Fortschritte

Nach drei Wochen Pause am Dienstag die erste Therapie-Stunde. Und was soll ich sagen, sie war baff. Theorie-Kurs von der Fahrschule geschafft, André geht in eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe, ich habe Probearbeiten in einem Job, ich bin nicht krank geworden, im Gegenteil, mir geht es besser,…

Ich bin sehr stolz auf mich, das ich 7 Tage am Stück 3 Stunden Theoriekurs geschafft habe. Diese Woche melde ich mich noch für die Prüfung an, die es zu bestehen gilt und danach geht es an die Praxis. Ich hatte jahrelang regelrechte Panik vorm Autofahren (auch vorm Mitfahren) aber nun werde ich wahrscheinlich im nächsten Monat mit dem Fahren beginnen. Die drei Stunden Kurs sind natürlich nicht lang für die meisten. Aber das ist zum ersten Mal seit 3 Jahren (!!) das ich 15 Stunden und länger etwas gemacht/gelernt habe und dabei nicht krank geworden bin. Für mich ist es also eine ziemliche Leistung.

Ich habe mich außerdem für einen Bundesfreiwilligendienst beworben und habe die letzte Woche knapp 20 Stunden im Betrieb gearbeitet. Es ist ein Job in der Medienpädagogik, wo ich bei Workshops und Betreuung mithelfe. Generell gefällt es mir dort sehr gut, aber ich merke wie ich an meine Grenze komme – mit der Hälfte der Stunden. Deswegen werde ich dort vermutlich nicht den Bufdi antreten, kann mir aber vorstellen dort ehrenamtlich zu arbeiten.

Desweiteren bin ich nach wie vor auf der Suche nach einer Ausbildung oder der Möglichkeit nach einem dualen Studium. Ich habe gerade eine Ausbildung im Blick, für die ich mich bewerben werde. Und dieses Mal werde ich es durchziehen und schaffen. Es sind “nur”  3 Jahre. Und eine Ausbildung ist schon einfacher als ein duales Studium, was ich zuerst angedacht hatte.

Im Mai bis Juni beginnt im übrigen meine medizinische Rehabilitation für drei Wochen. Sie findet in Bad Gottleuba statt. Ich kenne niemanden, der dort schon war, aber die Klinik sieht wirklich super aus. Und das Beste: ein Einzelzimmer! Und das ohne Fixierung und Kameraüberwachung wie auf der Geschlossenen. Es klingt wirklich sehr gut alles und ich freue mich richtig darauf. Und auch wenn es nicht so gut wird: es sind nur drei Wochen.

Heute ist eine schlaflose Nacht, aber das werde ich schon überstehen. Trotz anstrengender Arbeit ist mein Schlafrythmus ganz schön durcheinander, aber ich komme soweit damit zurecht.

Ansonsten bin ich derzeit wirklich ganz gut drauf, es ist manchmal schwierig mein Kopf-Chaos zu sortieren, aber ich denke es geht noch.

Wie es so läuft

Der Februar ist schon wieder fast rum und es ist viel passiert. Ich hatte viele Termine, es stand viel an, es war ein wenig chaotisch. Aber das wichtigste: ich passe gerade wirklich gut auf mich auf und versuche nicht krank zu werden.

Führerschein: ich hab die Theoriestunden geschafft. Es ging sieben Tage je 3 Stunden. Und das habe ich geschafft! Zum ersten Mal seit drei Jahren habe ich etwas durchgezogen und habe gelernt und geackert. Um zur Prüfung zugelassen zu werden muss ich noch den Erste Hilfe Kurs, den Sehtest und die biometrischen Bilder abliefern. Das erledige ich alles an einem Tag am Sonntag – acht Stunden lang! Das wird eine ziemliche Herausforderung aber ich bin gewillt das zu schaffen. Ich hoffe das ich nicht allzu viele Anläufe für die Prüfung brauche und das ich mich gut konzentrieren kann. Ich werde natürlich berichten wie es lief.

