Eurofurence 23

Letzte Woche Mittwoch bis Sonntag war ich auf der größten europäischen Convention des Furry-Fandoms. Dies ist eine Gruppe von Menschen, die antromorphe Tiere (vermenschlichte Tiere) mögen. Auffällig sind die oft selbst gebauten Fursuits, die den eigenen Charakter widerspiegeln.

 

 

Hier ist ein Video zu der Parade vom 17.8. im Estrel Hotel in Berlin.

Ich hatte eine schöne Zeit dort, viele tolle Gespräche und Vorschläge und ein Haufen netter Menschen!

29. Juni

Meine PIA-Thera fragte heute zu erst: “Wie geht es Ihnen?” Meine Antwort: “Richtig gut”. “Das habe ich Sie noch nie sagen hören!”

Es stimmt. Derzeit geht es wirklich gut. Ich kann meine Termine erledigen – und den Haushalt. Ich kümmere mich um meine Gesundheit und mein Wohlbefinden  – und arbeite in der Therapie an mir. Ich mache Pflichtaufgaben – und gestalte meine Freizeit.

Die psychotischen Symptome – viel, viel besser. Die Stimmen nur noch selten. Mein Schlaf geregelt und ruhig. Die Depression…wie, ich hatte mal Depressionen?

Deswegen gehe ich nun einen Schritt nach vorn: und gehe nur noch aller 2 Wochen in die Therapie. Das hatte ich zuletzt im Jahr 2011!

Ich muss noch die Fahrschule-Theorie Prüfung machen, dann geht es auch an dieser Fraktion weiter. Muss mich um die weitere Finanzierung meines Lebens kümmern (am 11.7. muss ich zur Rentenversicherung) und im August geht es für einige Tage nach Berlin zu einer Convention.

Bald möchte ich auch wieder mit dem Sport anfangen. Leider habe ich mir am Samstag mal wieder den Fuß verstaucht – ihr erinnert euch, der Fuß der gebrochen war und durch Bänderriss labil ist.

Ich hoffe, diese positive Entwicklung hält einige Zeit an! Es wäre nach so langer Zeit sehr schön.

Fortschritte

Nach drei Wochen Pause am Dienstag die erste Therapie-Stunde. Und was soll ich sagen, sie war baff. Theorie-Kurs von der Fahrschule geschafft, André geht in eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe, ich habe Probearbeiten in einem Job, ich bin nicht krank geworden, im Gegenteil, mir geht es besser,…

Ich bin sehr stolz auf mich, das ich 7 Tage am Stück 3 Stunden Theoriekurs geschafft habe. Diese Woche melde ich mich noch für die Prüfung an, die es zu bestehen gilt und danach geht es an die Praxis. Ich hatte jahrelang regelrechte Panik vorm Autofahren (auch vorm Mitfahren) aber nun werde ich wahrscheinlich im nächsten Monat mit dem Fahren beginnen. Die drei Stunden Kurs sind natürlich nicht lang für die meisten. Aber das ist zum ersten Mal seit 3 Jahren (!!) das ich 15 Stunden und länger etwas gemacht/gelernt habe und dabei nicht krank geworden bin. Für mich ist es also eine ziemliche Leistung.

Ich habe mich außerdem für einen Bundesfreiwilligendienst beworben und habe die letzte Woche knapp 20 Stunden im Betrieb gearbeitet. Es ist ein Job in der Medienpädagogik, wo ich bei Workshops und Betreuung mithelfe. Generell gefällt es mir dort sehr gut, aber ich merke wie ich an meine Grenze komme – mit der Hälfte der Stunden. Deswegen werde ich dort vermutlich nicht den Bufdi antreten, kann mir aber vorstellen dort ehrenamtlich zu arbeiten.

Desweiteren bin ich nach wie vor auf der Suche nach einer Ausbildung oder der Möglichkeit nach einem dualen Studium. Ich habe gerade eine Ausbildung im Blick, für die ich mich bewerben werde. Und dieses Mal werde ich es durchziehen und schaffen. Es sind “nur”  3 Jahre. Und eine Ausbildung ist schon einfacher als ein duales Studium, was ich zuerst angedacht hatte.

Im Mai bis Juni beginnt im übrigen meine medizinische Rehabilitation für drei Wochen. Sie findet in Bad Gottleuba statt. Ich kenne niemanden, der dort schon war, aber die Klinik sieht wirklich super aus. Und das Beste: ein Einzelzimmer! Und das ohne Fixierung und Kameraüberwachung wie auf der Geschlossenen. Es klingt wirklich sehr gut alles und ich freue mich richtig darauf. Und auch wenn es nicht so gut wird: es sind nur drei Wochen.

