FREU-Post

Heute kommt der FREU-Post. Ich habe heute meine theoretische Fahrprüfung  bestanden mit nur einem Fehler. Ich bin sehr stolz auf mich, trotz riesen Prüfungsangst bestanden zu haben. Nun geht es also langsam vorwärts – im wahrsten Sinne des Wortes – und bald werde ich fahren lernen.

Hop oder Top

Nun bin ich schon zum dritten Mal in der Arbeitstherapie gewesen. Zeit für ein Fazit! Die letzten beiden Tage habe ich Schmetterlings-3D Bilder gewerkelt, Vorlagen erstellt, klitzekleine Schmetterlinge ausgedruckt und mit viel Spucke und Hingabe auf Karton plaziert. Nicht gerade, was ich mir vorstellte, aber immer noch okay. Ein wenig nervt mich das Ganze, aber wer will, das es weiter geht, muss mitmachen. Ich habe ja schließlich ein Ziel: Ausbildung.

Morgen kommt entweder in FREU-Post oder ein JAMMER-Post. Weswegen erfahrt ihr spätestens morgen. Also, dran bleiben 😉

28 . Juli

Gestern hatte ich den ersten Therapietag in der Arbeitstherapie. Anfangs hatten wir eine Gesprächsrunde, wo die anderen Teilnehmer ihre Ziele besprochen haben. Danach wurde ich eingeführt im Kreativ-Bereich. Ich hatte zur Aufgabe einfache Arbeiten in Word zu erledigen und dann eine komplexe Aufgabe in Excel. Da musste ich auch zweimal nachfragen, weil ich es nicht konnte, und das lief gut. Ich habe mit dem Therapeuten ausgemacht, das ich mithilfe von zwei Karten (gelb und rot) zeigen soll ob ich Probleme habe oder ob es mir nicht gut geht.

Heute hatte ich meta kognitives Training zum Thema Psychose und Depression. Ich mag die Gruppe wirklich, obwohl ich die Therapeutin die das leitet in der Einzelsitzung nicht so sehr mochte.

Lebewohl

Seit Samstag fraß sie nichts mehr. Selbst beim aufstehen taumelte sie, fiel zur Seite. Dann trank sie nichts mehr und war vollkommen abwesend. Ihre Haut hing herunter, sie war apathisch, ging nicht mehr aufs Klo. Beim Tierarzt war sie zu schwach um sich gegen die Untersuchung zu wehren. Dann die erschütternde Diagnose: Nierenversagen.

Meine kleine Maus, Molli, wurde gestern erlöst. Sie wurde nach eingeschläfert, da ihre Nieren kollabiert sind. Voller Tränen verabschiedeten wir sie in das Leben nach dem Tod.

Ich trauere, aber ich komme zurecht. Mein Engel wird es dort, wo sie jetzt ist, besser haben.

Die zweite Chance

Am Mittwoch war das Gespräch, auf welches ich lange gewartet habe. Zusammen mit meiner Therapeutin und dem Sozialarbeiter der PIA. Die Frage war, wie es nun weiter gehen soll. In weiter Ferne ist das Ziel Ausbildung im Berufsbildungswerk, aber wie komme ich dort hin? Die Reha-Klinik empfahl RPK (Reha für Menschen mit psychischer Krankheit), welche aber ich schon letztes Jahr machen sollte. Schon damals riet man mir davon ab. Also weiter Ideen suchen. Und der Sozialarbeiter meinte, ich solle es noch einmal mit der Arbeitstherapie versuchen, allerdings bei einem anderen Anbieter. Der erste Versuch Arbeitstherapie, welche ich letztes Jahr von Oktober bis Anfang Januar absolvierte,  war ja daran gescheitert das ich viel zu wenig gefordert und gefördert wurde, mit der Konsequenz das ich immer frustrierter wurde. Ich war in einer Gruppe, die auf Werkstätten für behinderte Menschen vorbereitet wurde. Ich hatte nur eintönige und langweilige Aufgaben, die mich total unterforderten.