Reha: der MDK hat bei meiner Therapeutin angerufen und die Reha wird wohl bald eingeleitet. Ich warte noch auf den Bescheid und dann wird es in Kürze losgehen.

Therapie: wir haben einen Plan gemacht, wie ich mit Frühwarnsymptomen der Psychose umgehe und wie ich handeln muss. Nun ist meine Therapeutin seit 3 Wochen im Urlaub und das ist wirklich anstrengend für mich. Ich habe aber Gespräche in der Beratungsstelle wo ich immer bin und das hilft mir etwas, zumal ich zwischenzeitlich viele Frühwarnsymptome hatte und auf mich aufpassen musste. Ich habe die letzte Woche kaum geschlafen und viel mit den Stimmen zu tun gehabt und auch ein paar “verrückte” Gedanken kamen auf. Das muss ich beobachten und ggf. Schritte aus meinem Plan durchziehen.

Arbeit: ich habe mich für einen erneuten Bundesfreiwilligendienst beworben und habe am Dienstag ein Gespräch in der Einrichtung. Es hat etwas mit Medien zu tun – also genau das, was ich wollte und was mir hilft mich aufs Studium vorzubereiten.

Studium: ich war in der Studienberatung bei einer Behindertenvertretung und beim Professor der Abteilung. Es lief ganz gut, auch wenn ich an dem Tag echt angeschlagen war. Ich habe vollste Unterstützung seitens der BA und plane, ob ich im Herbst 2018 nach dem Bufdi dort mit dem Studium der Medieninformatik beginne. Seid gespannt wie sich das noch entwickelt!

Psychose: wie gesagt, Frühwarnsymptome. Die Dosis meines Antipsychotikums wurde leicht erhöht und ich hoffe das sich dadurch die Symptome reduzieren. Da heißt es abwarten und hoffen das ich bald wieder einen Termin in der PIA bekomme.

Alltag: derzeit läuft es mit der Alltagsbewältigung echt gut. Ich schaffe vieles, was ich mir vornehme, ich lerne für den Führerschein, hab für André und mich Bewerbungen in Adobe Illustrator designt und hoffe, das dieses Jahr noch einiges passiert! Ich bin gerade recht zuversichtlich das dieses anfänglich beschissene Jahr noch so einiges für mich bereit hält!

Selbsthilfe: ich war die letzten Termine wieder regelmäßig in der SHG und es tat mir wirklich gut. Ich habe mit einigen ein paar Probleme da ich mich schnell provoziert fühle, aber ich glaube das hat mit den Frühwarnsymptomen zu tun. Es fällt mir nicht leicht, Verhalten von anderen Menschen einzuschätzen und ich werde auch mit der Leiterin darüber reden ob es meine Fehlwarnehmung ist oder tatsächlich besteht. Außerdem ist André heute zum ersten Mal mit meiner Schwester bei einer Angehörigenberatung. Für mich ist das eine ziemliche Zerreißprobe, wodurch es mir schlecht geht, da ich befürchte das man da über mich lästert. Ich kann in dem Punkt André nicht vertrauen, aber das kann auch nur Misstrauen aufgrund der Frühwarnsymptome sein. Es macht mir jedenfalls sehr zu schaffen. Aber mit gemeinsamen drüber reden und eventuell professioneller Hilfe versuche ich, den beiden zu vertrauen und nicht gekränkt zu sein.