Heute ist eine schlaflose Nacht, aber das werde ich schon überstehen. Trotz anstrengender Arbeit ist mein Schlafrythmus ganz schön durcheinander, aber ich komme soweit damit zurecht.

Ansonsten bin ich derzeit wirklich ganz gut drauf, es ist manchmal schwierig mein Kopf-Chaos zu sortieren, aber ich denke es geht noch.

Wie es so läuft

Der Februar ist schon wieder fast rum und es ist viel passiert. Ich hatte viele Termine, es stand viel an, es war ein wenig chaotisch. Aber das wichtigste: ich passe gerade wirklich gut auf mich auf und versuche nicht krank zu werden.

Führerschein: ich hab die Theoriestunden geschafft. Es ging sieben Tage je 3 Stunden. Und das habe ich geschafft! Zum ersten Mal seit drei Jahren habe ich etwas durchgezogen und habe gelernt und geackert. Um zur Prüfung zugelassen zu werden muss ich noch den Erste Hilfe Kurs, den Sehtest und die biometrischen Bilder abliefern. Das erledige ich alles an einem Tag am Sonntag – acht Stunden lang! Das wird eine ziemliche Herausforderung aber ich bin gewillt das zu schaffen. Ich hoffe das ich nicht allzu viele Anläufe für die Prüfung brauche und das ich mich gut konzentrieren kann. Ich werde natürlich berichten wie es lief.

Reha: der MDK hat bei meiner Therapeutin angerufen und die Reha wird wohl bald eingeleitet. Ich warte noch auf den Bescheid und dann wird es in Kürze losgehen.

Therapie: wir haben einen Plan gemacht, wie ich mit Frühwarnsymptomen der Psychose umgehe und wie ich handeln muss. Nun ist meine Therapeutin seit 3 Wochen im Urlaub und das ist wirklich anstrengend für mich. Ich habe aber Gespräche in der Beratungsstelle wo ich immer bin und das hilft mir etwas, zumal ich zwischenzeitlich viele Frühwarnsymptome hatte und auf mich aufpassen musste. Ich habe die letzte Woche kaum geschlafen und viel mit den Stimmen zu tun gehabt und auch ein paar “verrückte” Gedanken kamen auf. Das muss ich beobachten und ggf. Schritte aus meinem Plan durchziehen.

Arbeit: ich habe mich für einen erneuten Bundesfreiwilligendienst beworben und habe am Dienstag ein Gespräch in der Einrichtung. Es hat etwas mit Medien zu tun – also genau das, was ich wollte und was mir hilft mich aufs Studium vorzubereiten.

Studium: ich war in der Studienberatung bei einer Behindertenvertretung und beim Professor der Abteilung. Es lief ganz gut, auch wenn ich an dem Tag echt angeschlagen war. Ich habe vollste Unterstützung seitens der BA und plane, ob ich im Herbst 2018 nach dem Bufdi dort mit dem Studium der Medieninformatik beginne. Seid gespannt wie sich das noch entwickelt!

Psychose: wie gesagt, Frühwarnsymptome. Die Dosis meines Antipsychotikums wurde leicht erhöht und ich hoffe das sich dadurch die Symptome reduzieren. Da heißt es abwarten und hoffen das ich bald wieder einen Termin in der PIA bekomme.

Alltag: derzeit läuft es mit der Alltagsbewältigung echt gut. Ich schaffe vieles, was ich mir vornehme, ich lerne für den Führerschein, hab für André und mich Bewerbungen in Adobe Illustrator designt und hoffe, das dieses Jahr noch einiges passiert! Ich bin gerade recht zuversichtlich das dieses anfänglich beschissene Jahr noch so einiges für mich bereit hält!

Selbsthilfe: ich war die letzten Termine wieder regelmäßig in der SHG und es tat mir wirklich gut. Ich habe mit einigen ein paar Probleme da ich mich schnell provoziert fühle, aber ich glaube das hat mit den Frühwarnsymptomen zu tun. Es fällt mir nicht leicht, Verhalten von anderen Menschen einzuschätzen und ich werde auch mit der Leiterin darüber reden ob es meine Fehlwarnehmung ist oder tatsächlich besteht. Außerdem ist André heute zum ersten Mal mit meiner Schwester bei einer Angehörigenberatung. Für mich ist das eine ziemliche Zerreißprobe, wodurch es mir schlecht geht, da ich befürchte das man da über mich lästert. Ich kann in dem Punkt André nicht vertrauen, aber das kann auch nur Misstrauen aufgrund der Frühwarnsymptome sein. Es macht mir jedenfalls sehr zu schaffen. Aber mit gemeinsamen drüber reden und eventuell professioneller Hilfe versuche ich, den beiden zu vertrauen und nicht gekränkt zu sein.

