Das erste Mal

Ich hätte nicht aufgeregter sein können vor meinen beiden ersten Terminen in die psychiatrischen Institutsambulanz. Dennoch machte ich mich erst am Montag und heute nochmals auf, um meine Termine wahrzunehmen.

Montag morgen ging ich zu Frau C., meiner neuen Psychologin. Sie begrüßte mich mit den Worten: “Ich habe heute auch meinen ersten Tag in der PIA! Sehen Sie, wir beide haben heute einen aufregenden Tag.” Damit war das Eis vorerst gebrochen. Eigentlich hatte ich keinerlei Lust auf ein erneutes Aufnahmegespräch…aber dieses war wirklich, wirklich gut. Natürlich herrscht bei solchen Terminen immer eine gewisse Anspannung. Man kennt sich nicht, ist etwas verklemmt, es kommen die immer wieder selben Fragen. Ziele werden besprochen, es wird in die Vergangenheit geschaut, man überlegt, was man erreichen möchte. Symptome werden besprochen, der derzeitige Status erklärt. Schlichtweg, man erzählt eine Menge über sich selbst, seine Krankheit und was man innerhalb der erreichen möchte. Das ist oft nicht leicht, denn wo fängt man an? Was ist am wichtigsten? Welche Ziele sollen erreicht werden? Vor allem wenn man, wie ich, manchmal etwas durcheinander ist und nicht genau weiß, was am Schlimmsten ist, sind diese Fragen recht quälend. Zumindest empfinde ich dies so – mir fällt es jedenfalls nicht leicht.
Dieses Mal jedoch war es etwas anders. Frau C. fragte viel nach und unterstützte mich in meinem Bericht. Ich mochte vor allem, dass sie sich nicht gleich den Arztbrief schnappte und mich anhand dieser Zeilen beurteilte. Sie wollte von mir wissen, was das Problem ist. Auch ihre offene Art, dass sie die vielen unterschiedlichen Diagnosen mit Abstand und Kritik betrachtete, gefiel mir. Vor allem die Situation mit dem unmöglichen Dienstarzt, der mich nicht zur Krisenintervention aufnehmen wollte, kommentierte sie mit: “Das ist ja scheiße!”
Als sie erfuhr, dass es mir derzeit nicht so gut geht und ich dennoch zu dem Vorstellungsgespräch morgen gehen werde, vereinbarte sie gleich für Freitag den nächsten Termin. Zur Sicherheit, damit nichts passiert und ich in meinen Emotionen “abgefangen” werde. Sie kann mich, glaube ich, recht gut einschätzen. Sie hat die richtigen Fragen gestellt und das Gespräch gut geleitet…ich bin mit einem wirklich guten Gefühl aus dem Gespräch hinaus gegangen.

Heute hatte ich gleich den nächsten Termin, aber bei der Psychiaterin der PIA. Es war ein kurzes Gespräch, indem sie die Verträglichkeit der Medikamente erfragt hat und wie es mir geht. Ich habe außerdem neue Rezepte bekommen. In der Apotheke ereilte mich dann der Schock. Sechs riesige Boxen an Medikamenten, die mich knapp 30€ kosteten. Was tut man nicht alles dafür, dass man gesund wird…

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