Ein bisschen depressiv, aber trotzdem entspannt

Die letzten Tage waren mal wieder reiner Horror. Schlafstörungen, die auch nicht mit Promethazin und Tavor gelöst werden konnten, starke Reizüberflutung und Geräuschempfindlichkeit gepaart mit körperlichen Sinnestäuschungen und Angst. Heute schien es so weiter zu gehen, aber über den Tag hat sich die Krise wieder verkrochen und mein wahres Ich ist zum Vorschein gekommen. Jede Krise ist eine mentale und körperliche Tortur, die Spuren hinterlässt, die Angehörigen verunsichert und einem an der eigenen Existenz zweifeln lässt. Ich neige sehr zu suizidale Gedanken, das war schon immer so. In Krisenzeiten ist das natürlich besonders schlimm. Ich war kurz davor freiwillig in die Klinik zu gehen weil ich mich nicht absprachefähig hielt (heißt: ich konnte nicht versichern, das ich mir nichts antue). Aber die Angst vor blöden Ärzten hielt mich davon ab. Ich hatte das ja schon mal: Krise, Panikattacken und schreckliche Angst, im Krankenhaus angerufen nur um vom Dienstarzt gesagt zu bekommen: “Solange Sie sich jetzt nicht die Pulsadern aufschneiden, sehe ich keinen Grund, Sie aufzunehmen.” Arschloch! Das hat mich natürlich dahingehend provoziert, das ich das fast getan hätte, ist aber eine uncoole Variante des Selbstmordes, halt nicht besonders effektiv.

Jedenfalls habe ich heute dennoch meine Termine wahrgenommen (zweimal Arbeitstherapie und einmal Treff mit Laura) und es ging sogar. Durch die Schlafstörungen bin ich in der Straßenbahn fast weggeschlafen, aber es ging mit Koffein auszuhalten. Heute war Jugendgruppe von der Arbeitstherapie aus. Ich war da schon, sagen wir, vier oder fünf mal, hatte aber öfters Ausreden gefunden, dort nicht erscheinen zu müssen. Ich habe mich einfach schrecklich unwohl gefühlt und hab keinen Draht zu den anderen gefunden. Heute musste ich ein Spiel für die Gruppe mitbringen und wider Erwarten lief es echt gut. Ich musste sogar herzlich lachen, weil wir heute eine tolle Gruppe waren und das Spiel echt gut aufgenommen wurde. Wir haben Privacy gespielt, da bekommt man Fragen oder Statements gesagt und muss anonym seine Meinung dazu abgeben und die Anderen müssen raten, wie viele dem zustimmen. Natürlich waren das alles lustige oder nicht peinliche Fragen (es gibt noch eine “Not Safe for Work” Variante, die etwas derbe Fragen beinhaltet) und wir hatten echt Spaß. Dann bin ich mit einem Teilnehmer zum Bus gelaufen und wir haben uns noch echt gut unterhalten, obwohl ich bis heute nicht viel von ihm hielt.

Der Herbst und beginnende Winter schlägt bei mir immer gnadenlos zu. Schlafstörungen, depressive Grundstimmung, Ängste und Lustlosigkeit inklusive.  Ich hoffe das das mit überstehen der letzten Krisentage wieder etwas besser wird. Am Donnerstag habe ich einen Psychotherapie Termin und werde dort noch einen Termin für die PIA Ärztin ausmachen. Ich habe mit dem Zeldox, das ich erst seit anderthalb Monaten nehme, noch deutlich Luft nach oben. Und gerade für die Sinneswahrnehmungen wäre etwas Abschirmung aus pharmakologischer Sicht noch wünschenswert. Außerdem hatte ich mit einer niedrigeren Dosis Zeldox auch mit krassen Suizid-/nihilistischen Gedanken zu tun, und ich hoffe mit einer Dosisanpassung wird das wieder etwas besser.

Vor knapp zwei Jahren hatte ich meine “Horrorpsychose”. Unglaublich, wie seitdem die Zeit vergangen ist. Und traurig, das ich noch immer an der Nachwirkung dieser Psychose zu leiden habe. Derzeit ist es schwer, Hoffnung zu haben und nach vorn zu blicken, weil es so aussichtslos erscheint. Arbeit, Ausbildung, Abschluss, alles in so unreichbarer Ferne. Ich bin extrem leistungsorientiert und der Gedanke, das ich nächstes Jahr meinen Bachelor gemacht hätte, wäre die Psychose nicht dazwischen gekommen, macht mich unsäglich verzweifelt. Aber gut. Es heißt nicht, das ich nie einen Abschluss erreichen werde. Irgendwann werde ich einen Ausbildungsabschluss haben, vielleicht sogar den ersehnten Bachelor? Man weiß es nicht. Auch wenn ich derzeit nicht erwartungsvoll in die Zukunft blicken kann, heißt das nicht, dass es nie eintreten wird.