Motivationsschub

Und dann kam er. Aus dem Hinterhalt. Ungeplant. Ich habe zum ersten Mal seit…ich weiß nicht, Jahren vermutlich, Dinge angepackt. Ich bin aufgestanden, habe geduscht, mir die Haare gewaschen, Zähne geputzt, mich geschminkt (wie lange habe ich das nicht mehr gemacht?!) und dann habe ich die Wäsche gemacht. Die Küche gereinigt. Aufgewaschen. Aufgeräumt. Das Katzenklo gemacht. Andrés Zeug weggeräumt. Den Couchtisch ausgemistet.

Das ist eine unglaubliche Veränderung. Die Wohnung ist ein Dauerzustand aus dreckig, unaufgeräumt und unordentlich und seit ich umgezogen bin hatte ich zum ersten Mal die Motivation das zu ändern. Vor allem konnte ich das alles hinter einander machen, ohne Pause. Einfach so. Wisst ihr wie krass sich das anfühlt? Nach 2 Jahren mal die Kraft für etwas alltägliches besitzen? Sich um sich selbst zu sorgen, ja, sich sogar zu schminken?

Zu Schulzeiten viel mir das alles nicht schwer. Da war ich jeden Tag toll angezogen und geschminkt, geduscht und frisiert. Seit der Psychose 2014 ist mein Zustand aber katastrophal. Ich war zu depressiv um mich um meinen Körper zu kümmern, ich habe selten Zähne geputzt und nur noch vor mich hin gelegen. Ich brauche ständig Pausen und muss mich ausruhen. Und dann dieser ungewohnte Schub. Ein krasses Gefühl.

Heute war ich denn wieder ziemlich ausgelaugt und habe auch einen Mittagsschlaf gemacht anstatt einzukaufen. Aber ich versuche jetzt weiterhin so motiviert zu bleiben und viel zu erledigen. Ich habe die Tage auch viel Hobbys gemacht. Gebastelt und gewerkelt, Weihnachtssterne fürs Fenster gemacht, meine Kräuter in Dosen eingeschlossen und konserviert, geräuchert und Kerzen angemacht.

Ich hoffe, ich kann das beibehalten.

Ein bisschen depressiv, aber trotzdem entspannt

Die letzten Tage waren mal wieder reiner Horror. Schlafstörungen, die auch nicht mit Promethazin und Tavor gelöst werden konnten, starke Reizüberflutung und Geräuschempfindlichkeit gepaart mit körperlichen Sinnestäuschungen und Angst. Heute schien es so weiter zu gehen, aber über den Tag hat sich die Krise wieder verkrochen und mein wahres Ich ist zum Vorschein gekommen. Jede Krise ist eine mentale und körperliche Tortur, die Spuren hinterlässt, die Angehörigen verunsichert und einem an der eigenen Existenz zweifeln lässt. Ich neige sehr zu suizidale Gedanken, das war schon immer so. In Krisenzeiten ist das natürlich besonders schlimm. Ich war kurz davor freiwillig in die Klinik zu gehen weil ich mich nicht absprachefähig hielt (heißt: ich konnte nicht versichern, das ich mir nichts antue). Aber die Angst vor blöden Ärzten hielt mich davon ab. Ich hatte das ja schon mal: Krise, Panikattacken und schreckliche Angst, im Krankenhaus angerufen nur um vom Dienstarzt gesagt zu bekommen: “Solange Sie sich jetzt nicht die Pulsadern aufschneiden, sehe ich keinen Grund, Sie aufzunehmen.” Arschloch! Das hat mich natürlich dahingehend provoziert, das ich das fast getan hätte, ist aber eine uncoole Variante des Selbstmordes, halt nicht besonders effektiv.