Ich habe einen Termin bei dem anderen Träger für Mittwoch ausgemacht. Am Donnerstag habe ich dann wieder einen PIA Termin, ich hoffe meine Thera freut sich darüber, das ich den Schritt zum Informationsgespräch selbst gegangen bin.

Sommergefühle

Im Sommer geht es mir meist gut. Ich tanke Sonne, um möglichst viel Vitamin D und Serotonin zu bilden und so der Depression einen Schritt voraus zu sein. Ich schaffe vieles, ich gehe schwimmen, ich sitze im Park und höre Musik. Es läuft gut derzeit, ja, aber ich warte nur auf den nächsten Einbruch. In der PIA werden wir bald besprechen wie es weiter geht, mit dem Sozialarbeiter.

Währenddessen fliegt meine persönliche Sozialpädagogin, meine Schwester, ins Ausland und ich habe Angst davor. Es ist nicht einfach, es wird schwerer ohne sie. Drei Monate ist sie weg.

Ich kämpfe derzeit verstärkt gegen den Druck der Selbstverletzung. Ich weiß nicht woher das auf einmal kommt. Bisher lief es gut.

15. Juni

Jetzt bin ich schon wieder eine Woche zu Hause in Dresden. Der Alltag hat wieder begonnen, meine regelmäßigen Termine schaffen mir Tagesstruktur. Es geht mir soweit gut. Ich bin derzeit fast psychosefrei – dank des Clozapins. Stimmen nur noch ganz selten und leise, Gedankeneingebungen auch weg. Meine Gedanken sind klar und strukturiert. Wie gut sich das anfühlt!

Ich war mit meiner Schwester bereits im Freibad, was wir gerne noch mal machen, bevor sie beruflich ins Ausland geht. Das sind wieder einige Monate und ich bin traurig, dass sie nicht da ist. Aber es ist sicher, dass sie wieder nach Deutschland kommt – denn da wartet ihr Freund, genauso wie ich.

Ich muss mich noch kümmern um meine weitere Finanzierung, Sozialhilfe oder Rente. Es fällt mir nicht einfach, aber ich werde das schon schaffen.

Im Trend: Fidget Spinner

Es kommt ja nicht oft dazu, das ich etwas über Trends berichte. Einfach, weil das meiste nicht mit dem Thema meines Blogs korreliert. Nun hat aber ein Spielzeug einen Trend hervorgerufen, welches mit psychischen Störungen wirbt. Die Rede ist vom sogenannten Fidget Spinner. Das ist ein Spielzeug, welches sich durch ein Kugellager dreht und zwischen den Fingern gedreht, geschwenkt und geworfen wird. Dabei behaupten die Hersteller, dass der Fidget spinner gegen Nervosität bei ADHS und Autismus helfen kann. Über die Wirksamkeit bei beiden Erkrankungen kann ich nur mutmaßen, da ich keinen Betroffenen kenne, der mir das bestätigen kann und ich selbst nicht betroffen bin. 

Allerdings kenne ich mich mit Nervosität und Angst gut aus. Bei mir äußert sich das vor allem als selbst verletzendes Verhalten an den Fingern. Sogenannte Dermatillomanie, das aufkratzen von der Haut an den Nägeln und kleinen Wunden, ausserdem das abreißen der Nägel bis es blutet und einwächst. 

Den Fidget spinner habe ich dagegen in der Klinik bei einer Mitpatientin, die Borderline hat, kennen gelernt. Sie nutzte den Fidget spinner als Skill gegen hohe Anspannung. Ich war von Anfang an begeistert und habe darauf hin einen günstigen auf Amazon gekauft – für gerade mal 3€. 