Problemlösung

Ich hoffe die Probleme der letzten Zeit lösen sich langsam in Luft auf. Die Tage hatte ich viele Termine, zumal meine PIA Psychiaterin und die Thera in Urlaub fahren.

Thema Prophylaxe/Medikamente: Das Risperdal soll ab heute ausgeschlichen werden, da es depressive Symptomatiken verstärken kann. Stattdessen wird Ziprasidon eingeschlichen werden. Hoffentlich komme ich damit etwas besser zurecht und es schützt mehr vor psychotischen Symptomen, die in letzter Zeit ja immer wieder auftraten.

Thema Arbeitstherapie: Morgen habe ich einen Termin bei der Arbeitstherapie, wo ich mir die Einrichtung anschaue. Falls ich dort behandelt werden kann, bekomme ich auch die Überweisung (die Schwestern und der Vertretungsarzt wissen Bescheid). So wie es klang kann die Arbeitstherapie mehrmals die Woche circa ein bis drei Stunden dauern. Das wird individuell besprochen. Sie ähnelt Ergotherapie, jedoch bearbeitet man Aufträge und die “Werke” werden in einem Partner-Shop verkauft. Also arbeitet man wirklich für einen Betrieb, nur eben unter ergotherapeutischer Aufsicht.

Thema ALG: Ich war heute mit meiner Schwester bei einer Hartz4-Beratung und konnte alle Fragen klären. Zum Beispiel ie das mit den Bewerbungen läuft, wie ich Briefe ans Jobcenter formuliere usw.

Thema Selbsthilfe: Gestern war ich zum ersten Mal seit einem Monat wieder bei der Selbsthilfegruppe und es lief besser als gedacht. Ich hatte ja so meine Probleme mit der Gruppe, hab mich unwohl gefühlt und unsicher, aber gestern lief es ganz gut. Außerdem bin ich seit Samstag Mitglied im Selbsthilfenetzwerk für seelische Gesundheit (nachdem ich mich ein Jahr nicht getraut habe…). Da war ich zur Feier zum 10jährigen Bestehen, hatte viele interessante und anregende Gespräche und eine schöne Zeit.

10. Juni

Die letzten drei Tage war ich zu Hause und nicht in der Maßnahme. Ich bin etwas überfordert zur Zeit. Termine im BBW, Arztgespräche, Psychotherapeutentermine, Termine in der PIA, Psychiater, Medikamente, Maßnahme, Stimmen, alles durcheinander. In der PIA war ich seit dem 18.5. nicht mehr, also fast einen Monat. Die Psychologin hat sich auch bei mir gemeldet und gefragt was los ist. Das ist mir so schrecklich unangenehm. Ich wollte Termine, ich will in die PIA, aber die Maßnahme…ich will auch nicht ständig fehlen und Freistellungen, aber andererseits brauche ich die Termine. Zwar habe ich natürlich Gespräche mit der BBW-Psychologin, aber meine PIA-Psychologin möchte ich dennoch sehen. Ach, ich weiß nicht weiter. Ich hoffe ich kann mit den BBW Leuten reden, das ich zumindest aller zwei Wochen in die PIA gehen kann und ansonsten wieder 2 mal die Woche im BBW ein Gespräch erhalte.

Das Thema Leistung und Erwartungen ist aktuell wie nie. Nicht mal während des Abiturs ging es mir so schlecht. Und dabei hatte ich da auch immer die Angst zu versagen  – wobei ich es da schwarz auf weiß erhalten hätte, in Form eines schlechten Zeugnisses. Aber die Ungewissheit, wie meine Leistung im Vergleich mit den anderen ist, das ist es was mich stört. Weil ich so annehme, das ich ein totaler Loser bin und nichts schaffe. Das ich bedeutend schlechter als alle anderen bin, das ich versage, das ich dumm bin. Die Stimmen, vor allem ist es derzeit der Mann, Demian, machen mir das nicht unbedingt einfacher. Ich höre ihn recht leise zur Zeit, aber dennoch verstehe ich was er sagt. In der Maßnahme ist es aber bedeutend schlimmer als zu Hause.