Jedenfalls habe ich heute dennoch meine Termine wahrgenommen (zweimal Arbeitstherapie und einmal Treff mit Laura) und es ging sogar. Durch die Schlafstörungen bin ich in der Straßenbahn fast weggeschlafen, aber es ging mit Koffein auszuhalten. Heute war Jugendgruppe von der Arbeitstherapie aus. Ich war da schon, sagen wir, vier oder fünf mal, hatte aber öfters Ausreden gefunden, dort nicht erscheinen zu müssen. Ich habe mich einfach schrecklich unwohl gefühlt und hab keinen Draht zu den anderen gefunden. Heute musste ich ein Spiel für die Gruppe mitbringen und wider Erwarten lief es echt gut. Ich musste sogar herzlich lachen, weil wir heute eine tolle Gruppe waren und das Spiel echt gut aufgenommen wurde. Wir haben Privacy gespielt, da bekommt man Fragen oder Statements gesagt und muss anonym seine Meinung dazu abgeben und die Anderen müssen raten, wie viele dem zustimmen. Natürlich waren das alles lustige oder nicht peinliche Fragen (es gibt noch eine “Not Safe for Work” Variante, die etwas derbe Fragen beinhaltet) und wir hatten echt Spaß. Dann bin ich mit einem Teilnehmer zum Bus gelaufen und wir haben uns noch echt gut unterhalten, obwohl ich bis heute nicht viel von ihm hielt.

Der Herbst und beginnende Winter schlägt bei mir immer gnadenlos zu. Schlafstörungen, depressive Grundstimmung, Ängste und Lustlosigkeit inklusive.  Ich hoffe das das mit überstehen der letzten Krisentage wieder etwas besser wird. Am Donnerstag habe ich einen Psychotherapie Termin und werde dort noch einen Termin für die PIA Ärztin ausmachen. Ich habe mit dem Zeldox, das ich erst seit anderthalb Monaten nehme, noch deutlich Luft nach oben. Und gerade für die Sinneswahrnehmungen wäre etwas Abschirmung aus pharmakologischer Sicht noch wünschenswert. Außerdem hatte ich mit einer niedrigeren Dosis Zeldox auch mit krassen Suizid-/nihilistischen Gedanken zu tun, und ich hoffe mit einer Dosisanpassung wird das wieder etwas besser.

Vor knapp zwei Jahren hatte ich meine “Horrorpsychose”. Unglaublich, wie seitdem die Zeit vergangen ist. Und traurig, das ich noch immer an der Nachwirkung dieser Psychose zu leiden habe. Derzeit ist es schwer, Hoffnung zu haben und nach vorn zu blicken, weil es so aussichtslos erscheint. Arbeit, Ausbildung, Abschluss, alles in so unreichbarer Ferne. Ich bin extrem leistungsorientiert und der Gedanke, das ich nächstes Jahr meinen Bachelor gemacht hätte, wäre die Psychose nicht dazwischen gekommen, macht mich unsäglich verzweifelt. Aber gut. Es heißt nicht, das ich nie einen Abschluss erreichen werde. Irgendwann werde ich einen Ausbildungsabschluss haben, vielleicht sogar den ersehnten Bachelor? Man weiß es nicht. Auch wenn ich derzeit nicht erwartungsvoll in die Zukunft blicken kann, heißt das nicht, dass es nie eintreten wird.

Stillste Stund

Ich stehe im Regen. Ich höre nichts, ich sehe nichts, ich spüre nichts. Um mich herum ist niemand, nur die zwei hohen Gebäude die eine Gasse bilden. Hier bin ich unbeobachtet. Mit zittrigen Händen öffne ich die Verpackung, sie fällt mir immer wieder runter, doch ich hebe sie auf und versuche es erneut. Dann nehme ich eine einzelne Rasierklinge. Immer wieder ramme ich sie mir tief in den Arm, mache einen Schnitt, dann zwei, dann ein dritter, und immerfort, bis es mir schwindelig wird. Nun sehe ich, was ich getan habe und der Schock trifft mich. Ich habe kein Verbandsmaterial. Ich drücke ein paar Taschentücher auf meinen Arm, nehme meine Sachen und renne in die Notaufnahme. Ich finde den Eingang nicht, zittere immer noch, bin verwirrt, oben, unten, links, rechts, wie bekomme ich eine Tür auf? Irgendwann hilft mir ein älterer Mann und ich gehe in die Anmeldung.

“Was ist los?” fragt mich die Krankenschwester, die hinter einem Computer sitzt.

“Schnittverletzung, linker Unterarm” sage ich nüchtern. Sie runzelt die Stirn, ob meiner kühlen Antwort oder meinem kreidebleichen Gesicht.
“Zeigen Sie mal” und ich strecke ihr den Arm entgegen und entferne die Taschentücher.

