutlich meine Medikamente verändert werden. Es war dieses Mal sehr schwer die Situation zu akzeptieren das es nun so ist, wie es ist. Ich wollte nicht Stationär, aber mir ging es so schlecht das es nicht anders ging. Die Stimmen gröhlen Versager, und ich weiß sie haben recht. Derzeit geht es mir auch körperlich nicht gut. Ständig Kopfschmerzen und Übelkeit. Meine Blutwerte waren auch schlecht, das Kalzium erhöht. Ich weiß noch nichts genaueres, aber ich habe Angst das das für eine schwerwiegende Krankheit steht. 

Ich bin wieder auf der Station 83, dieses Mal geht es aber. Ich habe das Gefühl es wird sich gut um mich gekümmert. Die Ärzte und Pfleger sind nett. Heute hatte ich Visite und habe meinen (sehr leeren) Therapieplan bekommen. Jeden Tag einmal Handwerk und Schizophrenie – Gruppe am Mittwoch. 

Auf Arbeit habe ich Bescheid gegeben, ich hoffe sie verstehen das. Der Führerschein muss auch erst mal warten. Zumindest darf ich ins Gelände ab dem zweiten Tag, gerade da das Wetter so schön ist. Meine Schwester und ihr Freund und André waren auch schon da, genauso meine Eltern bevor sie in den urlaub gefahren sind. 

Rainer Maria Rilke
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. 
Sie sprechen alles so deutlich aus: 
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, 
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, 
sie wissen alles, was wird und war; 
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; 
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. 
Die Dinge singen hör ich so gern. 
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. 
Ihr bringt mir alle die Dinge um.