Ich hoffe ich erhalte am Montag von der Ärztin weiterhin die Stundenverkürzung. Derzeit schaffe ich die 8 Stunden durch einfach nicht. Das meint auch die Psychologin. Hoffentlich sieht das die Ärztin auch so.

 

7. Juni

Heute hatte ich Schultheorie, was in etwa einer Wiederholung von bestimmten Schulstoff nahe kommt. Thema war Geometrie, Formeln umstellen, technisch-physikalisches Wissen. Ich konnte einiges davon noch recht gut (Formeln umstellen – ich war die einzige die alle 20 Aufgaben richtig hatte), anderes hingegen wusste ich überhaupt nicht (vor allem E-Lehre: ich habe kein Gefühl wie viel Volt eine Radioanlage im Gegensatz zu einem Staubsauger verbraucht).

Trotzdessen das ich teilweise positives Feedback erhielt, in etwa wegen den Formeln umstellen, hatte ich in der Pause einen Nervenzusammenbruch. Als ich wieder in den Unterricht kam fiel das der Lehrerin auf, sie redete kurz mit mir und schickte mich dann prompt zum Krisengespräch zur Psychologin. Dort musste ich erstmal versuchen normal zu atmen. Schon immer neige ich dazu zu hyperventilieren, so auch heute. Ich weinte und weinte und weinte und hätte am liebsten irgendwas gemacht um das zu stoppen. Schalter umgelegt und gute Laune, das wäre es doch. Die Psychologin rief die Ärztin des BBW an und fragte ob ich für die restliche Woche eine Freistellung erhalte. Ich ging nach dem Gespräch also zur Ärztin und redete noch einmal mit ihr. Sie stimmte dem Krankenschein zu. Zur Ruhe kommen. Die Stimmen beruhigen. Erst einmal Abstand zur Maßnahme. Die Ärztin war super lieb und tat alles um mich zu beruhigen.

Bis Ende der Woche erst einmal krank. Es fühlt sich ein wenig wie scheitern an. Aber das stimmt nicht. Nur eine kurze Pause. Nur zur Ruhe kommen. Ich bin so einfach nicht arbeitsfähig. So könnte ich auch nicht zeigen, das ich etwas kann. Ich bin zwar am Nullpunkt angekommen, aber ich werde das jetzt schaffen. Ohne Klinik. Ohne Selbstverletzung. Ohne Suizidgedanken. Ohne aufgeben.
Weitermachen. Weiterleben. Weiterkämpfen.

Krisenverhalten

Heute war der erste Tag mit der Verkürzung. Zugegebenermaßen, gebracht hat es nicht wirklich was, aber ich war zumindest körperlich nicht ganz so extrem erschöpft. Heute war Schultheorie dran, mit dem Fach Mathematik. Zuerst hatten wir schriftliches Rechnen und verdammt noch eins, ich war so schlecht. Wann hab ich das letzte Mal schriftlich dividiert? Oder multipliziert? Ich kann dank Abitur Integrale und komplexe Funktionen ausrechnen, aber schriftliches rechnen kann ich nicht mehr. Ich hab das also nochmal erklärt bekommen…und dann ging es ans Testen. Dank meiner schlechten Konzentration, emotionaler Instabilität und der Stimmen war ich bei gerade mal 50% und das macht mir echt zu schaffen. Ich hab viele Pausen gebraucht, oft geseufzt, geweint, gezittert und in Panik ausgebrochen. Derzeit ist bin ich in einer Krise, das muss ich mir eingestehen. Selbst 3 Jahre nach Psychosen ist die Denkleistung vermindert, das muss ich mir auch eingestehen und es nutzen um mich nicht fertig zu machen. Konzentrieren und arbeiten geht nicht, das muss ich verstehen…puh, es ist nicht einfach derzeit. Es ist sogar sehr schwierig im Moment und das BBW verlangt mir alles ab. Aber ich kämpfe mich jetzt dadurch, ich ziehe das durch, ich schaffe das, koste es was es wolle.