“Um Himmelswillen, Mädel!” stößt sie entsetzt auf und holt schnell steriles Verbandsmaterial, wattierte Kompressen und Bandagen. Sie verbindet meine Wunden, aber innerhalb kürzester Zeit ist alles blutgetränkt.

Sie nimmt meine Versicherungskarte entgegen und schickt mich zu einer weiteren Schwester, die meinen Verband erneuert. Sie ist sehr klein, vielleicht 1,50 m, und spricht kein Wort mit mir, während sie seufzend die Schichten des Verbands löst.

Zeit vergeht. Es kommen Menschen mit geschwollenen Armen, die in grotesken Winkeln abstehen. Eine Frau hat Schürfwunden am Knie und streitet mit einem Arzt.

Ich gebe André Bescheid und irgendwann kommt er. Ich bin immer noch wie in Trance, vollkommen verloren in den Weiten der Dissoziation.

Doch langsam klärt sich der Nebel und ich komme wieder zu mir. Und mit dem Bewusstsein kommt der Schmerz. Nach drei Stunden werde ich aufgerufen. Mir schwindelt es, ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Ich bin nüchtern und habe nur eine Tasse Kaffee intus. Dazu  Blutverlust.

Ich sehe auf den Bildschirm des Computers. Kunze, Anna (18.05.96),  nicht dringend, Borderliner steht als erstes in der Liste. Erneut wird der Verband aufgeschnitten und als der Arzt die Kompressen anhebt, beginnt es erneut zu bluten. Er nimmt die Anamnese auf. Circa 12 Schnitte, 5 kleinere und 7 tiefere, DMS intakt, kein Hinweis auf Verletzung tieferer Strukturen.

Wieder muss ich in den Wartebereich. Ich sitze vielleicht eine halbe Stunde, als ich in die Wundversorgung gerufen werde. Im OP lege ich mich auf eine Trage, den linken Arm ausgestreckt. Eine OP-Schwester bereitet alles vor. Ich sage, das ich ebenfalls schonmal im OP gearbeitet habe. “Und was machen Sie jetzt?” Ich schlucke und gebe zu, arbeitslos zu sein. “Aha.” sagt sie und legt die Instrumente bereit.

Der Arzt kommt herein. Er entfernt den Verband und erklärt der Schwester das Vorgehen. Die fünf kleineren werden mit Gewebekleber zusammen geklebt und dann mit Steristrips fixiert. Die weiteren werden genäht. Er setzt mir sechs Spritzen zur Betäubung. In meinen angeschwollenen, zerschnittenen und blutenden Arm werden die Spritzen injiziert. Ich lasse mir den Schmerz nicht anmerken. Dann legt der Arzt los.

Ich taumle, als ich in den Wartebereich komme. Mein Arm ist dick verpackt und ich spüre das pulsieren des Blutes. Wir fahren nach Hause. Und ich weiß, dass das ein neuer Tiefpunkt ist.

Problemlösung

Ich hoffe die Probleme der letzten Zeit lösen sich langsam in Luft auf. Die Tage hatte ich viele Termine, zumal meine PIA Psychiaterin und die Thera in Urlaub fahren.

Thema Prophylaxe/Medikamente: Das Risperdal soll ab heute ausgeschlichen werden, da es depressive Symptomatiken verstärken kann. Stattdessen wird Ziprasidon eingeschlichen werden. Hoffentlich komme ich damit etwas besser zurecht und es schützt mehr vor psychotischen Symptomen, die in letzter Zeit ja immer wieder auftraten.

Thema Arbeitstherapie: Morgen habe ich einen Termin bei der Arbeitstherapie, wo ich mir die Einrichtung anschaue. Falls ich dort behandelt werden kann, bekomme ich auch die Überweisung (die Schwestern und der Vertretungsarzt wissen Bescheid). So wie es klang kann die Arbeitstherapie mehrmals die Woche circa ein bis drei Stunden dauern. Das wird individuell besprochen. Sie ähnelt Ergotherapie, jedoch bearbeitet man Aufträge und die “Werke” werden in einem Partner-Shop verkauft. Also arbeitet man wirklich für einen Betrieb, nur eben unter ergotherapeutischer Aufsicht.

Thema ALG: Ich war heute mit meiner Schwester bei einer Hartz4-Beratung und konnte alle Fragen klären. Zum Beispiel ie das mit den Bewerbungen läuft, wie ich Briefe ans Jobcenter formuliere usw.