Ich selbst nutze das Teilchen seit knapp 2 Monaten. Und mittlerweile nehme ich es automatisch aus meiner Tasche um damit zu spielen wenn ich merke, daß ich nervös werde. Ergebnis : keine neuen Verletzungen an den Fingern, weniger Nagelschäden und verbesserte Selbstbeobachtung. 
Es gibt noch keine Studien zu dem Thema, aber ich denke der Wirkbereich des fidget spinner ist viel größer als vermutet. 

Ich mutmaße, das das Spielzeug helfen kann bei… 

  • Hoher Anspannung (zum Beispiel bei emotional – instabiler PS)
  • Selbstverletzenden Verhalten, vor allem dem kratzen an den Fingern
  • Angst und Panikzuständen
  • Konzentrationsproblemen

Ich kann jedem nur empfehlen, es mal auszuprobieren. Auf Amazon gibt es die Fidget spinner bereits für 2-3€, im Spielzeugladen sind sie bedeutend teurer. Und falls das Spiel nicht den gewünschten Effekt erzielen sollte, kann man ihn immer noch an den kleinen Bruder, Neffe oder das Patenkind verschenken. 

Das Ende naht

Die letzte Woche in der Reha ist abgebrochen. Zum Glück wurden einige Behandlungen raus genommen, sodass ich die letzten Tage relativ Stress frei verbringen kann. 

Zeit für ein Fazit. Die ärztliche Behandlung war leider nicht so gut wie erwartet. Ich hatte ganze zwei Arzt-Kontakte, wovon einer das Abschlussgespräch war. Leider musste ich auch fast zwei Wochen warten, bis meine Anämie behandelt wurde mit Tabletten. Die betreuende Ärztin fand ich außerdem unmöglich von ihren Ansichten her. 

Dafür war die psychologische Betreuung wirklich gut. Die Therapeutin hat sich sehr gut um mich gekümmert und ist mit den Frühwarnzeichen ganz gut umgegangen. Sie hat mich ernst genommen, regelmäßig auf mich zu gekommen um nachzufragen wie es läuft und hat zum Teil die Rolle der Ärztin übernommen. 

Die restlichen Therapien bestanden hauptsächlich aus Sport. Bei dem Wetter nicht immer ganz angenehm. Die Ergotherapie war gut, auch wenn ich eigentlich die ganze Zeit alleine vor mich hin gearbeitet habe und die Therapeutin weg war. 

Das Zimmer, die Angebote und das drumherum waren wirklich gut. Auch das Essen für Vegetarier war hervorragend. 

Heute habe ich meine Tisch – Nachbarin verabschiedet, nächste Woche Dienstag werde ich dann gehen.

Ich freue mich sehr auf zu hause, auf André und Molli und auf die Pia. 

Halbzeit 

Ich habe tatsächlich die Halbzeit der Reha hinter mir. 

Am Anfang dieser Woche war mir leider die Therapien zu viel. Gestraft wurde ich mit Frühwarnzeichen, weswegen ich dann etwas Ruhe eingeplant hatte. Die Psychologin war sehr nett und verständnisvoll. Am Mittwoch und am Feiertag hatte ich deswegen kaum Termine. Heute stand Gruppenvisite an, Entspannungsbad und Ergotherapie. 

Das Melissen – Entspannungsbad tat richtig gut. Es half mir auch runter zu fahren. Von der Einzel-Ergo war ich etwas enttäuscht, da ich eigentlich alleine vor mich hin gebastelt habe und die Therapeutin in einem anderen Raum war. Ich habe einen Traumfänger gemacht. Nächste Woche ist malen eingeplant. Darauf freue ich mich, aber ich habe verhältnismäßig wenig Ahnung vom malen, weswegen ich auch etwas Angst habe. Grafik liegt mir eben mehr. 

Am Sonntag kommen meine Eltern, Andre ist im Urlaub und kommt deswegen nicht. 

Ich denke ich werde morgen mal in die Stadt laufen und Kaffee trinken gehen. Das Wetter ist auch so schön, das werde ich genießen.