Danach war ich in der AWO zur Kunsttherapie. Ich hab ein wenig vor mich hin gezeichnet, ganz ohne Anspruch. Es war wirklich entspannend und es tat mir gut, zeichnen ohne Hintergedanken und ohne Stress. Der Therapeut hat es auch verstanden. Dann haben wir noch geredet und es tat gut, denn er hatte ähnliche Interessen und Ansichten wie ich. Mit wem sonst kann man sich erst über den sumerischen Pantheon und dann die kommunistischen Züge der Urgesellschaft reden? Es war einfach entspanntes beieinander sein und einfach mal plaudern und das auf gutem Niveau. Ich bin danach noch zu Frau Ludwig, habe mit ihr über Montag gesprochen und wie es mit der Arbeitszeit Verkürzung läuft. Ich hab am nächsten Montag Einzeltherapie Kunst mit Jay (ich brauche langsam eine Übersicht wer welchen Spitznamen hat). Und zuvor ein Gespräch mit Frau Ludwig zur Entlastung. Die Gespräche bei ihr haben das Gute das ich nicht an einen psychologischen Kontext oder an einen Therapieplan gebunden bin, sondern frei von der Leben erzählen kann was gerade schwierig ist. Das tut auch einfach mal gut, gerade jetzt wo es alles so blöd ist.

Morgen dann steht wieder Konstruktion und Gestaltung an und nach Ende der Maßnahme ein Gespräch mit der Psychologin. In der PIA müsste ich auch noch anrufen und einen neuen Termin ausmachen, sowohl bei der Therapeutin als auch bei der Ärztin. Dafür brauche ich dann noch die Freistellungsanträge. Außerdem muss ich bisherige Kunstwerke mit ins BBW nehmen, die gebe ich ab zur Eignungsabklärung für Gestaltung. Da habe ich Sachen aus der Kunsttherapie genommen, weil das derzeit das aktuellste ist. Mehr habe ich außerdem von diesem Jahr nicht. Immerhin etwas.

Obacht

Derzeit heißt es roter Alarm. Ich muss aufpassen, das ich nicht direkt in die nächste Krise schlittere. Ich habe eine Menge meiner mir bekannten Frühwarnzeichen für eine Psychose und direkt gut geht es mir auch nicht. Der Stress im BBW macht mich schon ziemlich fertig, ich mache ihn mir hauptsächlich selbst. Dennoch versuche ich mich gerade in die Gruppe zu integrieren (mit Erfolg) und mit den anderen gut zurecht zu kommen. Mit Chris fahre ich oft mit dem Bus nach Hause und rede auch in den Pausen mit ihm, mit den anderen beiden bin ich noch nicht so grün.

Dadurch das es mir derzeit eher mies geht habe ich bis zum 2.6. eine Arbeitszeit-Verkürzung. Statt 7 1/2 Stunden nur 4 1/2 Stunden. Die Psychologin hat meine Situation ernst genommen und direkt reagiert. Ich habe am Donnerstag noch ein kurzes Gespräch mit ihr, wie es so läuft. Derzeit ist es in meinem Kopf ziemlich laut. Ein Genuschel die ganze Zeit und dann ab und an Stimmen. Derzeit dominiert die männliche, Demian, er ist am aktivsten. Und das obwohl sonst Eva immer so gesprächig ist…

Gestern war ich in der SHG und wir haben gepicknickt, bis uns ein Gewitter überrascht hat. Für mich wurde ein Kuchen mit einem Einhorn drauf gebacken und von Frau Ludwig bekam ich Veggie Schokolade und Tee. So lieb! Ich hab mich richtig sehr gefreut. Nach dem wir im Regen durch die Neustadt liefen, sind wir noch was trinken gegangen.