Thema Selbsthilfe: Gestern war ich zum ersten Mal seit einem Monat wieder bei der Selbsthilfegruppe und es lief besser als gedacht. Ich hatte ja so meine Probleme mit der Gruppe, hab mich unwohl gefühlt und unsicher, aber gestern lief es ganz gut. Außerdem bin ich seit Samstag Mitglied im Selbsthilfenetzwerk für seelische Gesundheit (nachdem ich mich ein Jahr nicht getraut habe…). Da war ich zur Feier zum 10jährigen Bestehen, hatte viele interessante und anregende Gespräche und eine schöne Zeit.

10. Juni

Die letzten drei Tage war ich zu Hause und nicht in der Maßnahme. Ich bin etwas überfordert zur Zeit. Termine im BBW, Arztgespräche, Psychotherapeutentermine, Termine in der PIA, Psychiater, Medikamente, Maßnahme, Stimmen, alles durcheinander. In der PIA war ich seit dem 18.5. nicht mehr, also fast einen Monat. Die Psychologin hat sich auch bei mir gemeldet und gefragt was los ist. Das ist mir so schrecklich unangenehm. Ich wollte Termine, ich will in die PIA, aber die Maßnahme…ich will auch nicht ständig fehlen und Freistellungen, aber andererseits brauche ich die Termine. Zwar habe ich natürlich Gespräche mit der BBW-Psychologin, aber meine PIA-Psychologin möchte ich dennoch sehen. Ach, ich weiß nicht weiter. Ich hoffe ich kann mit den BBW Leuten reden, das ich zumindest aller zwei Wochen in die PIA gehen kann und ansonsten wieder 2 mal die Woche im BBW ein Gespräch erhalte.

Das Thema Leistung und Erwartungen ist aktuell wie nie. Nicht mal während des Abiturs ging es mir so schlecht. Und dabei hatte ich da auch immer die Angst zu versagen  – wobei ich es da schwarz auf weiß erhalten hätte, in Form eines schlechten Zeugnisses. Aber die Ungewissheit, wie meine Leistung im Vergleich mit den anderen ist, das ist es was mich stört. Weil ich so annehme, das ich ein totaler Loser bin und nichts schaffe. Das ich bedeutend schlechter als alle anderen bin, das ich versage, das ich dumm bin. Die Stimmen, vor allem ist es derzeit der Mann, Demian, machen mir das nicht unbedingt einfacher. Ich höre ihn recht leise zur Zeit, aber dennoch verstehe ich was er sagt. In der Maßnahme ist es aber bedeutend schlimmer als zu Hause.

Ich hoffe ich erhalte am Montag von der Ärztin weiterhin die Stundenverkürzung. Derzeit schaffe ich die 8 Stunden durch einfach nicht. Das meint auch die Psychologin. Hoffentlich sieht das die Ärztin auch so.

 

Sich lebendig fühlen

Gestern war ich auf einem langersehnten Konzert in Leipzig. Zum Glück hatte ich sowohl eine Begleitung, als auch eine Mitfahrgelegenheit ergattert, womit das Ganze perfekt geplant war.

Es spielte die englische Metalcore Band Bring me the Horizon und als Vorband die deutsche Trancecore Gruppe To the Rats and Wolves (eine Band die meine beiden Lieblinsgtiere im Namen vereint – was könnte besser passen?).

Hier ein Video, wo die Vorgruppe ein Lied der Hauptgruppe covert.

Es war voll, es war laut, es war eng und es war heiß, aber es war genial. Ich hab selten auf einem Konzert so viel mitgesungen und getanzt, selten so viel gespürt, erlebt, gefühlt. Ich bin total heiser und durchgeschwitzt aus der Veranstaltungshalle gekommen, aber ich fühlte mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder total energetisch, aufgeladen, zum zerreißen gespannt und glücklich.

Es wurde nicht nur das neuste Album, sondern auch ein paar “Perlen” älterer Tage gespielt, womit ich 2 von 3 Lieblingsliedern live hören durfte.

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I’ve had enough
There’s a voice in my head
Says I’m better off dead

(aus “Happy Song”)

Und eine Referenz zum Stimmen hören! Passt doch perfekt!

Es hat sich also voll gelohnt, es war genial, anstrengend und Kräfte zehrend, aber genial. Ich bin heute gegen 1 Uhr wieder zu Hause gewesen. Zum Glück fuhr gerade eine Bahn in meine Richtung, sonst hätte ich mit meinem Hinkefuß nach Hause laufen müssen.