Am Montag nächste Woche geht vermutlich meine Einzelkunsttherapie los und ich werde noch zur Entlastung mit Frau Ludwig ein Gespräch führen. Sie unterstützt mich in meiner Krise auch so gut es geht und das freut mich sehr. Es ist derzeit nicht einfach und das verstehen zum Glück alle. Ich war gestern so geschafft das ich beim Picknick oft in Tränen ausgebrochen bin. Ich hasse das, es ist mir peinlich.

Die ersten Tage

Wochenende. Lange habe ich mich nicht mehr so drüber gefreut.
Die ersten Tage Bbw sind geschafft und im großen und ganzen lief es wirklich gut. Am Donnerstag hatte ich einen PD-Test, hauptsächlich Aufgaben ähnlich IQ Diagnostik. Vier Stunden Aufgaben lösen. Man war ich fertig. Danach hatte ich ein Gespräch mit dem Reha-Koordinator. Es war noch nicht viel zu besprechen, ich war ja auch erst zwei Tage da.
Am nächsten Tag hatte ich technisches zeichnen. Aufgaben waren zuerst Linien abzeichnen, Geometrische Figuren benennen, Umfang und Flächen ausrechnen von verschiedenen Figuren und später Objekte abzeichnen. Danach ging es zur Ärztin des Bbw und im Anschluss zur Psychologin. Mit dieser redete ich auch einige Zeit und es tat mir sehr gut. Es liegt aktuell viel Stress und Druck auf mir, hauptsächlich selbstgemachter. Also wieder geweint bis es nicht mehr ging. Aber es tat gut. Und auch das reden. In der kleinen Klasse melden sich auch wieder die Stimmen wieder. “Du bist viel schlechter. Du bist scheiße. Du kannst nichts. Er ist besser. Sie war schneller. Warum schaffst du es nicht!? Warum bist du nicht gut? Du bist scheiße. Du bist schlecht.” und dennoch muss ich noch konzentrieren… Ist nicht einfach. Aber ich habe mit der Psychologin drüber geredet und es tat gut. Sie unterstützen mich auch alle soweit es geht. Am Dienstag habe ich wieder einen Termin bei ihr. In der Pia den musste ich erst mal absagen, weil ich so kurzfristig keine Freistellung erhalten habe. Aber das mache ich demnächst noch, einen neuen Termin. Und nehme ihn auch wahr (ist auch nicht immer einfach).

Zack und Bumm

Zack! Und dann ging alles ganz schnell. Gestern einen Anruf bekommen, Termin ausgemacht, hingegangen. Die Rede ist vom BBW, dem Berufsbildungswerk.

Also heute nach dem PIA Termin hingegangen. Zu erst einen Blumenstrauß zum Geburtstag bekommen, total unerwartet. Dann hatte ich ein Gespräch mit jemanden aus dem Wohnheim, wir haben die Formalitäten geklärt und sind dann zur drei Mann starken Gruppe gegangen. Lukas, Franziska und Chris heißen sie. Alle auf den ersten Blick in Ordnung und ganz nett. Ich habe bei ihren Vorträgen über Zukunft zugehört, dann noch mal zum Rundgang weiter. Weitere Formalitäten geklärt, dann nach Hause. Man war ich fertig! Die ganze Aufregung hatte ich schon weinend beim Gespräch losgelassen, ich war einfach fertig. Morgen 8 Uhr Treff zu einem Psychologischen Test. Die Maßnahme geht 12 Wochen und ist eine Eignungsabklärung, für welchen Beruf ich geeignet bin. Ich denke ja an den Mediengestalter, aber ich lasse mich auch auf die anderen Sachen ein.

Der erste Termin mit der neuen Psychologin in der PIA war auch gut. Sie ist sehr nett und fragte gleich ganz offen: wie ist man denn auf die Idee gekommen Ihnen Borderline zu diagnostizieren? Da passt ja nichts! Danke, dachte ich mir auch immer…!